8 Fragen zu Versicherung mit Expertenantworten

Ehrenamt ohne Mitgliedschaft im Verein?

Wir sind in der Gründungsphase und schreiben die Satzung: ist es sinnvoll, Ehrenamtliche ohne Mitgliedschaft in unserem g.e.V. arbeiten zu lassen? Wie ist der Versicherungsschutz zu betrachten, wie ist das öffentliche Auftreten dieser Personen im Sinne unserer Satzung zu gewährleisten?

Wir erachten es aus mehreren Gründen als sinnvoll, Nichtmitglieder in die ehrenamtliche
Tätigkeit eines Vereins bzw. gemeinnütziger Organisationen einzubinden.
Gerade in den letzten Jahren erweist sich dieser Bereich als wichtigstes Rekrutierungsfeld
für neue Mitglieder. Studien bestätigen, dass insbesondere bei jüngeren Generationen die
Bereitschaft zum unmittelbaren Eintritt in Vereine tendenziell geringer ausgeprägt ist. Die
dauerhafte Beteiligung (und Bindung an Organisationen) wächst in der Regel erst durch die
Überzeugung nach Erfahrungen in der Mtarbeit in konkreten, klar umrissenen Projekten.
Faktisch wird auch der größte Teil ehrenamtlicher Tätigkeit in gemeinnützigen
Organisationen (oder auch öffentlichen Köperschaften) von Nicht-Mitgliedern geleistet. Das gilt
insbesondere in der Flüchtlingsarbeit.
Versicherung: Alle Bundesländer, so auch Niedersachsen bereits vor 12 Jahren, haben
inzwischen für alle ehrenamtlich Tätigen einen sogenannten subsidiären
Versicherungsschutz über entsprechende Rahmenverträge geschaffen. Er bedeutet, dass in
allen Fällen, in denen Freiwillige weder über  Versicherungen der Trägerorganistionen
(Vereine und öffentliche Institutionen) noch durch eigene private Versicherungen gegen
Unfall- oder Haftpflichtrisiken geschützt sind eine relativ unkomplizierte Absicherung über die
Rahmenvesicherung des Landes gegeben ist. Für Niedersachsen wurde dies ausführlich und
ausdrücklich im Rahmen einer Anfrage im Landtag im Mai diesen Jahres bestätigt.
Alle einschlägigen Informationen finden Sie über diesen link auf dem FreiwiligenServer des
Landes Niedersachsen:
http://www.freiwilligenserver.de/index.cfm?uuid=6DD62DC1D06511D6B42C0080AD795D93
Satzungsloyalität: Die Identifizierung ehrenamtlicher Mitarbeiter (im übrigen auch der
Mitlgieder) mit den Zielen und Zwecken einer gemeinnützigen Organisation kann am besten
mit angemessener Information und Aufklärung (gerade zu Beginn der Mitarbeit) und durch
beständige Überzeugungsbemühungen, im besten Fall durch die praktische Arbeit und ihren
Erfolg gewährleistet werden. Wesentliche Elemente sind dabei Teilhabe im Sinne einer auch
gestalterischen Mitwirkung, dichte Kommunikation und Verständigung und hohe Transparenz
der Veeinsaktivitäten (einschließlich der entscheidungsprozesse). Wenn Sie diese Frage
etwas vertiefen wollen, empfehlen wir Ihnen dazu einige Ausführungen auf unserem Portal
Wegweiser Bürgergesllschaft zu "Leitprinzipien nachhaltiger Vereinsführung und
Vereinsarbeit"
(http://www.buergergesellschaft.de/praxishilfen/arbeit-im-verein/leitprinzipien-nachhaltiger-ver
einsfuehrung-und-vereinsarbeit/)
Natürlich gibt es dazu auch einige formale Aspekte. Die erste wäre, dass - so banal es klingt
- die Ehrenamtlichen die Satzung und weitere Informationen über die Zielsetzungen des
Vereins (Leitbilder, Geschäftsordnungen usw.) auch kennen. Dazu eignen sich am besten
kleine, kurze Einführungsgespräche oder je nach Komplexität des Aufgabenbereichs und
Zahl der eingesetzten Ehrenamtlichen -workshops. Hilfreich ist sicher auch mindestens in der
Frühphase der Einarbeitung in die Mitarbeit die Begleitung durch und Zusammenarbeit mit
"sattelfelsten" Mitgliedern oder bewährten ehrenamtlichen Mitgliedern.
Jede ehrenamtliche Mitarbeit sollte auch auf die Grundlage unaufwändiger schriftlicher
Vereinbarungen gestellt werden, die neben Infos z.B. auch zum Versicherungsschutz
entsprechende Verpflichtungserklärungen (Satzungsloyalität, Repräsentanz des Vereins)
enthalten sollte.

Stand: 25. November 2015

Erste Hilfe und Haftung im Verein

Inwieweit müssen innerhalb eines Vereins regelmäßig erste Hilfe-Kurse angeboten bzw. durchgeführt werden ? Gibt es dafür irgendwelche Richtlinien ? Wer haftet wenn etwas passiert ? Müssen in jeder Gruppe Personen sein die erste Hilfe leisten können bzw. müssen darüber hinaus diese Personen eine offizielle aktuelle erste Hilfe-Bescheinigung vorzeigen können ?

Rein rechtlich gibt es keine gesetzliche Regelung, die es einem Verein vorschreibt, für jede regelmäßige Veranstaltung Personen einzubinden, die nachweislich (per Bescheinigung) Erste-Hilfe leisten können, oder für alle Mitglieder oder Übungsleiter solche Kurse anzubieten.

Rein rechtlich ist jeder Bundesbürger grundsätzlich zur Leistung von Erster Hilfe verpflichtet und zwar je nach dem Stand seiner Kenntnisse und Fähigkeiten. Im Regelfall ist die Benachrichtigung von Not- und Rettungsdiensten die wesentlich Erste-Hilfe-Leistung.

Die Rechtsprechung geht auch davon aus, dass die Mehrzahl der (erwachsenen) Bundesbürger und -bürgerinnen durch die Verpflichtung zum Erste-Hilfe-Kurs auch immer noch (gelegentlich nur noch rudimentäre) Kenntnisse besitzt.

Auch von der Haftungsfrage her würde sich im Normalfall der von Ihnen genannten Veranstaltungen eher die Frage darauf richten hatten alle Einzelnen Versammelten alles Notwendige im Sinne der Ersten-Hilfe getan. Hat Ihr Verein sogar eigenständig durch entsprechende Sachkundige (Arzt !) Kurse angeboten, die zwar nicht anerkannt, aber doch sachkundig durchgeführt wurden, stellt sich für den Verein die Haftungsfrage kaum, bzw. wird durch die üblichen Versicherungen (Krankenversicherungen der Betroffenen, Haftpflichtversicherungen des Vereins) abgedeckt.

Etwas anderes wären außerordentliche Großveranstaltungen zu denen in großer Zahl Menschen außerhalb des Vereins einbezogen würden (Konzerte, Sportveranstaltungen usw.).  Dann müßte in Abstimmung mit den (städtischen oder Landes-Genehmigungsbehörden) die Einbeziehung spezieller Vorsorge (Sanitätsdienste, Notarzt usw.) geklärt (und finanziert) werden.  Für die genannten regelmäßigen Veranstaltungen reichen m.E. Ihre Vorsorgemaßnahmen aus, zumal dann, wenn sie vielleicht für die Leiterinnen und Leiter regelmäßig wiederholt werden. Vielleicht ist es für den Arzt in Ihren Reihen und den Verein ja möglich, die Anerkennung (Bescheinigungsfähigkeit) der Kurse bei den jeweiligen Gesundheits-, und Sicherheitsbehörden zu erreichen.

Stand: 07. April 2011

Gesetzliche Unfallversicherung auch für unseren Verein?

Sind unsere Vereinsmitglieder durch die gesetzliche Unfallversicherung für Ehrenamtliche geschützt? Der Verein ist eine Selbsthilfeorganisation als eingetragener Verein und anerkannt gemeinnützig

Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung gilt subsidiär, d.h. nachrangig nur dann wenn kein anderer Versicherungsschutz (privat oder über den Verein) gegeben ist. Darüber hinaus deckt er nur einen Teil der denkbaren Risiken ab, in der Regel nur diejenigen, in denen die Mitglieder im engeren Sinne ehrenamtlich für den Verein tätig sind. Bei geselligen Veranstaltungen, ohne direkten Bezug zur Vereinsarbeit etwa, wäre dieser Schutz unter Umständen schon fraglich. Darüber hinaus sind Mitglieder des Vorstands in diesen gesetzlichen Schutz nicht einbezogen. Sie könnten allerdings gegen ein geringes Jahresentgelt (2,50 - 2,80 Euro) bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) freiwillig versichert werden. Es ist sicher ratsam, die gesamte Situation der Risikoabsicherung Ihres Vereins (Unfall- und Haftpflichtversicherung) von einem unabhängigen Versicherungsmakler oder aber z.B. auch über den Bundesverband Deutscher Vereine und Verbände (www.bdvv.de) klären zu lassen.

Stand: 12. Mai 2015

Haftpflichtversicherung und Konto

Wir sind eine Jugendinitiative und möchten einen Verein gründen. Ist es wichtig eine Haftpflichtversicherung abzuschließen? Und gibt es kostenlose Vereinskonten?

Eine Haftpflichtversicherung für einen Verein ist fast ein Muss, denken Sie an Veranstaltungen bei denen schnell etwas passieren kann. Günstige Versicherungen findet man am besten bei Landes(-jugend-)Verbänden oder auch über den Bundesverband Deutscher Vereine und Verbände http://www.bdvv.de/.
Bei überregionalen Banken findet man leicht das gebührenfreie Vereinskonto. Bei den regionalen Banken (Sparkassen, Volksbanken usw.) ist es aber oft auch nur eine Frage der Verhandlung, ob einem Verein (gerade von Jugendlichen auch als potentielle Kunden der Zukunft) nicht doch ein gebührenfreies Konto eingeräumt wird.

Stand: 05. April 2011

Unfallversicherung

Im Rahmen der Jugendarbeit eines Natur- und Wanderklubs bieten Mitarbeiter der Vorstandschaft ehrenamtlich Bastelkurse für Kinder (6-9 J. an. Bei den Bastelarbeiten gehen die Kinder mit Bohrmaschinen, Handsägen, el. Schleifgeräten u.a. um. Die Kursleitenden haben keine Fachausbildung an den Geräten. Frage: Besteht eine Versicherungsschutz im Falle einer Verletzung ..für den Kursleitenden ? ..für die Kinder ?

Vorausgesetzt bei dem Natur- und Wanderklub handelt es sich um einen eingetragenen und als gemeinnützig anerkannten Verein, besteht sowohl für die Kinder, wie für die ehrenamtlichen Kursleiter ein Unfallversicherungsschutz durch die gesetzliche Unfallversicherung (hier sollte der Verein bei der Verwwaltungsberfusgenossenschaft kostenfrei angemeldet sein) und in der Regel eine weitere (subsidiäre) Unfallversicherung, die die einzelnen Bundesländer in Form von Rahmenverträgen abgeschlossen haben. In manchen Bundesländern gilt dies auch zur Absicherung gegenüber Haftpflichtschäden, die bei den von Ihnen beschriebenen Kursen ja auch denkbar wären. Hier sollte geprüft werden, ob in Ihrem Bundesland auch eine solche Haftpflichtversicherung über das Land besteht und, ob eventuell auch der Verein über eine entsprechende Vereinhaftpflichtversicherung verfügt.

Stand: 01. Oktober 2011

Unfallversicherung

Kann eine Organisation eine Unfallversicherung für ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter abschliessen?

Es ist sehr empfehlenswert und natürlich zulässig ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeit gegen Unfälle während Ihrer Tätigkeit für die Organisation zu versichern. Allerdings haben inzwischen auch alle Bundesländer für die ehrenamtliche Tätigkeit subsidiäre Unfallversicherungen eingerichtet, d.h. hat die Organisation eine solche Unfallversicherung nicht, tritt die Länder-Versicherung in Kraft.

Stand: 12. April 2011

Versicherung

Wir sind ein gemeinnütziger Verein zur Gesundheitspflege mit Eintrag in das Vereinsregister. Der ehrenamtliche Vorstand beauftragt jährlich eine Leitungsgruppe mit der Durchführung einer Gruppenarbeit für gesundheitlich betroffene Frauen und Männer. Nach entsprechender Vorbereitung findet die Gruppenarbeit unter ärztlicher und therapeutischer Leitung auf einer einwöchigen Segelreise (niederlande) statt. Wir sind bei der Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) gemeldet. Die Leiter sind berufshaftpflichversichert. Braucht der Verein weitere Versicherungen?

Über die BGW und (ergänzend eine subsidiäre Unfallversicherung des Landes NRW für Ehrenamtliche) sind sie hinsichtlich des Unfallrisikos vermutlich ausreichend abgesichert. Teilnehmer und ehrenamtlich/freiwillig Tätige sind ebenfalls durch einen Haftpflichtsammelvertrag des Landes (mit der Ecclesia) abgesichert. Für das Haftpflichtrisiko vermuten wir Lücken seitens des Vereins, kennen aber die Hintergründe zu wenig (welche Art der Haftpflichtversicherung gibt es für den Törn z.B. durch die Schiffscharter). Grundsätzlich würden wir jedem Verein eine Vereins- bzw. Betriebshaftpflichtversicherung empfehlen, generell wenn es um Veranstaltungen geht, besonders der Art, die Sie planen bzw. ja schon öfter durchgeführt haben. Wir sind keine Versicherungsexperten, allerdings reichen Erfahrung und Phantasie aus, um sich Risiken vorzustellen (etwa auch in Form einer Beschädigung des Schiffes oder Dritter), für die der Verein haftbar gemacht werden kann, die auch ganz sicher nicht durch die Berufshaftpflicht der Leiter abgedeckt sind (diese Versicherungen decken für den Arzt wie den Therapeuten nur die berufsspezifischen Risiken wie falsche Behandlungen usw. ab). Solche Betriebshaftpflichtversicherungen werden von allen großen Versicherungsunternehmen angeboten und liegen von den Kosten bei Monatsbeiträgen ab 40 Euro (+x je nach speziellen Risiken und zusätzlichen Versicherungen). Sie werden von allen größeren privaten Versicherungen angeboten, aber z.B. auch von kommunalen Versicherungsverbänden wie in NRW (www.gvv.de). Wir würden Ihnen mindestens empfehlen bei einer dieser Versicherungen das Betriebshaftpflichtrisiko mit besonderer Berücksichtigung des Segeltörns (aber auch unter Einbeziehung der vielleicht durch das Charterunternehmen abgeschlossenen) Versicherungen prüfen zu lassen.

Stand: 01. Oktober 2011

Versicherungen für Vereine

Wir interessieren uns für eine möglichst preisgünstige Versicherung für einen Verein. Wer kann darüber Auskunft geben,bzw. wer bietet solche Versicherungen an. Gibt es die Möglichkeit sich anderen Vereinen anzuschließen? Wie funktioniert das?

Das Thema Versicherungsschutz für Vereine ist ein recht weitläufiges und verzweigtes.
Zunächst gibt es den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz über die Berufsgenossenschaften bzw. öffentlichen Unfallkassen. Dieser Bereich ist gesetzlich neu geregelt worden und ich füge im Anhang die Informationen des Bundesgesundheitsministeriums bei.
Alle anderen Versicherungsbereiche (Haftpflicht usw.) werden für die traditionellen Vereine (Sportvereine usw.) in aller Regel über die Landesverbände über sogenannte Gruppenverträge mit einzelnen Versicherungsunternehmen geregelt.
In manchen Fällen engagieren sich auch die Bundesländer mit Anschlussmöglichkeiten an Gruppenverträge auch für kleinere Vereine.
Der nächste Ansprechpartner sind Versicherungsunternehmen, bei denen man, auch wenn der Verein keinem großen Landesverband angehört, sich nach der Möglichkeit erkundigen kann, sich einem Gruppenvertrag anzuschließen.

Stand: 29. März 2011