Im Plattenbaugebiet (Chemnitz-Hutholz)

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Erkenntnisse

Zwei Frauen beschriften Plakate.
Zusammentragen der Ergebnisse

Der Beginn der Befragung in den altersgerechten Wohnblöcken erwies sich als besonders gelungener Schachzug, da die Bereitschaft bei der Befragung mitzuwirken bei den älteren Bewohner/innen besonders hoch ist. Zudem konnten anfängliche Unsicherheiten im Bezug auf die Gesprächsführung überwunden und die entwickelte Vorgehensweise und die Arbeitsmaterialien (Briefe zur Ankündigung, Raster zur Ankündigung usw.) überprüft und zum Teil weiterentwickelt werden. Uns wurde deutlich, dass von den älteren Bewohner/innen eine konkrete Terminangabe bevorzugt wird, eine solche sich aber für die Durchführung der Befragung in den anderen Wohnblöcken und für den Ablauf als ungünstig erwies und wir uns somit bei den anderen Bewohner/innen für bestimmte Zeiträume (meist drei Tage) ankündigten.

Manche der Bewohner/innen vereinbarten mit uns aber auch telefonisch Termine. Von Bewohner/innen wurden wir am Anfang der Befragung immer wieder gefragt, ob wir denn auch einen Fragebogen hätten. Aus diesem Grund entwickelten wir einen Fragebogen, den wir denjenigen zur Verfügung stellen konnten die danach fragten bzw. die wir nach drei Versuchen nicht angetroffen hatten. Schon während der ca. zweieinhalb Wochen der Befragung kündigten wir die Bewohnerversammlung an. Wir fragten die Bewohner/innen auch, ob sie Interesse an der Teilnahme an einer solchen Versammlung hätten. Ein großer Teil zeigte Interesse, aber gerade ältere Bewohner/innen wünschten sich die Versammlung am Nachmittag. Darauf reagierend kündigten wir zwei Bewohnerversammlungen am gleichen Tag an (15.00 und 19.00 Uhr). Zu den Versammlungen kamen insgesamt über 60 Personen (nachmittags ca. 40, abends über 20), wobei auch Bewohner/innen kamen, die wir zur Befragung nicht angetroffen hatten bzw. die in Hutholz-Nord wohnten.

Besonders bewährt hat sich neben der Form der Ankündigung, den Kontakten zu den Vermietern und dem Beginn der Befragung in den altersgerechten Wohnblöcken eine tägliche Besprechung während der Mittagszeit, die eine Anpassung der Taktik an die aktuelle Situation und eine bessere Koordination ermöglichte. Die Bereitschaft die Vorgehensweise den aktuellen Gegebenheiten in einem gewissen Rahmen anzupassen ist dabei zu empfehlen. Der Einbezug aller Befrager/innen in die Auswertung erwies sich als günstig, da die Notizen alle handschriftlich erfolgten. Dies war durch die relativ kleine Größe der Befrager/innengruppe ohne Umstände möglich.

Deutlich wurde auch, dass eine Befragung nicht nur mit im sozialen Bereich ausgebildeten Personen erfolgen muss, sondern eine gute und intensive Vorbereitung auch den Einsatz anderer Personenkreise ermöglicht und dadurch andere Blickrichtungen in die Befragung einbezogen werden können. Bei der Vorbereitung nutzten wir zudem nicht nur Fachliteratur, sondern auch Berichte anderer Befragungen und vorhandene Kontakte.

Die Vorbereitungsphase war für die Befragung besonders wichtig. Die Kontaktaufnahme mit den Vermietern erwies sich dabei zwar einerseits als günstig, die Ängste und Befangenheit des einen Vermieters zeigten jedoch wie brisant es ist, eine Befragung in einer Situation des Umbruchs durchzuführen. Die Bereitschaft der Bewohner/innen an der Befragung teilzunehmen überzeugte uns aber davon, dass es gerade zu einem solchen Zeitpunkt sinnvoll ist.

Zwei Frauen sitzen an einem mit Papier bedecktem Tisch. Eine von ihnen notiert etwas auf einem Zettel.

Vorteile der Kontaktaufnahme zu den Vermietern zeigten sich dabei nicht nur direkt in der Vorbereitungs- und Durchführungsphase der Befragung (z.B. der Unterstützung bei der Verteilung von Aushängen), sondern auch in der Offenheit für die weitere Arbeit mit den Bewohner/innen und den Resultaten der Befragung. Insbesondere der Vermieter, der uns während der Befragung unterstützte, vermittelt im Nachhinein Bewohner/innen an das Projekt und ist zu weiterer Unterstützung und Zusammenarbeit bereit. Nachteilig im Bezug auf diesen Punkt war vor allem die anfängliche Befangenheit des zweiten Vermieters in Bezug auf die Befragung die u.a. dazu führte, dass die Ankündigungen in dessen Häusern in reduzierter Form erfolgen musste und unsere Arbeit etwas erschwert wurde. Im Nachhinein, nach der Befragung, zeigte sich aber auch dieser Vermieter gesprächsbereit. Von den Vermietern wird das Projekt heute als Ansprechpartner für bzw. als Schnittstelle zu den Bewohner/innen gesehen.

Ein relativ kleines Befragungsteam war in der Vorbereitungsphase günstig, aber der Ausfall von Befrager/innen (kurzfristig wegen Krankheit) machte es nötig, dass während der Befragung auch der Einsatz Einzelner statt der üblichen Teams von zwei Personen nötig wurde. Wir können es auch jedem nur empfehlen, schon während der Vorbereitungsphase ein Raster für die Auswertung zu entwickeln, um diese zu erleichtern. Den Aufwand und die Notwendigkeit eines Rasters/einer Richtlinie für die Auswertung hatten wir anfangs unterschätzt.

Im Laufe der Befragung zeigten die von uns gewonnenen Ergebnisse und Erkenntnisse, aber vor allem die von uns kennen gelernten aktiven bzw. zu Aktivitäten bereiten Bewohner/innen, das sich der Arbeitsaufwand einer solchen Befragung auf jeden Fall lohnt. Für die Arbeit mit den Bewohner/innen eines Stadtteiles bilden eine solche Befragung und deren Resultate eine gute Arbeitsgrundlage. Die Aktivierende Befragung ist eine Methode, die jedem, der Bewohner/innen wirklich aktivieren möchte, empfohlen werden kann. Besonders geeignet ist diese Methode für diejenigen, die in dem Gebiet bzw. mit den Menschen, die befragt wurden, weiterarbeiten möchten.

Symbol: »Adresse« (ein Stift zeigt auf das Adressfeld eines Briefes)

Stadtteilprojekt »Hutholz« der Sächsischen Sozialakademie e.V.
Walter-Ranft-Straße 72a
09123 Chemnitz
Telefon (03 71) 2 62 90 05
Telefax (03 71) 4 00 57 74

Symbol: »Autor« (ein stilisierter Füllfederhalter)

Dieser Beitrag von Manuela Lehnert ist folgener Publikation entnommen:
Handbuch Aktivierende Befragung: Konzepte, Erfahrungen, Tipps für die Praxis (Bonn 2012)
Die Publikation finden Sie hier.