Berliner Bürgerplattform Wedding/Moabit

Seite 1: Organisation & Methode

Annähernd 40 Organisationen (Moscheegemeinden, Kirchengemeinden, soziale Einrichtungen und Selbsthilfeorganisationen) haben sich 2008 zur Bürgerplattform Wedding/Moabit »Wir sind da« zusammengeschlossen. Als gestaltende Kraft hat sich die Bürgerplattform seither in den Themen Jobcenter, Öffentlicher Raum und Bildung für ihren Stadtteil eingebracht. Die Erfolge zeigen, dass die Gestaltung unserer Gesellschaft längst nicht mehr nur Aufgabe von Politik ist, sondern verantwortungsbewusste Bürger/innen braucht, die sich für das Wohl ihrer Städte engagieren.

Organisation und methodisches Vorgehen

Es ist ein Donnerstagabend im November 2008. Über 1.150 Menschen haben sich in der Universal Hall in Berlin-Moabit versammelt. Viele müssen stehen, der Andrang ist groß und die Vielfalt der versammelten Menschen ungewöhnlich. Es sind die Mitglieder der knapp 40 Gruppen der Bürgerplattform »Wir sind da!« Wedding/Moabit. Moscheegemeinden, Kirchengemeinden, soziale Einrichtungen und Selbsthilfegruppen sind zusammengekommen, um nach zweijähriger Vorarbeit öffentlich die Gründung ihrer Bürgerplattform zu feiern. In einem intensiven Prozess der Beziehungsbildung über ethnische, religiöse und soziale Grenzen hinweg haben die Mitglieder zusammengefunden und ihre Anliegen, Sorgen und ihren Ärger geteilt. So stehen an diesem Abend Vertreter/innen aus den Mitgliedsgruppen mit arabischen, türkischen, asiatischen, afrikanischen und deutschen Wurzeln auf der Bühne. Sie erzählen von ihren Erfahrungen und Problemen, davon, was sie in den Schulen, im Jobcenter oder an öffentlichen Plätzen in ihrem Stadtteil erleben. Mit ihren Erfahrungen sprechen sie nicht nur für sich, sondern für einen Großteil der Bürger/innen aus Wedding und Moabit. Gemeinsam wollen sie mit der Gründung der Bürgerplattform mehr Einfluss auf die Gestaltung ihres Stadtteils erhalten und für Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung ein Partner auf Augenhöhe werden. Politiker/innen sitzen an diesem Abend im Publikum und hören den Menschen zu, anstatt zu ihnen oder über sie zu reden. Von den Vertreter/innen der Bürgerplattform hören sie eine Botschaft: Wir sind da!

Seither sind knapp vier Jahre vergangen und die Vertreter/innen der Bürgerplattform Wedding/Moabit haben ihr Versprechen eingelöst: Sie sind da! Die Bürgerplattform nimmt die Missstände in Angriff, die den Mitgliedsgruppen am meisten unter den Nägeln brennen. In Themenfindungsprozessen kommen die Mitglieder regelmäßig zu Wort, um über ihre persönlichen Sorgen und Nöte zu berichten. So wurden die zentralen Anliegen gefunden, für die sich die Bürgerplattform engagiert. Als gestaltende Kraft hat sich die Bürgerplattform seither in den Themen Jobcenter, Öffentlicher Raum und Bildung für ihren Stadtteil eingebracht.

Aktionen und Erfolge

Gemeinsames Fastenbrechen auf dem Leopoldplatz 2011

Knapp 67.000 Bedarfsgemeinschaften werden im Jobcenter Berlin-Mitte betreut. Damit ist es das größte Jobcenter deutschlandweit. Die Zustände und Abläufe im Jobcenter Berlin-Mitte waren für die Kunden jedoch von Anfang an besonders schwierig. Briefe und Unterlagen gingen verloren, Leistungen wurden falsch berechnet, Kunden mussten bis zu fünf Stunden warten um einen Termin zu vereinbaren und viele Kunden fühlten sich von den Mitarbeitern respektlos behandelt. Vertreter/innen der Bürgerplattform haben sich das Ziel gesetzt, die Perspektiven und Erfahrungen der Kunden für eine Verbesserung des Jobcenters aufzuzeigen. Dafür haben sie sich in die Entscheidungsstrukturen des Jobcenters eingearbeitet und den Kontakt zur lokalen Geschäftsführung, den zuständigen Vertreter/innen der Agentur für Arbeit sowie des Landes Berlin gesucht. Im ersten Schritt ging es darum die Augenhöhe mit diesen Vertreter/innen zu erreichen. Bei einer großen Versammlung der Bürgerplattform im Juni 2009 mit knapp 500 Mitgliedern, wurden vom damaligen Geschäftsführer, der Vertreterin der Agentur für Arbeit und dem Bezirksstadtrat die Zusammenarbeit mit der Bürgerplattform zugesagt. In vielen Gesprächen wurden seither konkrete Verbesserungsmaßnahmen verabredet. Die Zusammenarbeit zeigt Erfolge: Die Mitarbeiterzahl ist erhöht worden. Schulungen der Mitarbeitenden mit den Schwerpunkten Beratungskompetenz und Interkulturelle Kompetenz wurden begonnen. Die Wartesituation wurde verbessert und eine Service-Hotline für telefonische Auskünfte und Terminvereinbarungen eingerichtet.