Im Plattenbaugebiet (Chemnitz-Hutholz)

Seite 1: Ausgangslage, Zielsetzung, Besonderheiten

Ausgangslage/ Rahmenbedingungen

Eine Plattenbausiedlung hinter Bäumen.
Plattenbausiedlung in Chemnitz-Hutholz

»Wo drückt der Hut? Wo sitzt er gut?«: Unter diesem Motto führten wir im Januar/Februar 2002 eine Aktivierende Befragung im Chemnitzer Stadtteil Hutholz durch. Dieser Stadtteil gehört zur drittgrößten Plattenbausiedlung in den neuen Bundesländern, dem Fritz-Heckert-Gebiet. Die Bebauung (Erstbezug) erfolgte von 1983 bis 1990 in überwiegend fünf- und sechsgeschossiger Plattenbauweise die vereinzelt u.a. durch elfgeschossige und altersgerechte Wohnblöcke ergänzt wurde. Die Neubauwohnungen in diesem Gebiet waren bis nach der Wende (1992/1993) sehr begehrt. Zum Zeitpunkt der Befragung wohnten jedoch nur noch ca. 7.200 Bewohner/innen im Stadtteil. Seit 1994 ist damit ein Bevölkerungsrückgang von ca. 10.000 Bewohner/innen zu verzeichnen.

Ziele der Aktivierenden Befragung

Ziel der Arbeit des 1998 entstandenen Stadtteilprojektes »Hutholz« ist die Verbesserung der Lebensumstände der im Stadtteil lebenden Bewohner/innen im Rahmen des Gemeinwesenarbeitsansatzes. Als eine Aufgabe der Projektmitarbeiter/innen wurde im Leistungsvertrag die Errichtung eines niederschwelligen Kommunikationszentrums in geeigneten Räumen im Stadtteil benannt.

Vorbereitungen und erste Arbeiten zur Errichtung der heute »Nachbarschaftszentrum Hutholz« genannten Einrichtung erfolgten 2001. Sie befindet sich im Teilgebiet Hutholz-Süd, in dem ca. 2.100 Bewohner/innen leben. In diese Phase der Projektarbeit fielen auch die Vorbereitungen der Aktivierenden Befragung (z.B. die Schulung der Befrager/innen), die wir auf Grund der Projektplanungen erst einmal auf den Teilbereich Hutholz-Süd begrenzten.

Den Zeitpunkt der Befragung legten wir bewusst vor die Eröffnung des Nachbarschaftszentrums, da wir die inhaltliche Gestaltung des Zentrums und die Projektarbeit an aktuell ermittelten Bedarfen ausrichten und mögliche Aktivitäten von Bewohner/innen bzw. aktive Bewohner/innen einbeziehen wollten.

Zielsetzung der Befragung war neben dem Erfassen der aktuellen Bedarfe und Probleme der Bewohner/innen, das Kennenlernen der Sicht der Bewohner/innen im Bezug auf den Stadtteil und seine Gegebenheiten. Zudem sollte der Kontakt zu den Bewohner/innen neu aufgebaut bzw. teilweise vertieft und somit die Projektarbeit bei den Bewohner/innen bekannter werden.

Als quantitatives Ziel hatten wir uns das Erreichen eines Viertels der Bewohner/innen in Hutholz-Süd gestellt, dieses Ziel haben wir auch erreicht. Das Befragungsgebiet erstreckte sich dabei auf alle Straßen in diesem Gebiet, wobei die Befragungsdichte in unmittelbarer Umgebung des entstehenden Nachbarschaftszentrums höher war als in den Randbereichen. Bei der Befragung wollten wir zudem Bewohner/innen aus Häusern der verschiedenen Vermieter sowie aus den Eigentumswohnungen erreichen.

Besonderheiten in der Vorgehensweise

Plattenbauten hinter Bäumen. An der Straße parken Autos.

Die Befragung durch die Mitarbeiterinnen des Projektes (auch durch eine ältere Mitarbeiterin, die nicht aus dem sozialen Bereich kommt) sowie durch Praktikantinnen aus verschiedenen Studienrichtungen durchgeführt und ausgewertet, insgesamt sechs Personen.

Da das Projekt schon seit 1998 im Stadtteil verankert ist und die Kontakte und Zusammenarbeit mit den »Expert/innen« vorhanden sind, konzentrierten wir uns auf die Befragung der Bewohner/innen.

Zur Vorbereitung der Befragung gehörten neben Veröffentlichungen in der Tagespresse auch die Kontaktaufnahme zu den Vermietern (zwei der drei Vermieter konnten wir erreichen, der Dritte befindet sich in Zwangsverwaltung). In der bisherigen Projektarbeit haben wir erfahren, dass sich Bewohner/innen in den verschiedensten Situationen bei den Vermietern rückversichern, z.B. ob Informationen bzw. Mitarbeiter/innen bekannt sind.

Wir informierten die Vermieter/innen über unser Vorhaben und verdeutlichten dass wir eine offene Befragung durchführen wollen, bei der wir das Hauptaugenmerk nicht auf den Stadtumbau richten, sondern dass die Bewohner/innen mit ihrer Sicht auf den Stadtteil und ihren Gedanken und Ideen im Mittelpunkt stehen. Einer der Vermieter stellte uns daraufhin sogar eine Stadtteilkarte zur Verfügung und erklärte sich bereit, die Verteilung von Aushängen in seinen Häusern zu übernehmen. Unsere Ankündigungen erfolgten über Presse, Aushänge in den Häusern und Briefe, die an die zu befragenden Haushalte direkt gerichtet und persönlich verteilt wurden.

Symbol: »Autor« (ein stilisierter Füllfederhalter)

Dieser Beitrag von Manuela Lehnert ist folgener Publikation entnommen:
Handbuch Aktivierende Befragung: Konzepte, Erfahrungen, Tipps für die Praxis (Bonn 2012)
Die Publikation finden Sie hier.