Aktivierende Befragung im Alltag

Hier wird ergänzend und abgrenzend aufgezeigt, wie einzelne Elemente der Aktivierenden Befragung in ganz verschiedenen Bereichen für eine aktivierende, ressourcenorientierte Arbeit genutzt werden können.

Die Praxisbeispiele in diesem Kapitel gehen über den Bereich der Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit bzw. des Quartiermanagements hinaus und zeigen weitere Möglichkeiten auf, wie im Rahmen von Stadtentwicklung, Prozessen der Lokalen Agenda 21, der Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Beratungsarbeit der Sozialen Dienste Chancen genutzt werden können, um Betroffene und Bewohner/innen als Expert/innen für ihre Lebenswelt wahrzunehmen und damit neue Handlungsoptionen zu entwickeln.

  • Die Bewohnerversammlung ist eine Methode, um die Teilhabe der Bürger/innen durch ein dezentrales niederschwelliges Forum vor Ort zu fördern. Manchmal werden die Themen hierfür im Rahmen einer Aktivierenden Befragung erkundet, aber weitaus öfter liegen die Anlässe hierfür im Quartier unmittelbar auf der Hand.

  • Mitarbeiter/innen von Beratungsdiensten klagen immer wieder, wie zeitaufwändig es sei, sich bei Aktivierenden Befragungen zu engagieren. Nur wenigen ist bewusst, dass die alltägliche Beratungstätigkeit viele Möglichkeiten bietet, mit geringem zusätzlichen zeitlichen Aufwand sich den Themen eines Quartiers zu nähern.

  • Der englische Begriff kommt aus der Tradition des Community Organizing (»Gemeinschaft/Nachbarschaft organisieren«). Wenn in einer Nachbarschaft »organisiert« wurde, gingen die Aktiven von Haustür zu Haustür und »klopften an«, um ein kurzes, persönliches Gespräch zu führen. Übersetzt wird es hier mit »Haustürgespräch«.

  • Die klassische Versammlung der Bewohner/innen ist nicht der Ort, wo sozial benachteiligte Frauen sich einmischen. Frauen folgen Aufrufen zu diesen Versammlungen, weil sie sich für die Entwicklung ihrer Wohngebiete interessieren. Meist nehmen sie Informationen vereinzelt auf, melden sich jedoch selten zu Wort. Die Atmosphäre wird oft dominiert von wortgewaltigen Beiträgen der Männer.

  • Einen Spezialfall einer Aktivierenden Befragung stellt die während der siebziger Jahre in Norwegen entstandene sog. Arbeitsbuchmethode (Arbeidsbokmetoden) dar. Ihr Erfinder ist der Landschaftsarchitekt und -planer Johs. Oraug, der damals beim Norwegischen Institut für Stadt- und Regionalforschung tätig war und heute ein Planungsbüro in Oslo leitet.

  • In einer Kleinstadt im ehemaligen saarländischen Kohlerevier entwickeln haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter/innen aus der Kinder- und Jugendarbeit auf Stadtebene (AK) ein Modell, wie mit den jeweils spezifischen Ressourcen der unterschiedlichen Organisationen eine Beteiligung von Kindern und Jugendlichen umgesetzt werden kann.

  • Die Eisenbahnstraße in Leipzig-Volkmarsdorf war vor der Wende die Geschäftsstraße, in der es in vielen kleinen Spezialgeschäften alles zu kaufen gab, was sonst nirgendwo zu bekommen war. Nach der Wende ist vor allem durch die starke Verkehrsentwicklung die Attraktivität der Straße stark zurückgegangen. Viele Geschäfte wurden geschlossen.

  • Seit ehedem sieht der Ausbildungsplan der Evangelischen Fachhochschule in Freiburg (EFH) am Ende des Studiums ein »Fallseminar« vor. Gegenstand sind konkrete »Fälle« aus der Praxis. In der Regel sind das Aktenlagen. Gemeinwesenarbeit konnte und wollte sich so nicht verorten.

  • 1994 bis 1999 gelang es mit einer Gruppe Jugendlicher mit mehrfach wechselnder Zusammensetzung aus einer Vision letztlich ihr Ziel zu erreichen: ein eigener Jugendtreff. Diese Erfahrungen können für diejenigen interessant sein, die einen »empowerment«-Ansatz verfolgen, mit Jugendlichen arbeiten und mittel- bis langfristig planen können.

  • »Spielforscherinnen und Spielforscher« sind als spielpädagogisches Projekt in Stadt und Land unterwegs. Entwickelt wurde es 1987 in München in der Arbeitsgemeinschaft Spiellandschaft Stadt. Kinder von 4 bis 14 Jahren können sich beteiligen. Das Projekt ist mobil und kommt direkt zu den Kindern.