19. Juli 2016

Freiwilligensurvey: 31 Mio. Menschen engagieren sich in Deutschland

Kategorie: Bürgerschaftliches Engagement, Demokratie und Bürgergesellschaft

© Timo Jaster

31 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Das ist ein zentrales Ergebnis des neuen Freiwilligensurveys 2014. Der Freiwilligensurvey ist die größte Untersuchung zur Zivilgesellschaft und zum freiwilligen Engagement in Deutschland. Er wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Auftrag gegeben und seit 1999 alle fünf Jahre zur Verfügung gestellt.

Die mit Spannung erwartete aktuelle Ausgabe wartet auf mehr als 640 Seiten mit vielen interessanten Zahlen und Daten zur bundesdeutschen Engagementlandschaft auf. Demnach sind im Jahr 2014 43,6 % der Bevölkerung ab 14 Jahren freiwillig engagiert – das entspricht 30,9 Millionen Menschen. In den letzten fünfzehn Jahren ist die Engagementquote insgesamt um knapp zehn Prozentpunkte angestiegen.

Die meisten Menschen engagieren sich im Bereich Sport (16,3 %), gefolgt von den Bereichen Schule/Kindergarten (9,1 %) und Kultur (9,0 %). Etwa ein Drittel aller Engagierten übt die freiwillige Tätigkeit seit mehr als zehn Jahren aus. Dabei engagieren sich wie gewohnt Personen mit hoher schulischer/beruflicher Ausbildung zu deutlich größeren Anteilen (52,3 %) als Personen mit niedrigem Bildungsniveau (28,3 %), wobei Frauen mit 41,5 % etwas weniger aktiv sind als Männer (45,7 %).
 
Erfreulich: Unter Menschen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren sind und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, ist der Anteil der Engagierten mit 43,2 % ähnlich hoch wie bei den Menschen ohne Migrationshintergrund (46,8 %). Der Anteil der Engagierten unter Menschen mit Migrationshintergrund, die zwar in Deutschland geboren sind, aber keine deutsche Staatsangehörigkeit haben, ist mit 31,1 % geringer.

Die Zahlen zeigen aber auch: Engagierte verwenden heute weniger Zeit auf ihr Engagement als vor fünfzehn Jahren. Zudem ist freiwilliges Engagement in Deutschland regional ungleich verteilt. In städtischen Regionen liegt der Anteil der freiwillig Engagierten mit 42,7 % deutlich unter dem Anteil in ländlichen Kreisen (45,5 %). In Regionen mit niedriger Arbeitslosigkeit ist der Anteil freiwillig Engagierter höher als in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit. In Westdeutschland beträgt die Engagementquote 2014 insgesamt 44,8 % und in Ostdeutschland 38,5 %.

Der Freiwilligensurvey enthält auch Zahlen zur politischen Partizipation der Bürgerinnen und Bürger. Laut Studie nehmen diese in vielfältiger Weise am politischen Leben teil. Dabei steht die Teilnahme an Unterschriftensammlungen (43,4 Prozent) an erster Stelle, gefolgt von der Teilnahme an Demonstrationen (32,2 Prozent) und an Bürgerinitiativen (22,5 Prozent). Die Übernahme von politischen Ämtern oder anderweitiger politischer Verantwortung (8,7 Prozent) spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Die Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen hat die höchsten Beteiligungsquoten an Unterschriftensammlungen, Demonstrationen und Bürgerinitiativen. Auch hier zeigt sich der Zusammenhang von Bildung, Engagement und Partizipation: Alle Partizipationsformen sind bei Personen mit hoher Schulbildung weiter verbreitet als bei Personen mit mittlerer oder niedriger Schulbildung.

Um die soziale Ungleichheit im Feld von Engagement und Beteiligung nicht weiter zu verschärfen, fordern die beteiligten Wissenschaftler/innen in ihren abschließenden Empfehlungen, dass Engagementförderung –und politik zukünftig noch stärker die Mitwirkung derjenigen Bevölkerungsgruppen in den Blick nehmen muss, die sich unterdurchschnittlich engagieren und deutlich weniger am politischen Prozess beteiligen: Frauen, ältere Menschen, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, Menschen mit Migrationshintergrund sowie Personen mit geringer Bildung. Hier gelte es für Bund, Länder, Kommunen und Zivilgesellschaft, »Anreize und förderliche Rahmenbedingungen« zu schaffen, um »systematische Zugangswege« zu ermöglichen.
          
Für die aktuelle Ausgabe des Freiwilligensurveys wurden unter der wissenschaftlichen Leitung des Deutschen Zentrums für Altersfragen 28.690 Personen befragt (2009: 20.005; 2004: 15.000; 1999: 14.922). Der Bericht steht online in einer Langfassung (PDF) und einer Kurzfassung (PDF) kostenlos zum Abruf bereit.

Tipp: Mehr Informationen und Hinweise zur Förderung von Engagement & Ehrenamt finden Sie hier auf diesem Portal.