Arbeit für demokratische Kultur

Seite 1: Vom Community Organizing lernen

Die Beratungsarbeit für demokratische Kultur und gegen Rechtsextremismus des Kulturbüros Sachsen zielt darauf, demokratische Diskurse zu vitalisieren und zivilgesellschaftliche Bürgeraktivitäten zu fördern. Wichtige Grundlage der Arbeit sind die vier Schritte des Community Organizing: Zuhören & Auswerten, Themen definieren & Nachforschen, Aktionen & Problemlösen sowie Auswerten & Weiterarbeit/Organisation aufbauen.

Vom Community Organizing lernen: Arbeit für demokratische Kultur – gegen Rechts

Scheinbar außergewöhnliche Ereignisse, wie hohe Wahlergebnisse der NPD oder brutale Gewaltakte rechter Schläger/innen verschaffen gesellschaftlichen Demokratiedefiziten kurzfristige Aufmerksamkeit. Aktuell wird die Aufdeckung des »Nationalsozialistischen Untergrunds«, dessen Morden von den Informationsbeschaffungs- und Strafverfolgungsbehörden jahrelang unbehelligt blieb, diskutiert. Gleich einem stetig wiederkehrenden Ritual folgen Skandalberichterstattung, Erschrecken, Hilflosigkeit und Verantwortungsverschiebung. Solche Ereignisse haben jedoch lange Vorgeschichten vom Verschweigen rechter Gewalt, Missachtung von Menschenrechten und Angst und Vereinzelung von Demokratinnen und Demokraten.

Wir wissen, dass Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) (1) und rechte Gewalt kein Problem der Jugend oder gesellschaftlicher Ränder ist. Wir müssen daher alle Milieus und Altersgruppen (2) bei der Vitalisierung menschenrechtlicher und humanistischer Grundwerte, also der Unterbrechung der Reproduktion minderheitenfeindlicher Einstellungen (3) einbeziehen. Wir benötigen konkrete Bildungs- und Erfahrungsangebote für die gesellschaftliche Mitte mit einem Schwerpunkt auf der Aktivierung der Altersgruppe »35+« (die Älteren). Jenseits der Schule treffen wir im Gemeinwesen altersgemischte und themenspezifische Gruppen. Es bedarf also generationenübergreifender soziokultureller Methoden, Älteren die (Wieder-)Aneignung von Partizipations- und Gestaltungswillen zu ermöglichen. Grundlagen zur Erreichung dieses Zieles bieten zivilgesellschaftsorientierte Ansätze der Gemeinwesenarbeit (GWA) und des Community Organizing (CO).

Das Kulturbüro Sachsen e. V. (KBS): Organisation und Finanzierung

Das KBS ist ein gemeinnütziger Verein, der seit dem Jahr 2001 durch das Bundesprogramm CIVITAS, später durch ein sächsisches Landesprogramm und neue Bundesprogramme gefördert wurde. Das KBS beschäftigt heute zwölf Mitarbeiter/innen in unterschiedlichen Arbeitsfeldern. Neben den Mobilen Beratungsteams (MBT) gibt es auch das Arbeitsfeld Gemeinwesenarbeit. Die in diesem Beitrag dargestellte Systematik sozialräumlicher Demokratisierungsprozesse (4) entstand als neues Arbeitsfeld aus der MBT-Arbeit und wurde 2005 erstmals durch EU-Fördermittel finanziert. (5) Alle GW-Projekte des KBS starten mit Mobiler Beratung und nutzen deren Vorerfahrungen, erworbenes Vertrauen und Kontakte. Die GWA verstehen sich als Change Agents, die durch gezielte Anspracheformen und Projektformate Menschen zur Mitarbeit aktivieren. Es werden Impulse und Verweise zu Partnern gegeben, Veränderungen angeregt, aber nicht selber durchgeführt.

Ziele

Erfahrungen erfolgreicher Selbstermächtigung, eines »aufrechten Gangs« und der Wirksamkeit des eigenen Handelns konnten manche von uns in den Bürgerrechtsbewegungen oder politischen Arbeitskreisen der späten DDR machen. Sie prägen die Arbeit des KBS. Auch die sozialräumlichen Demokratisierungsprozesse haben das Ziel, demokratische Diskurse zu vitalisieren und zivilgesellschaftliche Bürgeraktivitäten zu fördern. Durch sozialräumliche Beratungsprozesse und Projektarbeit soll »eine integrative demokratische Kultur, verbunden mit einer gleichberechtigten öffentlichen Streitkultur bei Wahrung der Gleichwertigkeit und der Rechte aller Menschen und Anerkennung vielfältiger Lebensweisen« (6) erreicht und so rechtsextreme Erscheinungen zurückgedrängt werden. Dazu bedarf es in jedem Fall lokaler Initiativnehmer/innen, denen an einem demokratischen Zusammenleben auf Grundlage der unveräußerlichen Menschenrechte gelegen ist. Solche Initiativen zu initiieren, zu stärken und weiter zu entwickeln, ist Aufgabe sowohl von Beratungsarbeit als auch von längerfristiger Projektarbeit im Gemeinwesen.