Arbeiten, wie und was ich wirklich will

Seite 4: Besonderheiten & Ausblick

Besonderheiten

Genossenschafts- wie Vereinsmitglieder teilen die Überzeugung, dass Geld- und Bankwesen, die Ressourcenausbeutung und die auf verdrängender Konkurrenz beruhende Wirtschaftsorganisation keine gute Zukunft verspricht. Sie haben den Wunsch, in einer Gesellschaft zu leben, in der »alles alle stärkt«. Frithjof Bergmann (der weltweit angesehene »Philosoph der Arbeit« und einer der Gründungsgenossen) macht deutlich, dass dazu der Aufruf gehört, »arbeite was du wirklich, wirklich willst«. In Stuttgart ist inzwischen der NANK-Verein »Neue Arbeit, neue Kultur« ansässig, der die weltweiten Aktivitäten von Bergmann unterstützt.

Drei unserer Mitglieder machten sich an die Verbreitung der Gemeinwohl-Ökonomie (Kooperation statt Konkurrenz macht sie möglich) von Christian Felber und haben ihn (auf persönliches finanzielles Risiko) zu einem gut besuchten Vortrag eingeladen. Eine »Initiative Gemeinwohl Ökonomie Region Stuttgart« arbeitet seitdem stabil. Gute Beziehungen gibt es zu Regionalgeld-Aktiven, »Ohne Zins Bewegung« und der »Freien Unternehmer-Initiative e. V.«, welche aus den »Unternehmern gegen Stuttgart 21« entstanden ist und sich gegen die Zwangsmitgliedschaft in der IHK wehrt.

Diskutiert wird unter dem Begriff »Kooperatives Unternehmertum« die Mitgliedschaft von Unternehmen in der Genossenschaft mit dem Ziel, nicht gleich Kurzarbeit einführen oder gar Entlassungen vornehmen zu müssen, wenn es einmal an Aufträgen hapert. Die genossenschaftliche Arbeitnehmerüberlassung hätte dann die Aufgabe, unter Mitgliedsfirmen solche zu suchen, die gerade zu viel Arbeit haben. Wird es möglich sein dies arbeitsvertraglich so zu gestalten, dass ein Rückkehrrecht zur entleihenden Firma bleibt?

»Den Erwerbslosen in Stuttgart eine Stimme« zu geben, ist eines der Ziele unseres Organizing. Dazu dienen öffentliche Veranstaltungen. Eine erste war vor Jahren nötig geworden, um den Mitgliedern, die um einen guten Teil ihrer Arbeitslosenversicherung gebracht worden und in Hartz-IV-Gefahr geraten waren, drastisch vor Augen zu führen, dass der Wunsch »Das werden unsere Abgeordneten doch verhindern, wenn wir ihnen sagen, was unsere wirkliche Situation ist« vergeblich war. Unter dem Titel »Stuttgart fragt, Berlin antwortet: Die Zukunft der Erwerbslosigkeit« gelang es, regionale Mitglieder des Bundestages aus allen Fraktionen für eine Diskussion im voll besetzten Theaterhaus zu gewinnen. Sie hatten den erwerbslosen Anwesenden nichts aus ihrer Sicht Hilfreiches zu sagen. Interessanterweise hat die Presse mit keinem Wort über diese denkwürdige politische Veranstaltung mitten in der Legislaturperiode berichtet. Viele Mitglieder vom myself e. V. aber haben gelernt, dass sie ihre politische Vertretung selbst in die Hand nehmen müssen.

Was kann entstehen?

Mein Wunsch und Organizing-Ziel ist es, dass aus diesen Beziehungen zwischen Menschen mit ähnlichen Zielen und Gruppen ein stabiles kooperatives Netz regionalen Wirtschaftens entsteht. Die Hoffnung ist, dass mehr und mehr Menschen einen Teil ihrer Spargroschen nicht zur Bank tragen oder in eine Kapital gedeckte Altersvorsorge stecken, sondern ihr Geld stattdessen in unternehmerisches, kooperatives, gelegentlich genossenschaftliches Handeln einbringen – etwa durch gegenseitige Darlehen.

Gute Erfahrungen mit Organisationsformen dieser Art des gemeinsamen Wirtschaftens gemacht zu haben, die weiter gegeben werden können, ist eine ausgezeichnete Vorbeugemaßnahme, um mit den Turbulenzen einer größeren Wirtschaftskrise besser umgehen zu können.

Symbol: »Adresse« (ein Stift zeigt auf das Adressfeld eines Briefes)

Dr. rer.nat. Walter Häcker
Mühlstraße 8
73650 Winterbach
Tel.  (0 71 81) 4 96 11 34
Mobil: (01 79) 5 08 71 53

ARBEIT ZUERST eG, geschäftsführender Vorstand
E-Mail: dr.walter.haecker(at)arbeitzuerst.de

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