Leitprinzipien nachhaltiger Vereinsführung und Vereinsarbeit

Seite 7: Transparenz

Transparenz nach außen

Die »gute« oder »schlechte« Botschaft eines Vereins (wenn man so will auch sein Image) übermittelt sich häufig über Transparenz oder Intransparenz nach außen. Die gesetzlichen Publizitätsanforderungen an Vereine sind minimal. Sie liegen weit unter den Anforderungen, die etwa das Handelsgesetzbuch oder das Publizitätsgesetz für den Unternehmenssektor – beispielsweise im Hinblick auf Geschäftsberichte, Vorstandsgehälter, Aufsichtsgremien oder Korruptionsprävention vorgeben. Die öffentlich einsehbaren Eintragungen im Vereinsregister erweisen sich als äußerst rudimentär. Bis zu einem zentralen Verzeichnis aller Vereine ist es noch ein weiter Weg. Die Prüfungen der Registergerichte, Finanzämter und zumeist öffentlichen Zuwendungsgeber sind nicht-öffentlich, die Ergebnisse dringen allenfalls in skandal­umwitterten Konfliktfällen nach außen.

Große Vereine und Verbände haben sich – zumeist nach Skandalen, öffentlicher Kritik und ausgelöst durch schwindende Spendenzuflüsse – dazu entschlossen, Transparenzregeln nach dem Muster gesetzlicher Vorschriften oder branchenbezogener, freiwilliger Selbstverpflichtungen festzulegen. Im Sportbereich war es etwa der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der im Jahr 2008 auf der Ebene des Verbands einen Corporate Governance Codex, »Richtlinien der Verbandsführung«, vorlegte und verabschiedete. Im Bereich der karitativen Wohlfahrtsverbände wurden vergleichbare Transparenzregeln entwickelt und veröffentlicht: der Diakonische Corporate Governance Codex im Jahr 2005, die Transparenzstandards von Diakonie und Caritas im Jahr 2010. Allen diesen Vorschlägen ist gemeinsam, dass sie aus der Krise und Fehlentwicklungen in der Verbandsgeschäftsführung entstanden sind. Transparenz wird hier eher defensiv als Legitimationsproblem verstanden, der Corporate Governance Codex soll überwiegend dazu dienen, Interessenkonflikte auf der Führungsebene von Verbänden zu lösen.

Auf dieser Ebene der großen Verbände und Vereine fanden solche Initiativen mit Blick auf den Mittelzufluss über Spenden Ergänzung in Zertifizierungsverfahren, wie etwa dem Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Das Prüfverfahren setzt gewisse Transparenzstandards der gemeinnützigen Organisationen, die sich um das Siegel bemühen, voraus. Zusätzliche Transparenz schafft es nicht (bei Zusicherung der »Vertraulichkeit« der Prüfung der Unterlagen). Für viele kleinere, an Ressourcen ärmere Vereine sind die (Erst- und jährlichen Folge-)Gebühren, die sich nicht sehr von denen der privatwirtschaftlichen »Zertifizierungsindustrie« unterscheiden, schlichtweg unerschwinglich.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Transparenz in unterschiedlichen Phasen der Mitgliedschaft

Neumitglieder erhalten vor und bei der Aufnahme angemessene Grund­lageninformationen über die Arbeit des Vereins. Der Verein kann beispielsweise den Aufnahmeantrag für einen Einführungstext nutzen und neue Mitglieder zusätzlich persönlich in Satzung, Vereinskonstruktion und Organisationskultur einführen.

In der Einladung zur Mitgliederversammlung und im Vorfeld anderer (realer wie virtueller) Entscheidungsprozesse informiert der Verein klar über den Sachstand und denkbare Optionen oder Alternativen.

Die kollektiven Voten und Entscheidungen der Mitgliederversammlung werden angemessen dokumentiert und dargestellt.

Der Verein pflegt eine angemessene Willkommens- und Abschiedskultur. Wenn neue Mitglieder sich im Verein engagieren oder Mitglieder den Verein verlassen, werden Willkommen und Abschied offen und gemeinschaftlich gestaltet.

Den Transparenzanforderungen nachhaltiger Vereinsarbeit sehr viel näher kommen die Empfehlungen der »Initiative Transparente Zivilgesellschaft«, die von Transparency International Deutschland angeregt wurde. Sie sammeln die Erfahrungen vieler erfolgreicher kleinerer und mittlerer Vereine unter dem Motto »Tue Gutes und zeig es« – wahrhaftig und rechtschaffen. Die Transparenzanforderungen übertragen Kernkriterien für vertrauensbildende interne Vereinsöffentlichkeit nach außen in Form präziser, eindeutiger Information zu

  • Name, Sitz, Anschrift, Gründungsjahr (Nummer der Eintragung im Vereinsregister),
  • Satzung, Gesellschaftervertrag, Organisationsziele,
  • Angaben zur Anerkennung der Gemeinnützigkeit (aktuelle Gültigkeit)
  • Name und Funktion der Vorstands-, Geschäftsführungs- und Aufsichtspersonen,
  • Zahl der Mitglieder und Förderer,
  • aktuelle Tätigkeitsberichte,
  • Struktur der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen,
  • Herkunft der Vereinsmittel (Mitgliedsbeiträge, Spenden, öffentliche Zuwendungen, Drittmittel, Einkünfte aus Vermögensverwaltung, Zweckbetrieb und wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb),
  • Verwendung der Vereinsmittel (vor allem das Verhältnis der Mittel für ideelle Zwecke und den Anteil für Verwaltungsaufwand),
  • institutionelle Verflechtungen (Mutter-, Tochtergesellschaften, Verbandszugehörigkeit, Förderverein, Partnerorganisationen),
  • jährliche Zuwendung von Organisationen (juristischen Personen) die mehr als zehn Prozent der Jahreseinnahmen betragen, Großspenden von privaten Personen.

Die Transparenzanforderungen beschreiben Mindestanforderungen, die enorme Erfolge vor allem im Bereich der Spendenzuflüsse zeigen. Dies gilt vor allem für kleinere Vereine etwa in der Entwicklungszusammenarbeit oder in den emotional hoch besetzten Themen der Kinderhilfe oder des Tierschutzes. Diese Erfolge weisen darauf hin, dass der Schlüssel nachhaltiger Vereinsarbeit – neben der demokratischen Beteiligung der freiwillig engagierten Bürgerinnen und Bürger – im Zusammenwachsen der Transparenzkriterien innerer wie externer Vereinsöffentlichkeit liegt.