Befragung des Einzelhandels (Essen-Altendorf)

Seite 2: Erkenntnisse, Kritische Punkte, Kontaktadressen

Erkenntnisse

Es hat sich bewährt:

  • die Kooperation zwischen den Hochschulen und der Kommune
  • die Kombination einer klassischen Bestandsaufnahme mit aktivierenden Befragungselementen, da die Befragung ein sehr gutes Bild über die Stärken und Schwächen von Stadtteil und Einzelhandel, Bedürfnisse des Einzelhandels und aktuelles Kooperationsverhalten liefert
  • eine Einbettung der Untersuchung in die Aktivitäten des Stadtteilprojektes Altendorf, d.h. in die Projekte und Maßnahmen des integrierten Handlungskonzeptes
  • die persönliche Einladung zu der Versammlung
  • die enge Kooperation zwischen der Kommune und dem örtlichen Werbering.

Die erstmalige Durchführung eines Altendorfer Stadtteilfestes verbunden mit einer Logo-Kampagne als Folge der Aktivierung hatte für die beteiligten Akteure des Einzelhandels, der Vereine und Institutionen vor Ort und des Stadtteilprojektes Altendorf (Stadt Essen, Universität Essen und Diakoniewerk) hohe Lerneffekte. Mittlerweile wird das Stadtteilfest jährlich durchgeführt.

Kritische Punkte

  • Der Versammlungstermin sollte mit der örtlichen Werbegemeinschaft oder zentralen Akteuren abgestimmt werden
  • Im konkreten Fall wurde die erste Versammlung erst 4 Monate nach der Befragung gemeinsam mit dem Altendorfer Werbering, der ein sehr schlechtes Image bei den Kaufleuten hatte, durchgeführt. Wichtig ist eine zeitliche Nähe von Befragung und erster Versammlung.
  • Deutlich wurde, dass Image und Rolle (Kooperationsbereitschaft) des Werberings stark personenabhängig ist. Bei einem schlechten Image der örtlichen Einzelhandelsvertretung müssen zeitliche und personelle Ressourcen in die Kontaktaufnahme zu den Kaufleuten und gegebenenfalls die Entwicklung alternativer Kommunikations- und Kooperationsstrukturen investiert werden.
  • Da die Einzelhändler/innen in der Regel durch ihren Beruf zeitlich stark gebunden sind, gestaltet sich eine breite Mobilisierung äußerst schwierig. (Die grundsätzliche Bereitschaft zur Mitarbeit der Einzelhändler/innen waren oft Lippenbekenntnisse, sodass es zu einer starken Diskrepanz zwischen Bereitschaft und tatsächlicher Aktivität gekommen ist.)
  • Es scheint eine kontinuierliche Ansprechperson für den Bereich der lokalen Ökonomie erforderlich zu sein; ohne stetige Unterstützung / Koordination durch die öffentliche Hand verlaufen Aktivitäten im Sande.
  • Speziell im Handlungsfeld »Lokale Ökonomie« scheint eine Verknüpfung von lokalspezifischen und gesamtstädtischen Strategien sinnvoll zu sein. Dies bedeutet dann auch eine Zusammenarbeit zwischen den Akteuren des Quartiersmanagements mit den relevanten Akteuren im Bereich der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung sowie des Stadtmarketing.
  • Die Mitarbeit der Kaufmannschaft an konkreten Projekten oder Aktivitäten bietet ein höheres Kooperationspotenzial als die Gründung neuer »formeller« Gremien.
  • In Altendorf fehlen noch ausreichende Kontakte zwischen deutschen und nicht-deutschen Einzelhändlern; bislang ist der nicht-deutsche Einzelhandel nicht organisiert.
  • Das im Rahmen einer öffentlichen Kampagne gewählte Logo für Altendorf wird von den Einzelhändlern kaum genutzt.

Die Ergebnisse der Bestandsanalyse und Befragung4 wurden in einer ersten Versammlung im Frühjahr 1999 öffentlich vorgestellt und diskutiert. Die Befragung lieferte in den Elementen der »Aktivierenden Befragung« sehr konkrete Ergebnisse bei der Stärken-Schwächen-Analyse und den Ideen und Vorschlägen seitens der Einzelhändler/innen. Darüber hinaus konnten gute Aussagen über das Kooperationsverhalten der Geschäftsleute (z.B. Inaktivität und schlechtes Image des damaligen Werberings, kaum unternehmerische Zusammenarbeit und Verflechtungen), und deren Identifikation mit dem Stadtteil (mentale Absetzbewegungen, Identifikationsverlust, Identifikation über die »besseren« Zeiten im Stadtteil) getroffen werden.

Symbol: »Adresse« (ein Stift zeigt auf das Adressfeld eines Briefes)

Dipl. Päd. Gaby Grimm
Freie Mitarbeiterin am Institut für Stadtteilbezogene Soziale Arbeit und Beratung der Universität Essen, Holzstr. 7–9, 45141 Essen
Telefon (01 77) 6 88 76 65
E-Mail: gaby.grimm@gmx.de

Michael Weinmann, Dipl. Geogr.
agiplan Project Management
Zeppelinstr. 301
45470 Mühlheim/Ruhr
Telefon (02 08) 9 92 53 66
E-Mail: miw@agiplanpm.de

Symbol: »Autor« (ein stilisierter Füllfederhalter)

Dieser Beitrag von Gaby Grimm und Michael Weinmann ist folgener Publikation entnommen:
Handbuch Aktivierende Befragung: Konzepte, Erfahrungen, Tipps für die Praxis (Bonn 2012)
Die Publikation finden Sie hier.