Schwere Kost: Textanalyse des Koalitionsvertrages
»Transphobie«, »Spitzenclusterwettbewerbe«, »Landesbasisfallwert« oder »Interoperabilität«: Der 185 Seiten starke Koalitionsvertrag enthält eine Vielzahl von Fremd- und Fachwörtern, die häufig ohne Erklärung im Text verwendet werden. Vor allem für Leser/innen ohne politisches Fachwissen stellen diese eine große Verständlichkeitshürde dar. Union und SPD machen damit Bürgerinnen und Bürgern die Lektüre des Koalitionsvertrags alles andere als einfach. Dies ergibt eine formale Textanalyse des Lehrstuhls Kommunikationswissenschaft der Universität Hohenheim und des Instituts H&H Communication Lab. Für den Koalitionsvertrag ermittelten sie einen »Hohenheimer Verständlichkeitsindex« von 3,48 im Spektrum von 0 (völlig unverständlich) bis 20 (sehr verständlich). Mithilfe einer Analyse-Software förderten die Wissenschaftler/innen eine Vielzahl an Bandwurmsätzen, Fachbegriffen, Wortzusammensetzungen und sperrigen Nominalisierungen zu Tage. Am unverständlichsten ist nach Ansicht der Forscher das Kapitel über Europa mit einem Wert von 1,96. Das Forscherteam kritisiert, dass die Koalitionsparteien eigenen Ansprüchen an Transparenz und Bürgernähe mit dem Papier nicht gerecht würden. Der Inhalt des Vertrages selbst war nicht Gegenstand der Studie.
Mehr Informationen