Zu Phase 4

Tipps zu Phase 4: Training und Vorbereitung der Befrager/innen

  • Dort, wo weitere personelle Unterstützung gesucht wurde, haben sich vielerorts Anfragen bei Fachhochschulen und Berufsakademien bewährt.
  • Befrager/innen könnten über das Angebot eines »Ressourcentauschs« innerhalb einer größeren Arbeitsgemeinschaft gewonnen werden (Professionelle aus anderen Wohngebieten gehen mit und im Austausch arbeiten später andere bei ihnen mit).
  • Wichtig, um Misstrauen vorzubeugen, Vorbehalte aus dem Weg zu räumen oder das Themenspektrum der Befragten allein durch das Auftreten bestimmter Personen einzuschränken ist die Klarheit der Beteiligten über ihre Rolle im Rahmen der Aktivierenden Befragung: Nicht alle Interessierten eignen sich als Befrager/innen. Insbesondere Leute mit Funktionen (insbesondere mit Kontrollfunktionen im Stadtteil wie z.B. der Polizei) müssen sich gegenüber den Befragten klar präsentieren können (»Sie kennen mich vielleicht sonst in meiner Funktion als..., heute jedoch bin ich hier mit einer ganz anderen Aufgabe. Heute geht es mir darum...«).In Bezug auf Mitarbeiter/innen des Allgemeinen Sozialen Dienstes gibt es unterschiedliche Erfahrungen und Einschätzungen, insbesondere wenn es der »eigene Bezirk« ist. Es sollte den Verantwortlichen klar sein, dass die aktive Einbeziehung von Menschen mit Entscheidungs- und Kontrollaufgaben ein sensibler Bereich ist und dass bei den Befragten eine, die Aktivierung behindernde, innere Blockierung auftreten kann.
  • Klarheit und manchmal auch ein Arbeitstitel für das Projektteam können helfen, Vorbehalte zu umgehen. Dann kommt man eben nicht von der Caritas (und muss erst 5 Minuten lang klarstellen, dass man keine Spendensammlung durchführen will), sondern man kommt z.B. als Mitarbeiter/in der »Projektgruppe Altendorf« .
  • Durch die Befragungsgespräche entstehen persönliche Kontakte, die für die Weiterarbeit (u.a. die Begleitung von neuen Aktivitäten) wichtig sind. Deshalb ist es notwendig, dass die Gespräche nicht nur von externen, zusätzlichen Kräften (z.B. Studierenden) geführt werden.
  • Die Befrager/innen sind die Aktivierer/innen; sie sind die zentralen Botschafter/innen der Aktivierenden Befragung. Ihre Ausstrahlung, ihr klares Rollenbewusstsein und die konsequente Orientierung an den »Offenen Fragen« sind entscheidend für die Ergebnisse und sollten deshalb eingeübt werden (z.B. mit Rollenspielen).
  • Hilfreiche Reflexionskriterien im Laufe des Trainings sind: Wurden Suggestivfragen oder Ja-Nein-Fragen (geschlossene Fragen) gestellt? Wurden von der Befrager/in Stichworte vorgegeben, die mein Gegenüber in eine bestimmte Richtung lenken? Wurde unnötig diskutiert, anstatt zuzuhören und nachzuhören? (Hier gilt das Motto: Ich will die Meinung, auf die ich da gestoßen bin, nachvollziehen können – anstatt meine Meinung kundzutun.) Wurde der Eindruck hinterlassen, dass »man sich schon um alles kümmern würde« ?
  • Wer die Fragen auf nur einer DIN A4 Seite platziert, hat später auch etwas Handliches. Eine Seite reicht erfahrungsgemäß aus für die notwendigen Notizen – sonst eben die Rückseite verwenden.
  • Der Fragebogen sollte »verinnerlicht« sein, sodass man während des Gesprächs nicht am Fragebogen »klebt« , sondern sich auf die befragten Personen einlassen kann.
  • Den Begrüßungstext einüben. Die Begrüßung soll Klarheit und nicht Verwirrung schaffen. In der Begrüßung sollten Fachbegriffe wie »Aktivierende Befragung« , »Gemeinwesenarbeit« , »Quartiersmanagement« nicht auftauchen (»Wir kommen von ... und möchten gerne mit Ihnen sprechen über ..., oder Ihre Meinung hören zu ...«).
  • Wer auf der Rückseite prägnante Zitate festhält, kann später bei den Leser/innen von etwas ausführlicheren Auswertungen oder bei der Präsentation bei Auftraggeber/innen oder der Politik »Bilder« erzeugen, die der Lebenswelt, die man zu erfassen versuchte, besser gerecht werden, als soziologische Kategorien. Zitate reichern pure Zahlen und Fakten an und spiegeln etwas von der Lebendigkeit der Befragungsszenen wieder. Dadurch kann gerade bei einer zusätzlichen schriftlichen Berichterstattung Interesse geweckt werden und zugleich vermieden werden, dass ein Bericht nur Themen und Zahlen enthält, die die Leser/innen eher an eine repräsentative Studie erinnern.
  • Manchmal lässt es sich nur schwer vermeiden, dass Auftraggeber/innen bestimmte konkrete Themen erkundet haben wollen. Diese Themen zu Beginn der Befragung bei Bewohner/innen zu benennen, würde die Befragten in eine bestimmte Richtung lenken, was durch die offenen Fragen ja gerade vermieden werden soll. Wer diese (hoffentlich nur wenigen) Fragen am Ende platziert, kann die Gefahr der Beeinflussung vermeiden. Hilfreich ist es dann zu benennen, dass jetzt ein »Schnitt gemacht wird« und noch kurz ein paar konkrete Fragen folgen und dies kurz begründet.
  • Wenn das Befragungsteam nach jeder Befragung für sich selbst kurz einschätzt, wie hoch wohl die Bereitschaft der soeben befragten Person ist, aktiv zu werden, dann kann im Team später eine Einschätzung getroffen werden, wie hoch die Aktionsbereitschaft im Quartier ist. Um dies zusammenzutragen kann bereits bei der Erstellung des Befragungsbogens darauf geachtet werden, dass unten auf dem Befragungsbogen eine Skala eingefügt wird (z.B. von –10 bis +10; s. Befragungsbogen im vorausgegangenen Kapitel), auf der das Team dann seine Einschätzung festhalten kann. Solche Einschätzungen befördern die Reflexion über behindernde Faktoren (»Wissen Sie, das ist in diesem Jahr schon die vierte Befragung. Da kommt ja nie was bei raus«), können zu hohe Erwartungen über die Beteiligung an der Bewohnerversammlung verhindern und können den Initiator/innen der Aktivierenden Befragung den Druck nehmen (vor allem gegenüber externen Auftraggeber/innen), dass sie »schuld« sind, wenn die Bewohnerversammlung gering besucht ist.
  • Stellen Sie sich schon in den Übungen im Vorfeld auf die Frage ein: »Jetzt sagen Sie mal, was Sie davon halten?« . Hilfreich sind Antworten, die den Bogen zurückschlagen: »Ich tu mich da schwer, denn ich wohne ich nicht hier. Wenn Sie das so schildern, kann ich nachvollziehen, dass es für Sie nicht leicht ist, täglich mit dieser Sache konfrontiert zu sein...«
  • Sicherheit über die eigene Intention erleichtert den Einstieg in die Befragung: wer sich vorbereitet auf Fragen kann Klarheit ausstrahlen und Skepsis beim Gegenüber abbauen. Hilfreich ist es auf folgende Fragen vorbereitet zu sein: »Was soll dabei herauskommen? Warum machen Sie das eigentlich? Wer kümmert sich darum, dass dann auch mal was passiert? Was ist denn Ihr Job dabei? Was passiert auf so einer Versammlung?«
  • Dolmetscher/innen, die nicht am Training teilnehmen, sollten zumindest die Philosophie verstehen, um Übersetzungsfehler zu vermeiden. Da wird sonst schon mal – vermeintlich gut gemeint – die Übersetzung durch zusätzliche eigene Stichworte angereichert (und damit die offenen Fragen ausgehebelt) oder es schleichen sich Suggestivfragen ein.