Ein kinder- und jugendgerechtes Aktivierungsevent

Seite 2: Moderation, Protokoll, Erkenntnisse, Kontaktadressen

Die Moderation

Ein professioneller Rundfunkmoderator mit Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit moderierte als unbefangene Kraft das Palaver. Er konnte sich frei mit dem Mikro im Raum bewegen und hatte mit dem einzigen Mikrofon die Kontrolle darüber, wer reden durfte. Er hatte die wichtige Funktion, Politiker/innen bei Redebeiträgen an Kürze und Klarheit der Aussage zu erinnern, die Kids genügend und geordnet zu Wort kommen zu lassen und die Beiträge zu einem Ergebnis zu bringen. Zur Unterstützung hatte er eine Anwältin der Kids, die Redebeiträge, die nicht direkt aus der vortragenden Gruppe kamen, berücksichtigte. Wichtig war dabei, dass die Moderation keine eigenen Stichworte vorgab und damit die Veranstaltung thematisch beeinflusste, sondern auf die offenen Fragen der Aktivierenden Befragung zurückgriff.

Die Gesprächsregeln

Erwachsene, außer den geladenen Politiker/innen, hatten kein Rederecht. Die Kids konnten mit Karten aufzeigen, wenn sie etwas nicht verstanden und Klärung erwarten.

Der Ablauf

Zunächst präsentierte eine Gruppe ihre Ergebnisse auf einem vorbereiteten Plakat. Dies geschah mittels eines Gesprächs mit dem Moderator. Anschließend wurden die drei entscheidenden Punkte vorgestellt, die der Moderator bereits von einem Vorgespräch kannte.

Die Politiker/innen hatten dann die Möglichkeit, auf die Forderungen zu reagieren. Fanden sie die Forderung gut, mussten sie erklären, was sie für die Umsetzung tun wollten. Zwischendurch gab es Pausen, in denen Clowns mit witzigen Auflockerungs- und Bewegungsspielen für Entspannung sorgten. Mit diesem Mix gelang es, die Kids mehr als zwei Stunden an eine hoch spannende und lebhafte Diskussion zu fesseln.

Das Protokoll

An einem Protokolltisch wurde mittels einer Powerpoint-Projektion für alle einsehbar das Protokoll geführt. Während des Palavers stellte es sicher, dass alle Punkte ausreichend angesprochen wurden. Die entscheidende Funktion war aber die Ergebnissicherung mit Blick auf das bereits terminierte Nachtreffen.

Erkenntnisse

Die Aktivierung von Kids ist ein arbeitsaufwändiger Prozess. In einem solchen Prozess ist es möglich und Gewinn bringend, die durchaus unterschiedlichen Ressourcen von Haupt- und Ehrenamtlichen nutzbar zu machen und zu bündeln. In der Vorbereitungsphase und bei der Beschreibung der Situation in Friedrichsthal konnte auf die reichhaltigen Erfahrungen aus der Gruppenarbeit in Verbänden und Organisationen zurückgegriffen werden.

Für die Präsentation der Ergebnisse war es notwendig ein eigenes Setting zu entwickeln. Diese öffentliche Inszenierung war für die Kids ein erster erkennbarer Erfolg ihrer Arbeit. Darüber hinaus blieb er auch den Politiker/innen und den anderen Erwachsenen nachdrücklich in Erinnerung und war durch den Eventcharakter auch für Presse, Funk und Fernsehen von Interesse. Zusagen konnten nicht einfach »vergessen« werden.

In den Gruppenstunden sind die Ergebnisse des Testivals Thema und es besteht ein hohes Interesse bei den Kids auch nach einem halben Jahr noch mal zusammen zu kommen um zu sehen, was aus den Zusagen geworden ist. Auch nicht organisierte Kids können sich noch bei späteren Aktionen daran erinnern, was die Politiker/innen zugesagt haben und was gemacht oder auch nicht gemacht wurde.

Der Prozess muss Spass machen. Die Bereitschaft zum Engagement steigt in dem Maße, wie unter den Akteuren ein positives, offenes Klima erkennbar wird.

Eine gezielte Pressearbeit sollte möglichst früh einsetzen und kontinuierlich den gesamten Prozess begleiten. Es ist sinnvoll, die Politiker/innen auf die für sie ungewohnte Veranstaltungsform vorzubereiten und mit ihnen ihre Rolle zu besprechen. Das erleichtert den Dialog und nimmt die Angst vor dem Ungewohnten.

Kritische Punkte

Es ist nur punktuell gelungen, mit der Veranstaltung auch Jugendliche ab 15 Jahren anzusprechen. Für sie müssten andere, niedrigschwelligere Aktivierungsformen entwickelt werden.

Das Palaver selbst hat zu lange gedauert, obwohl die Diskussion bis zum Schluss lebhaft blieb. Einige Gruppen mussten doch zu lange auf ihren Auftritt warten und einige ihrer Forderungen waren schon abgehandelt. Eine besser abgestimmte Planung nach der Gruppenarbeit ist sinnvoll.

Auch in einem gut geplanten Prozess kommt es immer wieder zu unvorhergesehenen Entwicklungen. Es müssen personelle Kapazitäten eingeplant werden, um hier flexibel agieren zu können.

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Werner Hubertus
Gemeinwesenarbeit Friedrichsthal
Am Kolonieschacht 3
66299 Friedrichsthal
Tel.: (0 68 97) 8 80 44
Fax: (0 68 97) 84 05 65
E-Mail: cv-gwa-friedrichsthal@quarternet.de

Georg Vogel
Landesjugendring Saar
Eifelstrasse 35
66113 Saarbrücken
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Fax: (06 81) 63 34
E-Mail: vogel@landesjugendring-saar.de

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Dieser Beitrag von Werner Hubertus und Georg Vogel ist folgener Publikation entnommen:
Handbuch Aktivierende Befragung: Konzepte, Erfahrungen, Tipps für die Praxis (Bonn 2012)
Die Publikation finden Sie hier.