Newsletter Nr. 4/2010 (05.03.2010) von wegweiser-buergergesellschaft.de



Meldungen aus der Bürgergesellschaft

05. März 2010

Internationale Wochen gegen Rassismus

Kategorie: Inter- und multikulturelle Angelegenheiten, Kampagnen, Religion und Weltanschauung

Feindliche Einstellungen gegenüber Muslimen sind in Deutschland und Europa weit verbreitet. Zu den vordringlichen Aufgaben bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus vom 15. – 28. März 2010 gehört daher die Überwindung von antimuslimischem Rassismus. Rassismus verletzt Menschen in ihrer Würde und belastet den gesellschaftlichen Frieden. Rechtsextremisten mobilisieren mit antimuslimischen Kampagnen für ihre demokratiefeindlichen Ziele. Der gemeinsamen Aufruf enthält Anregungen für die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen und kann beim Koordinationsrat der Muslime oder dem Interkulturellen Rat kostenlos angefordert oder auf den jeweiligen Homepages heruntergeladen werden.
Erstmals wird ein Teil der Materialien mit Unterstützung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge Materialien in zehn Sprachen zur Verfügung gestellt. Damit sollen insbesondere Migrantinnen und Migranten zusätzlich in ihren Herkunftssprachen angesprochen und für die Beteiligung an den Internationalen Wochen gegen Rassismus gewonnen werden.

Weitere Informationen zur Aktionswoche

05. März 2010

Kampagne »Asiatischer Grundlohn«

Kategorie: E-Partizipation, Eine Welt/ Globalisierung, Kampagnen, Ökonomie/ Arbeit/ Beruf

Zum Internationalen Frauentag am 8. März macht die Kampagne für Saubere Kleidung auf die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen in der asiatischen Bekleidungsindustrie aufmerksam. Gerade Frauen leiden schwer unter den in der Branche üblichen Hungerlöhnen. Sie können ihre Familien trotz harter Arbeit nicht ausreichend versorgen. Die Kampagne fordert Unternehmen auf, einen existenzsichernden Lohn zu zahlen, um Frauen und ihre Familien vor der Armut zu schützen. Das Modell »Asiatischer Grundlohn« zielt auf die Zahlung eines einheitlichen existenzsichernden Lohns in der Bekleidungsindustrie in den jeweiligen asiatischen Ländern. Der ‚Asiatische Grundlohn’ soll dabei als Orientierungswert für Unternehmen und Politik gelten. Die Kampagne hat eine Protestmail an 14 global aktive Großunternehmen formuliert, die online unterzeichnet werden kann.

Zur Online-Kampagne

05. März 2010

Transparenz in der Parteienfinanzierung

Kategorie: Demokratie und Bürgergesellschaft, Kampagnen

Angesichts der aktuellen Diskussion um die Finanzierung von Parteien über Sponsoring durch Unternehmen haben die Organsiationen Campact, LobbyControl, Mehr Demokratie und Transparency International Deutschland einen Aufruf zu Mehr Transparenz in der Parteienfinanzierung gestartet. Die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen werden aufgefordert, Veröffentlichungspflichten für das Sponsoring ähnlich wie für Parteispenden ernst zu nehmen, Spenden und Sponsoring auf maximal 50.000 Euro pro Jahr und Konzern, Unternehmen, Verband bzw. Person zu begrenzen sowie die Einhaltung des Parteiengesetzes künftig von einem unabhängigen Gremium kontrollieren zu lassen. Der Aufruf zu einer grundlegenden Reform der Parteienfinanzierung kann online unterzeichnet werden.

Zum Aufruf Transparenz in der Parteienfinanzierung

05. März 2010

Wehrpflicht und Freiwilligendienste

Kategorie: Bürgerschaftliches Engagement, Demokratie und Bürgergesellschaft, Frieden/ Konflikte/ Gewalt

Mit einer Petition wird der Bundestag wird aufgefordert, die Wehrpflicht auszusetzen und stattdessen Freiwilligendienste stärker zu fördern. Die Petition nennt sicherheitspolitische, juristische, ökonomische und gesellschaftliche Aspekte für die Notwendigkeit des Wegfalls eines Pflichtsystems in einer freiheitlichen Gesellschaft. Als Alternative soll die Förderung und der Ausbau der Freiwilligendienste durch eine Umwidmung der Finanzmittel intensiviert werden und die Freiwilligendienste attraktiver gestaltet werden. Unterstützt wird diese Petition eines Kriegsdienstverweigerers und ehemaligen Zivildienstleistenden vom Deutschen Bundesjugendring, der DGB-Jugend, den JungsozialistInnen, Pax Christi, der Zentralstelle KDV und weiteren Organisationen. Die Petition kann sowohl schriftlich als auch online unterstützt werden.

Zur Petition

Zur Zentralstelle Kriegsdienstverweigerung

05. März 2010

Aktionsform Carrotmob

Kategorie: Demokratie und Bürgergesellschaft, Eine Welt/ Globalisierung, Nachhaltige Entwicklung, Organisation/ Kommunikation/ Qualifikation

Carrotmob ist eine Aktionsform, die den bekannteren sog. Flashmobs ähnelt. Interessierte werden primär über Social Communities im Internet auf die Aktion aufmerksam gemacht. Bei Carrotmobs wird das Prinzip des Boykotts umgedreht: durch massenhaften Einkauf werden Geschäftsleute, die etwas in ihrem Unternehmen positiv für den Klimaschutz verändern wollen, unterstützt. Ziel des Carrotmobs ist es, Unternehmen und Unternehmer/innen dazu zu bewegen, in Klimaschutz zu investieren. Gleichzeitig ermöglicht es die Aktionsform Verbraucher/innen, ihre Macht als Konsument/innen wirkungsvoll einzusetzen. 

Das Prinzip eines Carrotmobs ist einfach: Möglichst viele Menschen kaufen zu einem bestimmten Zeitraum an einem Tag in einem festgelegten Geschäft ein. Mit diesem besonderen Umsatz wird ein Geschäft »belohnt«, deren Besitzer/innen sich im Vorfeld bereit erklärt haben, einen festgesetzten Teil ihres durch die Aktion erzielten Gewinnes beispielsweise in eine klimagerechte Sanierung ihres Ladenlokals zu investieren.

Erste Carrotmobs in Deutschland fanden in Berlin, München, Bonn und Frankfurt statt. Die Umweltorganisation Green City e.V. bietet in München Schulen an, eine solche Aktion anzuleiten und zu begleiten. Schülerinnen und Schüler werden zwischen März und Juli von Green City angeleitet, ihren eigenen Carrotmob zu organisieren.

Carrotmob Berlin
Carrotmob München

Im Fokus: Aktivierung von einzelnen Zielgruppen

05. März 2010

Beteiligung braucht Rücksichtnahme: Aktivierung von Familien

Kategorie: Bürgerbeteiligung, Bürgerschaftliches Engagement, Kinder/ Jugend/ Eltern/ Familie

Das Sozialsystem Familie ist ein ständiger Balanceakt, um den Anforderungen aller Familienmitglieder gerecht zu werden. Der zusätzliche Balanceakt zwischen Familienpflichten und -aufgaben und außerfamilialem Engagement ist ein Grund dafür, dass Familien in Beteiligungsprozessen oder in Engagementformen, die über einen direkten Bezug auf die Interessen und das Wohl der Kinder hinausgehen, schwer einzubinden scheinen. Auch materielle Lebensbedingungen von Familien, die vor allem in benachteiligten Sozialräumen zu Belastungen führen, können den Gestaltungsoptimismus als eine Grundlage für Beteiligung und Engagement einschränken. Vor dem Hintergrund einer solchen Einschätzung erinnert Dr. Angelika Engelbert vom Informations- und Qualifizierungszentrums für Kommunen (IQZ) an die Bedeutung der Beteiligung von Familien bei der Planung und Durchführung familienpolitischer Maßnahmen wie auch an Beteililigung im Gemeinwesen allgemein. Sie zeigt in ihrem Gastbeitrag auf, dass Politik, Öffentlichkeit und Verwaltung an einem familienfreundlichen Beteiligungsklima arbeiten müssen. Dazu sind gute Planung und Organisation, der richtige Umgang mit Familien und eine ergebnis- und umsetzungsorientierte Arbeitsweise wichtig. Letztendlich braucht jeder Beteiligungsprozesse Geduld und langen Atem – und auch Rücksichtnahme auf die Voraussetzungen der gewünschten Beteiligten, wie z.B. Familien.

Engelbert, Angelika:Beteiligung braucht Rücksichtnahme! Warum es schwierig und wie es möglich wird, Familien zu aktivieren(93 KB)
05. März 2010

Jugendportal townload.de

Kategorie: Bürgerbeteiligung, Bürgerschaftliches Engagement, Kinder/ Jugend/ Eltern/ Familie, Medien

Das Essener Internetportal für Jugendliche trägt einen Kunstnamen, den Jugendliche selber geschaffen haben: town – load könnte heißen »Lade deine Stadt herunter«. Mit diesem Jugendportal bietet die Stadt Essen ein mulitmediales Internetangebot, das neben Musik und Videos auch Engagement- und Beteiligungsanreize für Jugendliche enthält. Enstanden ist das Portal im Jugendbeteiligungsprojekt mitWirkung! der Bertelsmann-Stiftung, es wurde maßgeblich von Jugendlichen selbst entworfen und entwickelt. Andreas Ruff, der als Mitarbeiter des Jugendamtes Essen diesen städtischen Internetauftritt betreut, schildert die Entstehung, die Zielrichtung und den Aufbau des Portals. Seine These lautet: »Ein Internetauftritt, der Beteiligungsmöglichkeiten am Gemeinwesen und damit im weitesten Sinne politische Partizipation zum Thema haben soll, muss sich anderer Themen bedienen, wenn er denn überhaupt wahrgenommen werden soll.« Mit diesem Ansatz ist es gelungen, das Internetportal unter den Jugendlichen in der Kommune zu verbreiten und zumindest engagementwillige und motivierte Jugendliche zu erreichen. Auch wenn die Finanzmittel für dieses Portal zur Zeit reduziert werden sollen, gibt es Ideen und Pläne für den Ausbau dieser zielgruppengerechte Ansprache über das Internet.

Ruff, Andreas:www.townload-essen.de – mitWirkung von Jugendlichen am Gemeinwesen(93 KB)
05. März 2010

Ältere Migrant(inn)en im Quartier

Kategorie: Bürgerschaftliches Engagement, Inter- und multikulturelle Angelegenheiten, Leben im Alter, Wissenschaft/ Technikgestaltung, Wohnen/ Wohnumfeld/ Konsum/ Verkehr

Die Stützung und Initiierung von Netzwerken der Selbstorganisation und Selbsthilfe steht im Zentrum des kooperativen Forschungsprojektes AMIQUS. Ausgehend von einer differenzierten Sichtweise auf die äußerst heterogene Gruppe der älteren Migrant/innen geht es neben einer quartierbezogenen Erhebung zu den vorhandenen Netzwerken und den Einstellungen der Zugewanderten auch um einen Anstoß zu partizipativer Projektentwicklung und die Qualifizierung und Vernetzung konkreter Ansätze von Selbstorganisation und Selbsthilfe. In seinem Gastbeitrag stellt Prof. Dr. Michael May von der Hochschule Rhein Main, der das Projekt in Kooperation mit der Hochschule Fulda leitet, den bisherigen Verlauf des bis 2012 reichenden Projektes vor. In Fokusgruppen in unterschiedlich strukturierten Stadtteilen in vier Städten wurden Erhebungen und Zukunftswerkstätten durchgeführt. Dabei konnte eine differenzierte Typologie innerhalb der heterogenen Gruppe der älteren Migrant/innen aufgestellt werden. Im bisherigen projektverlauf wurde die Erfahrung gemacht, dass vor dem Hintergrund des vorhandenen Potenzials der Selbstorgansition und der Vielfalt an Netzwerktypen schon mit einer angemessenen Moderation kulturübergreifende Austausch- und Organisationsprozesse in Gang kommen. Damit geraten die verbreiteten Klischees über die »schwierige« Zielgruppe in Hinblick auf die Aktivierung zu zivilgesellschaftlichem Engagement ins Wanken.

Zur Website des Projekts AMIQUS

May, Michael:Ältere Migrant(inn)en im Quartier – Stützung und Initiierung von Netzwerken der Selbstorganisation und Selbsthilfe(102 KB)

Publikationen und Veranstaltungen

05. März 2010

Publikation: Die Stiftung – ein Paradox?

Kategorie: Demokratie und Bürgergesellschaft, Geschichte, Publikationen, Stiftungen

Haben Stiftungen in der modernen Demokratie eine theoretisch begründbare Legitimität? Dieser Frage geht der Autor aus geistesweissenschaftlicher und politikwissenschaftlicher Perspektive nach. Ausgehend von der ersten großen Legitimitätskrise des Stiftungswesens im 18. und seiner Relegitimierung im 19. Jh., untersucht er die Entwicklung unter den Bedingungen des National- und Wohlfahrtsstaates, der heute überholt erscheint, fordert angesichts des Aufstiegs der Zivilgesellschaft eine neue Legitimiätsdebatte ein und bietet hierfür Überlegungen und Argumente an.

Rupert Graf Strachwitz: Die Stiftung – ein Paradox?
Maecenata Schriften Band 5, 2010, 237 S., 48,- Euro
ISBN 978-3-8282-0501-7

Informationen und Bestellung online

05. März 2010

Publikation: Gemeingüter – wem gehört die Welt?

Kategorie: Nachhaltige Entwicklung, Ökonomie/ Arbeit/ Beruf, Publikationen, Umwelt/ Natur/ Energie, Wissenschaft/ Technikgestaltung, Zukunft/ Zukunftsforschung

Auf den ersten Blick haben Wasser und Wissen, Erbgut und Atmosphäre nichts gemeinsam. Was sie aber eint, ist, dass sie zum Nötigsten für ein menschliches Leben gehören. Doch sie gehen der Gesellschaft immer mehr verloren, weil sie privatisiert und der allgemeinen Verfügung entzogen, missbraucht oder unbezahlbar werden. Die Welt gehört nicht mehr allen, sie wird eingezäunt und kommerzialisiert – zu unserem Schaden. Davon zeugen die weltweiten Konflikte über die Trinkwasserversorgung, den Zugang zu neuen Technologien oder den Umgang mit Regenwäldern. Das Buch will einen neuen Blick auf die gemeinsamen Besitztümer ermöglichen. Es zeigt die Vielfalt und Potenziale der Gemeingüter und erläutert Ansätze wie Creative Commons, Slow Food und Wissensallmende.

Silke Helfrich, Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter
München 2009, 288 S., 24.80 Euro
ISBN-13: 978-3-86581-133-2

Informationen und Bestellung online

Die Publikation ist auch als Netzausgabe im Internet – unter den Bedingungen der Creative Commons Public License – verfügbar. (PDF)

05. März 2010

Veranstaltungshinweise

Zahlreiche Veranstaltungen sind im Veranstaltungskalender des Wegweisers Bürgergesellschaft zu finden.

Besonders hinweisen möchten wir dieses Mal auf:

• 26. – 28.3.2010 in Loccum: Kooperation konkret – Werkstatttagung zur Konzeption, Anwendung und Reflexion kooperativen Handelns in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
Eine Werktstatttagung der Evang. Akademie Loccum und Procedere
 
• 19. – 23.4.2010 in Gunzesried: Zivilcourage als demokratische Tugend – Wer zusieht ist auch schuldig!
Eine Veranstaltung der dbb-Akademie

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