Auf den Anfang kommt es an (Düren)

Seite 3: Erkenntnisse, Kritische Punkte, Kontaktadresse

b) Durchführung einer »Planaktion« zur Aktivierung und Bedarfsermittlung

Für dieses Gebiet wählten wir auf Grund seiner Größe, und weil in der Voruntersuchung im Wesentlichen infrastrukturelle Themen genannt wurden, ein anderes Verfahren. Da es hier außerdem bereits zwei Bewohner/innen-Vereine gab, sprachen wir unser Vorgehen mit diesen ab und entwickelten mit ihnen die weiteren Schritte gemeinsam.

Wir stellten das Wohngebiet auf einem großformatigen Plan auf Styroporplatten dar. Mit diesem Plan und einem Satz Kärtchen, auf dem die uns aus der Voruntersuchung bekannten Interessen gezeichnet waren, stellten wir uns an neun verschiedenen belebten Plätzen auf. Der Plan diente als Medium, mit bisher nicht Aktiven in Kontakt zu kommen (Interessiertenliste), Gespräche und Auseinandersetzungen anzuregen. Zudem konnte, indem die Interessierten Kärtchen mit ihrem Interessen auf den Plan steckten, eine weitere Bedarfsermittlung durchgeführt werden.

Gemeinsam mit den beteiligten Organisationen wurde eine große Bewohnerversammlung vorbereitet, auf der die Ergebnisse der Bewohnerschaft präsentiert wurden und »in deren Hand gegeben« wurden. Es bildeten sich 3 Arbeitsgruppen zu einzelnen Themenschwerpunkten noch in der Versammlung. Diese erarbeiteten Vorschläge, die auf einer weiteren Versammlung zur Abstimmung gestellt wurden und die dann die Grundlage für das gemeinsame Bürgerprogramm bildeten.

Erkenntnisse

»Die umfangreiche Voruntersuchung gibt eine gute Grundlage für die spätere Aktivierungsarbeit. Die Kombination von subjektiven und objektiven Faktoren hilft ein Gebiet weitaus umfassender zu erfassen und begreifen.« »Bepunktung« ergibt eine relativ objektive Entscheidung (ein Quartier kam in die Auswahl, das beide Gemeinwesenarbeiter von ihren Vermutungen her nicht aufgenommen hätten).

Vorhandene Zugänge für Gespräche mit Bewohner/innen nutzen – da reine »Haustürgespräche« einen oft frustriert vor der Haustür zurücklassen und Zugang zu Bewohner/innen manchmal eher erschwerten. Zugänge können sein: Empfehlung von Pfarrer/innen, Kneipiers, Kolleg/innen, die jemanden kennen, der dort wohnt, andere Bewohner/innen, die schon bekannt sind. Gerade bei der Voruntersuchung ist es wichtig, Gespräche über Kontaktpersonen vermittelt zu führen, damit die Mitteilungsbereitschaft erhöht wird. Es ist uns geglückt, in der Voruntersuchungsphase keine hohen Erwartungen zu wecken, aber dennoch wussten wir, bei wem wir später anknüpfen konnten. Dies war unter anderem dadurch bedingt, dass wir von vornherein streng darauf geachtet haben, dass nicht wir die Akteure sein werden (auch bei Kleinigkeiten). Sehr entscheidend war, dass wir nichts vorgegeben haben, auch keine Räume. Dadurch wurde gewährleistet, dass von vornherein alle Aktivitäten von den Bürger/innen getragen wurden.

Kritische Punkte

Die Planaktion kann dazu führen, dass verschiedene Themen nicht genannt werden. Es findet unwillkürlich eine Beschränkung auf planerische Themen statt. Die Planaktion eignet sich gut zur Bedarfsermittlung und zum Herstellen von neuen Kontakten. Die eigentliche Aktivierung findet dann erst im Anschluss statt. Dieses Vorgehen ist nur möglich, wenn man einen klaren Auftrag für den Organisationsaufbau hat und nicht unter Zeitdruck steht, schnell sichtbare Projekte vorweisen zu müssen.

Durch diese Rahmenbedingungen (expliziten Auftrag) war es möglich, die Aktivierung selber zu machen und nicht in Auftrag zu geben (z.B. als Studierendenprojekt). Dadurch wurde auch in der Phase nach der ersten Aktivierung persönliche Kontinuität und professionelles Handeln ermöglicht. Vom Start der Voruntersuchung über die Aktivierung bis zum Beginn der Arbeit in Gruppen und Organisationen ist ein Zeitraum von mindestens 5 Monaten einzuplanen.

Die Menschen lassen sich mit diesen Verfahren nur zu Themen organisieren, die ihnen auf der Seele brennen und die sie auch nach außen äussern. Themen wie z.B. Arbeitsplatzsuche tauchten hier zunächst nicht in den Bürgerprogrammen auf.

Symbol: »Adresse« (ein Stift zeigt auf das Adressfeld eines Briefes)

Büro für Gemeinwesenarbeit der
Evangelischen Gemeinde zu Düren
Postfach 100535
52305 Düren
Telefon (0 24 21) 1 88-16 9, 1 88-16 7
Telefax (0 24 21) 1 88-18 8
E-Mail: birgitta.kammann@evangelische-gemeinde-dueren.de

Symbol: »Autor« (ein stilisierter Füllfederhalter)

Dieser Beitrag von Brigitta Kamman ist folgener Publikation entnommen:
Handbuch Aktivierende Befragung: Konzepte, Erfahrungen, Tipps für die Praxis (Bonn 2012)
Die Publikation finden Sie hier.