Auf den Anfang kommt es an (Düren)

Seite 2: Durchführung, Auswertung, Vorgehen in den Quartieren

B: Durchführung der Voruntersuchung

Wir haben darauf geachtet, dass zu diesem Zeitpunkt noch keine Erwartungen geweckt werden. Es sollte ja erst die Auswertung der Untersuchung ergeben, in welchem Quartier letztendlich aktiviert werden soll. Zur Ermittlung der Auswahlkriterien haben wir diesen jeweils spezifische Methoden zugeordnet:

  • Ortsbesichtigungen/Beobachtungen,
  • Recherche (z.B. Organisationen/ Vereine, Eigentumsverhältnisse, Baujahr der Gebäude, politische Vertreter/innen),
  • Statistikauswertung (aus dem Material der Stadt Düren entnahmen wir Daten zu Einwohnerzahl und Sozialdaten (s.o.).
  • Gespräche werden zum einen mit so genannten Expert/innen als auch Bewohner/innen geführt. Bei den Expert/innen handelt es sich um Lehrer/innen, Pfarrer/innen, Kioskbesitzer/innen, Kneipiers, Bezirkspolitiker/innen, Polizist/innen..., d.h. Menschen, die beruflich in dem Quartier zu tun haben und viel mitbekommen. Bei den in der Voruntersuchung zu befragenden Bewohner/innen haben wir Kontakte über die Nutzung vorhandener Zugänge und ein Schneeballsystem gesucht. Durch Empfehlungen war ein deutlich leichterer Zugang zu gewinnen, vor allem in diesem Stadium der Untersuchung. Reine »Haustürgespräche« (ohne Ankündigung und Bezug von Tür zu Tür gehen) hätten vermutlich hier eher verschreckt denn aktiviert.
  • Für die Bewohner/innen- und Expertengespräche wurden auf dem Hintergrund der Auswahlkriterien Leitfäden entwickelt; diese Leitfäden wurden nur als Gedankenstütze genutzt; die Gespräche wurden, entsprechend den Fragen der aktivierenden Befragung, offen geführt.

C: Auswertung der Voruntersuchung

Eine Frau weist mit der Hand auf den Stadtplan. Ein Kind und eine andere Frau blicken in die Richtung.

Die gewonnenen Ergebnisse und Erkenntnisse haben wir zusammengetragen und den jeweiligen kleinräumigen Quartieren zugeordnet. Diese Quartiersaufteilung wurde vorher noch einmal überarbeitet, vor allem um den Aspekt, wo aus Sicht der Bürger/innen die Grenzen Ihres Quartiers liegen.

Um eine gewisse Objektivität zu erreichen, haben wir für die Auswertung ein Punkteverfahren entwickelt. Zunächst wurden die einzelnen, o.g. Kriterien, auf Grund unserer Vorerfahrungen der Aktivierungsarbeit in anderen Quartieren, je nach ihrer Bedeutung gewichtet und mit einem Wert zwischen 1 und 10 versehen. Dieser Wert konnte maximal zugeordnet werden.

Im Anschluss haben die beiden Gemeinwesenarbeiter/innen unabhängig voneinander die den Kriterien zugeordneten Informationen und Erkenntnisse aus der Voruntersuchung bewertet. Dies zusammengerechnet ergab eine Punktzahl je Quartier. Sie gab Aufschluss darüber, wie hoch – nach unserer individuellen, fachlichen Einschätzung – der Veränderungsbedarf und wie stark die Ressourcen und Eigenkräfte in den verschiedenen Quartieren waren.

Es ergaben sich 4 Quartiere, die eine eindeutig höhere Punktzahl hatten als alle anderen. Somit war dort der größte Veränderungsbedarf und das höchste Aktivierungspotenzial ermittelt worden. Dies waren die Quartiere, in denen aktiviert werden sollte.

D: Entwicklung von spezifischen Vorgehensweisen für die einzelnen Quartiere

Nicht in jedem Quartier ist die Aktivierende Befragung praktikabel und durchführbar oder auch aus fachlicher Sicht angebracht. Deshalb wählten wir für die einzelnen Quartiere jeweils spezifische Vorgehensweisen. Für uns waren Anhaltspunkte dabei:

  • Wie sind die vorhandenen Kommunikations- und Meinungsbildungsstrukturen, die es zu berücksichtigen gilt?
  • Wer sind die »Meinungsführer/innen« , die anzusprechen sind?
  • Welche Veränderungsideen/ Probleme/ Empörungspunkte sind aus der Voruntersuchung deutlich geworden, die »Thema« sein könnten?

Aus der Beantwortung dieser Fragen leiteten sich die Ziele und anzuwendenden Methoden ab. Folgende zwei Beispiele verdeutlichen die Unterschiedlichkeit der jeweils von uns gewählten Vorgehensweise:

a) Aktivierende Befragungen gemeinsam mit einem Aktionskern

In dem Gebiet, in dem sich in der Voruntersuchung gezeigt hatte, dass viele eklatante Mängel im Wohnbereich bestehen, die Wut und Angst unter den Bewohnern groß ist und uns einige zaghaft Interessierte aus den Vorgesprächen bekannt waren, wählten wir das Vorgehen, gemeinsam mit diesen Interessierten weitere aktivierende Gespräche zu führen.

Zu einem ersten Treffen von 7 Interessierten kamen dann aber 36 Bewohner/innen, was auf einen hohen Problemdruck und einen gut funktionierenden Austausch unter den Bewohner/innen schließen ließ. In dieser spontanen Versammlung wurden die Ärgernisse gesammelt und gemeinsam das weitere Vorgehen vereinbart. Aus der Versammlung wurde eine Gruppe benannt, die die Gründung einer Interessengemeinschaft vorbereiten sollte. Mit dieser Gruppe wurde dann von uns nicht nur die Gründung vorbereitet, sondern auch die Durchführung weiterer Aktivierungsgespräche vereinbart.

Symbol: »Autor« (ein stilisierter Füllfederhalter)

Dieser Beitrag von Brigitta Kamman ist folgener Publikation entnommen:
Handbuch Aktivierende Befragung: Konzepte, Erfahrungen, Tipps für die Praxis (Bonn 2012)
Die Publikation finden Sie hier.