Originaltext: Aktionsuntersuchung

Seite 5: Phase 4

b) Schema des Fragebogens
1. Türöffner
Die Befragungen folgen einem einfachen Schema:
Man muss zunächst den Leuten sagen, wer man ist und was man will, um Verwechslungen mit Vertretern von Firmen, Institutionen oder Instituten zur Meinungserhebung zu vermeiden. Dazu wählt man für den untersuchenden Arbeitskreis einen möglichst unverfänglich-neutralen Namen, um sich den Zugang nicht zu versperren. Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, die Befragungen durch kurze Anmeldebriefe anzukündigen.

2. Mundöffner (Eisbrecher)
Um die Leute zum Sprechen zu bringen, werden als Einstieg einführende Fragen gestellt, die leicht zu beantworten sind. Die Fragen sollten offen sein, um die Befragten nicht auf knappe Antworten festzulegen. Wichtig ist, dass die Befragten die Möglichkeit erhalten, von sich aus Probleme anzusprechen.
Gefragt wird ferner immer nach Begründungen: »Warum ist das so? Wie kommt das?«, um sich nicht mit Phänomenen zufrieden zu geben und zum Nachdenken Anstöße zu geben (mögliche Wirkung: bessere Einsicht in die eigene Situation und Veränderung des Bewusstseins).

3. Problemfragen
Im Zentrum des Gesprächs geht es um Probleme, wie sie sich aus der Sicht der Betroffenen bzw. der Experten darstellen.

4. Ideenfragen
Erstes aktivierendes Element der Befragung ist die Frage nach Ideen zur Lösung von Problemen. Es geht dabei nicht um rhetorische Fragen, weil die Befragten als Experten ihres eigenen Lebens ernst zu nehmen sind, außerdem vom Nachdenken über die eigene Situation und von der Entwicklung eigener Fantasie die weitere Entwicklung des Gemeinwesen-Projektes voll abhängig ist.

5. Aktionsfragen
Die Zuspitzung der Befragung auf die »Aktion« geschieht in der Hauptuntersuchung, wenn die Befragergruppe auf Grund der Voruntersuchung Anzeichen für aussichtsreiche solidarische Aktivitäten gefunden hat. Es geht jetzt darum, den Anstoß zur gemeinsamen Suche nach weiteren Personen und Lösungen zu geben, vorgegebene Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit anderen Interessierten zu verstärken und in die Wege zu leiten. Personen, die Bereitschaft zur Aktivität zeigen, sollten so früh wie möglich in die Arbeit einbezogen werden (Festhalten der Namen, Termine, Ort).

c) Expertenbefragung
Als »Experten« werden alle Personen bezeichnet, die offiziell und tatsächlich mit der Gruppe der Betroffenen zu tun haben und von ihrer Tätigkeit her den Problembereich oder einen Aspekt kennen und beurteilen können: Fachleute, Zuständige der Behörden und Institutionen (amtlich bestellte Problembearbeiter), Kontaktpersonen (Soziologe, Bürgermeister, Sachbearbeiter, Gemeindeschwester, Postbote). Die Expertenbefragung hat verschiedene Aufgaben:

  • Sie soll Fakten sammeln (Fachwissen, statistisches Material)
  • Sie soll die Einstellungen und Meinungen dieser Leute erfassen (deren Vorurteile).
  • Sie soll deren Interessen am Problem, Enttäuschungen und Ideen zur Veränderung ermitteln.
  • Sie soll fachliche Hilfe durch Bündnispartner gewinnen (Berater möglichst mit Ideen und der Bereitschaft zur Bündnisschaft mit den Betroffenen). (9)
  • Sie soll Gegner der Arbeit herausfinden, die bei späteren Vorhaben blockieren oder zerstören können.
  • Sie soll Machthierarchien der Institutionen/ Behörden aufspüren. Wer trifft Entscheidungen? Wer ist von wem abhängig? Wer kann beeinflussen? Wer ist wann zuständig (Frage der Kompetenz)? Spätere Aktionen stoßen auf Personen und Strukturen!
  • Sie soll über das Vorhaben informieren, um vermeidbare Blockierungen (das verletzte Gefühl, übergangen zu werden) zu verhindern.
  • Sie soll aktivieren: anregen, sich (erneut) mit dem Problem auseinander zu setzen, mit anderen nach Lösungen zu suchen; einen gangbaren Weg zeigen, die (oft nicht selbst gewählte und belastende) Isolation aufzugeben.


d) Aufzeichnungen
Berichte, Aussagen und Überlegungen werden von Anfang an schriftlich festgehalten: Solche Unterlagen sind wichtig für Auswertung und Selbstkontrolle der Gruppe. Material ist brauchbar für andere, die etwas Ähnliches machen wollen. Es erleichtert Neuhinzugekommenen den Einstieg in die Arbeit.

Der lästige Zwang zum Protokoll schafft die Verbindungsbrücke von einem Treffen zum anderen, informiert die Abwesenden, hält Beschlüsse, Termine und Einzelaufträge verbindlich fest. Materialien, Protokolle ermöglichen eine Übersicht über die Entwicklung des Projekts.