Aktive Nachbarschaft gestalten

Seite 3: Erfolge & Potenziale

Erfolge

Bei einer Versammlung der Bewohnerinnen und Bewohner in Baesweiler

Über die aktivierenden Gespräche konnte zunächst eine Kerngruppe von interessierten und aktiven Bewohner/innen gebildet und später ausgeweitet werden. Diese Gruppe Aktive Nachbarschaft hat viel positive Resonanz in der Öffentlichkeit erhalten. Ganz praktisch konnte die Lebenssituation von benachteiligten Kindern in Setterich verbessert werden, indem jetzt kostenlose Lernmittel für Kinder und Jugendliche in der örtlichen Stadtteilbücherei zur Verfügung stehen und die Wünsche und Vorstellungen von Jugendlichen in die Wohnumfeldplanungen einbezogen wurden.
Insgesamt wurde erreicht, dass sich Einwohner/innen aus einem benachteiligten Stadtteil, viele mit Migrationshintergrund und Menschen, die z. T. keine Schulbildung haben, an Bewohnerversammlungen (mit 80 bis 100 Personen!) beteiligten. Es gelang, diese Menschen, die sonst schwer zu erreichen sind, zu aktiv Beteiligten zu machen. Sie brachten ihre Anliegen auf Augenhöhe bei städtischen Verantwortlichen, Planern und der örtlichen Wohnungsbaugesellschaft vor, die diese bei ihren Planungen für Wohnumfeldverbesserungen berücksichtigten.
Über die Aktivitäten der Aktiven Nachbarschaft sind Kontakte zwischen Menschen deutscher Herkunft und mit Migrationshintergrund entstanden, die es vorher so kaum gab. Hier konnte gezeigt werden, dass Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Milieus und Religionszugehörigkeit gelingen kann. Die Aktiven haben »Empowerment« erfahren und erlebt, wie sie durch gemeinschaftliches Handeln in direkter Demokratie mitwirken und mitgestalten können.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Die Planungen und Maßnahmen im Stadtteil orientierten sich an den Bedürfnissen und Wünschen der Betroffenen. So entstand ein für beide Seiten fruchtbarer »direkter Draht«.

Potenziale

Bisher stand den Stadtteilmanagerinnen für die Unterstützung der Gruppe nur wenig Zeit zur Verfügung (im Rahmen einer von 20 vordefinierten Projektmaßnahmen). Dadurch, dass die Stadtteilmanagerinnen viele Einzelmaßnahmen durchzuführen hatten, konnten die darüber entstandenen Kontakte auch zur Unterstützung der Gruppe Aktive Nachbarschaft genutzt werden (Beispiel Frauenfrühstück; künstlerische Beteiligungsmaßnahmen etc.). Aus der Gruppe Aktive Nachbarschaft beteiligten sich wiederum Engagierte in den Einzelprojekten in der im September 2012 eröffneten Bürgerbegegnungsstätte »Haus Setterich«. So konnten zwischen den verschiedenen Bereichen Synergieeffekte erzielt werden.

Zu Beginn beteiligten sich viele Menschen, die sich allgemein für den Prozess interessierten oder an einer Zusammenarbeit mit den konkret Beteiligten interessiert waren. Sie wünschten sich Verbesserungen für den Stadtteil, kamen aber nicht zwingend selbst aus dem Gebiet. Durch die aktivierenden Gespräche in einem besonders benachteiligten Gebiet wurden dortige Bewohner/innen hinzugewonnen, deren Interesse noch konkreter spürbar bezogen auf die o. g. Themen war.
Für die Zukunft wird es wichtig sein, beide Gruppen (These: mehr beziehungsorientiert, mehr interessenbezogen) beisammenzuhalten und damit deren jeweilige, unterschiedliche Potenziale nutzen und entfalten zu können.

Für Bewohner/innen eines benachteiligten Stadtteils, von denen sich viele an Planungsprozessen zum ersten Mal beteiligen, sind Entscheidungsprozesse von Politik und Verwaltung (hier: Planung, Antragstellung bis zum Bewilligungsbescheid) oft länger, als diese erwarten und hoffen. Deshalb überlegte sich die Gruppe eine Aktion, um die gerade geknüpften Kontakte aufrechtzuhalten bzw. zu vertiefen und gleichzeitig dem Ziel der Verschönerung des Wohnumfeldes durch eigene gemeinschaftliche Aktivitäten näherzukommen. Sie führten eine Reinigungsaktion im Stadtteil durch, an der sich in 2012 ca. 200 Menschen (und 2013 bis zu 300 Menschen) beteiligten.
Schließlich konnte die Planung des Amtes für Stadtentwicklung bei einer Bewohnerversammlung im Januar 2013 vorgestellt werden. Es wurde deutlich, dass viele Vorschläge der Bewohner/innen im öffentlichen Bereich noch im Jahr 2013, manche im Jahr 2014 umgesetzt werden. Auch die Wohnungsbaugesellschaft nahm die Vorschläge aus der Versammlung auf. Diese gilt es noch detaillierter abzusprechen.

Ermutigt durch die eigenen Erfolge, gibt es in letzter Zeit häufigere Lenkungstreffen der Gruppe Aktive Nachbarschaft und immer mehr eigene Initiativen – unabhängig von der Beratung.
Viele Menschen unterschiedlicher Herkunft engagieren sich trotz sprachlicher Barrieren. Die Gruppenatmosphäre ist sehr positiv und angenehm. Persönliche Beziehungen wachsen zwischen den Beteiligten. Sie erleben, dass sie Einfluss im Sinne von Mitwirkung und Mitgestaltung haben (können).

Symbol: »Adresse« (ein Stift zeigt auf das Adressfeld eines Briefes)

Ute Fischer, Stadtteilbüro DRK
Haus Setterich
Emil-Mayrisch-Straße 20
52499 Baesweiler
Tel. (0 24 01) 6 03 72 38
fischer.ute(at)gmx.de

www.sosta-setterich-drk.de
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