Studie: Großprojekte in Deutschland
Öffentliche Großprojekte stehen zunehmend im kritischen Fokus der Bürgerinnen und Bürger. Vielerorts werden beispielsweise komplexe Infrastrukturprojekte bereits im Vorfeld kritisch auf ihre Sinnhaftigkeit und Kostenstruktur geprüft; aber auch nach Baubeginn entzünden sich Proteste der Bürgerinnen und Bürger allzu häufig an schlechter Planung und massiv gestiegenen Baukosten. Viel deutet darauf hin, dass in diesem Zusammenhang Bürgerbeteiligung eine wichtige Rolle spielen kann, um gemeinsam mit Politik, Verwaltung und Vorhabenträgern eine transparente und ressourcenschonende Planung und Umsetzung zu gewährleisten. Wieso das nötig ist, zeigt eine aktuelle Studie der Hertie School of Governance. Ein Team von Wissenschaftler/innen hat untersucht, wie sich die Kosten der von öffentlicher Hand geplanten Großprojekte in Deutschland entwickeln. Diese werden demnach im Durchschnitt 73 Prozent teurer als geplant. Dabei zeigen sich große Unterschiede zwischen den verschiedenen Infrastruktursektoren. Während sich Projekte in den Bereichen Verkehr und öffentliche Gebäude durchschnittlich um 33 bzw. 44 Prozent verteuern, schlagen Energieprojekte mit 136 und IT-Projekte gar mit 394 Prozent ihres angesetzten Budgets zu Buche. Der Sektor Rüstungsbeschaffung nimmt mit durchschnittlich 87 Prozent Kostensteigerung pro Projekt einen Platz im Mittelfeld ein. Die Forscher/innen erklären Fehlkalkulationen unter anderem mit Defiziten im Entscheidungs-, Planungs- und Steuerungsprozess. Die Studie hat 170 in Deutschland seit 1960 realisierte Großprojekte untersucht. Die Studie umfasst auch drei detaillierte Fallstudien: zum neuen Berliner Großflughafen, zur Hamburger Elbphilharmonie sowie zu fertiggestellten Offshore-Windparks.
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