Arbeit für demokratische Kultur

Seite 4: Erfolge & Potenziale

Erfolge und Potenziale: Was wurde erreicht und was kann verbessert werden?

Die Erfahrung, dass der zivilgesellschaftliche Ansatz in der Arbeit gegen Rechtsextremismus wirksam ist, zieht Menschen an. Aus persönlicher Betroffenheit (Erfahrung rechter Gewalt, Frustration über NPD-Wahlerfolge oder auch Angst vor Imageverlusten) wird im Gespräch mit lokalen Experte/innen und GWA ein Diskurs über Demokratiefeindlichkeit und rechte Gewalt. Solche Diskurse können gesellschaftliche Veränderung im Gemeinwesen bewirken. Die Arbeit geht weiter: bei der Jugendinitiative in Borna, der Bürgerinitiative »Demokratie anstiften« in Reinhardtsdorf-Schöna und anderswo. Die Aktivierung von Menschen benötigt langen Atem und externe Fachlichkeit. Sie erfordert die Finanzierung von GW-Arbeit über eine Startphase von 4 bis 5 Jahren. Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich GWA am besten im Team bewältigen lässt.

GWA, die von staatlicher Förderung abhängig ist, wird schnell zum Spielball politischer Interessen. Je größer die Eigeninteressen des Fördermittelgebers im Sozialraum, desto unwahrscheinlicher ist sozialer Wandel. Die anhaltenden Konflikte um die Rahmenbedingungen von Förderprogrammen gegen Rechtsextremismus, wie die sogenannte »Extremismusklausel« (20), zeigen: der zivilgesellschaftliche Ansatz zur nachhaltigen Bekämpfung menschenfeindlicher und rechtsextremer Orientierungen ist umstritten. Es bedarf weiterer Unterstützung der am Thema interessierten (Fach-)Öffentlichkeit, um die erfolgreiche Arbeit zu sichern.

Besonderheiten: lebensweltliche Zugänge – die Älteren erreichen

Die Älteren begegnen uns bei unserer Beratungs- und Gemeinwesenarbeit in sächsischen Kommunen in unterschiedlichen, sich teilweise überschneidenden themen- und fähigkeitsbezogenen Zusammenhängen – den Gelegenheitsstrukturen (GS): (21)

Die Social Change Theory (SCT) (22) weist auf die Differenz zwischen externer Wahrnehmung (social problem) und systeminterner Deutung und Motivation (social issue) hin. Um Menschen für Veränderung zu gewinnen, muss man Themen aufgreifen, die an die Lebenswelt der Adressat/innen anschließen. Diese umfasst die augenblicklich relevanten Wahrnehmungen, Gefühle, Erinnerungen, Erwartungen der Menschen. Die SCT beschreibt keine materielle (physikalisch, chemisch, biologisch) oder soziale (institutionell, kulturell) Lebenswelt, sondern eine psychologische Ich-Beschreibung der Menschen. (23) Der Schlüssel erfolgreicher Aktivierung besteht in der Verknüpfung von social problem und social issue.

Symbol: »Adresse« (ein Stift zeigt auf das Adressfeld eines Briefes)

Kulturbüro Sachsen e. V.
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01099 Dresden
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