Aktivierende Spielaktionen mit Kindern

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Besonderheiten

Projekt auf die Situation vor Ort abstimmen
Das Projekt muss die jeweiligen Voraussetzungen und Möglichkeiten vor Ort berücksichtigen und das Forscherspiel darauf abstimmen und abwandeln. Dadurch ergeben sich vielfältige Varianten. Allen gemeinsam ist der spielerische, kindgerechte Aufbau. Spaß und Intensität im Spiel sind wichtige Bestandteile der Aktionen zur Lebenswelterkundung.

Beispielhafter Fragebogen der Spiellandschaft Stadt e.V., München
Beispielhafter Fragebogen der Spiellandschaft Stadt e.V., München (Anklicken zum Vergrößern)

Viele mit einbeziehen
Zur Präsentation ihrer Ergebnisse und zum gegenseitigen Austausch wird ein Treffen zwischen den verantwortlichen Erwachsenen und den Spielforscherinnen und Spielforschern arrangiert. Die Pädagoginnen und Pädagogen helfen in der Vermittlung und bei der »Übersetzung« zwischen Politik, Verwaltung und Kindern. Das Projekt zieht Kreise. Über die Kinder hinaus werden auch die Erwachsenen, die Eltern, die Anwohner/innen, die Lehrer/innen und die Stadtteilpolitiker/innen angesprochen. Die Pädagog/innen beziehen Planer/innen, Einrichtungen vor Ort, Verwaltung und Presse mit ein. Ein breites Know-How und viele Informationen über den Stadtteil kommen so zusammen.

Zu den Kindern gehen
Ein mobiles Spielforscher-Büro, ein Bauwagen oder ein Spielbus kommt zu den Kindern ins Wohngebiet, auf einen öffentlichen Platz, in einen Park oder auf einen Spielplatz. Hier kennen sich die Kinder aus. Sie wohnen hier, sie spielen hier und sie kennen die Vor- und Nachteile dieser Spielumgebung aus eigener Erfahrung.

Freiwilligkeit
Das Mitmachen basiert auf Freiwilligkeit. Kinder lernen an diesen Beispielen, sich verantwortlich in das öffentliche Leben einzubringen, ihre Interessen zu vertreten und dass Engagement Spaß macht und etwas bewirken kann.

Selbstständig wählen
Die einzelnen Bereiche der Spielaktionen werden beschriftet. Es gibt eine Wochen- und Tagesstruktur, die gut sichtbar auf große Tafeln geschrieben wird. Somit können die Kinder sich selber orientieren und entscheiden, wo sie mitmachen wollen. Sie können jederzeit ins Spiel einsteigen und so lange sie möchten, dabei bleiben.

Vielfalt statt Einfalt
Die Kinder erkunden ihr Umfeld, was finden sie gut, was schlecht, wo kann man was machen, sie interviewen andere Spielkameraden und auch Erwachsene, führen Umfragen durch, fotografieren, testen und bewerten mit farbigen Klebepunkten oder Smileys, geben Noten für vorher ausgemachte Kategorien, wie »hier kann man sich mit anderen Kindern treffen, hier ist es abenteuerlich, hier kann man gut verstecken spielen« usw. Sie drücken ihre Vorstellungen einer kindgerechten Umgebung in Wort, Bild, Modell oder im Spiel aus. Die Vielfalt der Methoden bietet ihnen die Möglichkeit, die ihnen entsprechende Zugangsweise auszuwählen.

Ergebnisse sichtbar machen
Große Stadtteilpläne, Spielplatzpläne, Listen und Ausstellungstafeln stehen bereit, um die Ergebnisse sichtbar zu machen und zu verbreiten. Die Ausstellung vor Ort wächst von Tag zu Tag und regt andere Kinder zum Mitmachen an. Auch Erwachsene fühlen sich angesprochen und informieren sich über die zusammengetragenen Ansichten zum Stadtteil.
Die Ausstellung wird zum Abschluss einer Aktion aufbereitet und zuständige Erwachsene aus Verwaltung, Politik und Presse eingeladen, und die Arbeit präsentiert. Die Spielforscherprojekte hatten Folgen. So durften Spielgeräte von Mädchen bemalt werden, um ihrem Wunsch nach mehr Farbe auf den Spielplätzen nachzukommen. Auf öffentlichem Gelände wurde eine permanente Spielbaustelle eingerichtet, in der Jungen und Mädchen viele ihrer Vorschläge verwirklichen konnten. Auch wurden bestehende Spielplätze mit den Anregungen der Kinder umgestaltet.

Symbol: »Autor« (ein stilisierter Füllfederhalter)

Dieser Beitrag von Evelyn Knecht ist folgener Publikation entnommen:
Handbuch Aktivierende Befragung: Konzepte, Erfahrungen, Tipps für die Praxis (Bonn 2012)
Die Publikation finden Sie hier.