Richard und Hephzibah Hauser

Seite 3: Entstehung des »Handbuchs für Soziale Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit«

Zahlreiche Veröffentlichungen von Hauser, die später in das Buch »Die kommende Gesellschaft« einflossen, wurden damals als Manuskript vom »Heim- und Lagerdienst im Erzbistum Köln« gedruckt und unzählige Male kopiert und den Akteuren vor Ort zur Verfügung gestellt. Bereits 1965 hatte der Heim- und Lagerdienst (mit Erlaubnis des Centre for Group Studies) die Schrift »Die Aktionsuntersuchung« gedruckt, die dann zum Teil auf Matrizen abgeschrieben und über (aus heutiger Sicht) vorsintflutliche Druckverfahren vervielfältigt wurden. Die etablierten Verlage sahen damals keinen ertragreichen Markt für derlei Literatur, und so war es erst nach mühevoller Überzeugungsarbeit möglich, den Pfeiffer-Verlag für die Hausersche Buchpublikation zu gewinnen. So entstand dann das legendäre »Handbuch für Soziale Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit«, in dessen Einleitung Elisabeth Siegel damals schrieb:
»Dass das überlieferte Wissenschaftsverständnis scheitern muss, weil es keine Verantwortung für die praktischen Folgen mit einschließt, wissen inzwischen viele ... Deshalb hat Hauser als Sozialwissenschaftlicher einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Hinter seinem Handbuch steht eine fast drei Jahrzehnte fortgesetzte, in unterschiedlichsten Bereichen betätigte Trainingsarbeit mit Gruppen. Ob in Londoner Sonderschulen, mit Eingeborenen in Australien, mit Schwerverbrechern und ihren Aufsehern im Gefängnis, mit Studenten und Professoren, mit Negern und anderen Minderheitengruppen in USA, mit Geisteskranken in Heilanstalten, mit umgesiedelten Familien in Satellitenstädten, als Berater von englischen und internationalen hohen Behörden..., überall entdeckt er, dass es auf das Gleiche ankommt: durch Gruppentraining die Auseinandersetzung der Mitglieder untereinander zu aktivieren, dadurch ihre Vorurteile zu erschüttern, ihnen das Trauma der Ohnmacht zu nehmen, sie aus Apathie und Resignation herauszuholen und sie gemeinsame Ziele entdecken zu lassen, die jedem Glied die Rückenstärkung durch die Gruppe gibt und es ermutigt, ein heute und hier wieder lebenswertes Leben auch gegen Widerstände zu erkämpfen.« (Siegel in: Hauser, 1971, S. 5)

Hauser geißelt den Paternalismus, verspottet etablierte Normen und ermutigt zu sozialem Fortschritt durch Aktivierung »von unten«. Zentrales Werkzeug dafür ist die Aktivierende Befragung, über die R. u. H. Hauser schreiben: »Die Aktions-Untersuchung wird – so hoffen wir – die Mauer zwischen Theorie und Praxis niederreißen und eine neue Dimension erobern: die der Partnerschaft zwischen den Experten und der Mehrheit der Bevölkerung.« (1971, S. 455).

Symbol: »Autor« (ein stilisierter Füllfederhalter)

Dieser Beitrag von Maria Lüttringhaus ist folgener Publikation entnommen:
Handbuch Aktivierende Befragung: Konzepte, Erfahrungen, Tipps für die Praxis (Bonn 2012)
Die Publikation finden Sie hier.