Arbeit für demokratische Kultur

Seite 2: Methode

Methodisches Vorgehen

Gemeinsamkeiten von CO und gemeinwesenorientierter Beratungs- und Projektarbeit im Kulturbüro Sachsen e. V.

Anlass von Beratungen, die in Gemeinwesenprojekte münden (7), können beispielsweise Aktivitäten neonazistischer Kameradschaften oder hohe Wahlergebnisse für die NPD sein. Die Suche nach Gelegenheitsstrukturen, in denen Menschen erreichbar sind, zeigt zwar immer wieder ein vielfältiges Vereinsleben. Jedoch gibt es in diesen Vereinsstrukturen und der Öffentlichkeit selten offene Diskurse zu rechtsextremen Aktivitäten und ihrer Duldung oder Unterstützung. Die Mehrheitsdiskurse sind häufig durch Ignorieren oder Schweigen geprägt. Als die NPD bei den Kommunal- und Landtagswahlen 2005 in Reinhardtsdorf-Schöna mehr als 25 Prozent der Stimmen erreichte, luden Menschen, die das Schweigen und Verdrängen überwinden wollten, zu einer Bürgerversammlung ein. (8) In Borna waren es die Gewalt einer neonazistischen Kameradschaft und die Aktivitäten des rechtsextremen Vereins Gedächtnisstätte e. V., die betroffene Jugendliche und die Kommunalverwaltung nach Mobiler Beratung fragen ließen.

Jugendgruppen und Bürgerkonferenzen sind Gelegenheiten, Menschen zu erreichen. Manchmal initiieren MBT solche Gelegenheiten auch selber: Theaterstücke (»Hallo. Nazi!«, »Der Kick«, »Jagdzeit«) oder Filmvorführungen (»Die Welle«, »Kriegerin«), die rechte Gewalt, Rassismus oder den Einstieg in die Neonaziszene thematisieren, können unterdrückte Diskurse für einen Moment wirkungsmächtig und öffentlich machen. Immer schließen sich an solche Impulse öffentliche Diskussionen mit den MBT und GW-Arbeiter/innen und Film- und Theaterschaffenden an. Im Idealfall entstehen aus solchen Veranstaltungen längerfristige Gelegenheitsstrukturen, wie »Runde Tische« oder Bürgerinitiativen. (9) Solche Initiativgruppen können das KBS beauftragen, ihre fragile Initiative durch kontinuierliche Informations- und Bildungsangebote, Vernetzung mit regionalen Partnern oder Moderation von Projektplanung zu stabilisieren. Ist das KBS in der Lage, mit längerfristigen, extern finanzierten Projekten in einem Ort zu arbeiten, startet die GWA meist mit »Gemeindeporträts«. Das sind abgespeckte Sozialraumanalysen, in denen für den Themenzusammenhang des Arbeitsauftrages wichtige sozial-strukturelle Daten, Ergebnisse der aktivierenden Befragung und Erkenntnisse aus teilnehmenden Beobachtungen und projekthaften Ortserkundungen (beispielsweise Fotostreifzüge mit Jugendlichen) zusammengefasst und zu thesenhaften Impulsen verdichtet werden. Das Vorgehen des KBS orientiert sich bei solchen GW-Projekten an den vier Schritten des CO: (a) Zuhören & Auswerten, (b) Themen definieren & Nachforschen, (c) Aktionen/Problemlösen (d) Auswerten/Weiterarbeit/Organisation aufbauen.