Aktive Nachbarschaft gestalten

Seite 2: Methodisches Vorgehen

Ziele

Entwicklungsziel/langfristiges Ziel
  • Aufbau nachhaltiger Bewohnerstrukturen, die auch nach Projektende Soziale Stadt weiter bestehen und sich weiter für die Belange des Stadtteils einsetzen
Projektziel
  • Aufbau von Interessengruppen von Bewohner/innen im Stadtteil Setterich Nord und deren Vernetzung
  • Aufbau eines Unterstützerkreises Aktive Nachbarschaft
  • Verantwortung/Aufgaben werden durch die Aktiven übernommen
  • Empowerment der Akteure und Förderung eines konstruktiven Miteinanders im Rahmen demokratischer Aushandlungsprozesse
  • Sicherstellung personeller Kapazitäten (ca. 20 Stunden) für die Zeit nach Projektende für Organizer
Maßnahmen/Leistungen
  • Erfolgreiche Aktionen und Maßnahmen rund um die priorisierten Themen: Verbesserung der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen; Verbesserung des Wohnumfeldes
  • Moderation einer konstruktiven Zusammenarbeit der Akteure
  • Sicherstellen, dass sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und Milieus einbringen
  • Ausweitung der Gruppe durch Eins-zu-eins-Gespräche und Strategieentwicklung

Methodisches Vorgehen

Insbesondere die Anwendung des Zuhörprozesses und der Eins-zu-eins-Gespräche wurde vom Community Organizing übernommen. Es wurde darauf geachtet, immer wieder für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Aufbau von Beziehungen und der Aktivierung rund um die subjektiven Eigeninteressen der Gesprächspartner/innen zu sorgen.

Aktionen und Beispiele

Ein Aktiver erläutert die Pläne der Bewohner/innen.

Thema Verbesserung der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen
Eines der wichtigsten Ziele der Bewohner/innen war die Verbesserung der Bildungssituation. Ziel war es, ergänzende Lernmittel kostengünstig zur Verfügung stellen zu können, da viele der Bewohner/innen von staatlichen Transferleistungen leben.
Gemeinsam mit der örtlichen Katholischen Öffentlichen Bücherei erstellten die Aktiven eine Wunschliste an Büchern und Lernheften. Danach wurden Sponsoren zur Finanzierung dieser Anschaffungen gesucht und gefunden (Lions-Club; St. Marien Baesweiler-Setterich) und ein extra Regal mit ergänzenden Lernmitteln in der Bücherei aufgestellt. Im Mai 2012 wurde über diesen Erfolg in der örtlichen Presse und in den Schulen berichtet. Seit Juni 2012 stehen den Settericher Schüler/innen ab der 4. Klasse Lernmittel kostenlos zur Verfügung.
Es gelang, eine Gruppe von Jugendlichen so zu interessieren, dass sich ihr Sprecher auf einer Bewohnerversammlung zu Wort meldete und die Wünsche der Gruppe zur Wohnumfeldverbesserung vorbrachte (Fußballplätze, Spielplätze). Zudem gelang es, Vertreter der Jugendgruppe in die Treffen der Gruppe Aktive Nachbarschaft zu integrieren.

Verbesserung des Wohnumfeldes

  • Über den Zuhörprozess gelang es, persönliche Kontakte zu Bewohner/innen aufzubauen, die in besonders benachteiligten Straßenzügen leben. Die meisten dieser Einwohner/innen haben einen Migrationshintergrund, einige haben eine sehr geringe Schulbildung. Es gelang, in den Gesprächen herauszufinden, wo ihre Probleme liegen und welcher Änderungsbedarf besteht. Bei einer Bewohnerversammlung brachten die Sprecher/innen aus den jeweils aktivierten Straßenzügen Probleme und Lösungsvorschläge aus ihrem Wohnbereich ein. Vertreter der Stadt und Wohnungsbaugesellschaft, die zu der Bewohnerversammlung eingeladen worden waren, erklärten sich bereit, die Vorschläge der Bewohner/innen bei ihren Planungen zu berücksichtigen. Die Gruppe Aktive Nachbarschaft veranstaltete zwei »Reinigungsaktionen« des Stadtteils. Bis zu 300 Kinder und Erwachsene beteiligten sich jeweils beim Müllsammeln und die örtliche Presse berichtete darüber. Diese gemeinsamen Aktionen trugen dazu bei, dass der Kontakt unter den Beteiligten sich weiter verbesserte und sie weckte bei bisher unbeteiligten Neugierigen Interesse an der Aktiven Nachbarschaft.

Aktivierungsaktion beim Stadtteilfest

  • Im Rahmen des jährlich stattfindenden Stadtteilfestes beteiligte sich die Gruppe Aktive Nachbarschaft mit eigenen Aktionen: Mit einer Rose (2012) und mit Luftballons (2013) wurde den Besuchenden ein Flyer der Aktiven Nachbarschaft überreicht. Dabei kamen die Aktiven mit vielen Personen ins Gespräch und konnten damit auf die Gruppe, ihre Ziele und Aktivitäten aufmerksam machen. Außerdem präsentierte sich die Gruppe im Rahmen des Bühnenprogramms vor ca. 1500 Besucher/innen.

Überregionale Zusammenarbeit

  • Durch die Zusammenarbeit mit Paul Cromwell sind Kontakte zu anderen Organisationen im FOCO Netzwerk entstanden, die durch ein Treffen verschiedener Projekte aus Deutschland vertieft wurde. Fünf der bürgerschaftlich Engagierten und zwei Hauptamtliche nahmen an der FOCO Jahrestagung in Berlin (2012) teil, wo sie in Kleingruppen Erfahrungen austauschen konnten. Darüber hinaus besuchten sie Engagierte aus der Stadtteilvertretung in Düren-Nord, eine Bürgerorganisation, die ebenfalls in einem Programmgebiet der Sozialen Stadt aufgebaut worden war. Dort war schon 2011 eine Aktion zum Thema »Sauberes Norddüren« durchgeführt worden. So konnten die Settericher Erfahrungen mit dort engagierten Bewohner/innen austauschen. In Saarbrücken Malstatt lernten sie 2013 das dortige Projekt kennen und mehr über Fundraising im eigenen Umfeld (»grassroot fundraising«, Joan Flanagan)