eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 9/2026 (30.09.2026)
- Meldungen aus der Bürgergesellschaft
- Policy-Handbuch für die Zivilgesellschaft
- GWA-Werkstatt 2026: Dokumentation der Tagung
- Forschungsprojekt: »Die Hinterbühne der Freiwilligkeit«
- Studie: Keine Zeit für Demokratie?
- Expertenkommission »Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt«
- Kampagne: Zwölf Aktionen für mehr Zusammenhalt
- Im Fokus: Praxishilfen für zivilgesellschaftliche Arbeit
- Praxishilfe: Kampagnen und Aktionen
- Praxishilfe: Kooperationen im Quartier
- Praxishilfe: Projekte überzeugend präsentieren
- Praxishilfe: Politische Mediation
- Publikationen
- Publikation: Prävention und Partizipation in der Altenhilfe
- Publikation: Starke Kommunen
- Veranstaltungen, Seminare, Tagungen
- Online-Reihe: Auf dem Weg in eine zukunftsfähige Demokratie
- 11. BBE-Fachkongress im Bundesprogramm »Menschen stärken Menschen«
Meldungen aus der Bürgergesellschaft
Policy-Handbuch für die Zivilgesellschaft
Wer Politik aktiv mitgestalten will, braucht gute Argumente – und muss wissen, wann, wie und bei wem man diese Argumente effektiv platziert. Ein aktuelles Policy-Handbuch der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) möchte gemeinwohlorientierte Organisationen und Initiativen dabei unterstützen, ihre Anliegen wirkungsvoll in politische Prozesse einzubringen. Wie komme ich an ein Abgeordnetengespräch? Wie bereite ich mich vor, wenn ich als Expert/in zu einer Anhörung eingeladen werde? Worauf müssen wir achten, wenn wir eine Stellungnahme zu einem Gesetzentwurf einreichen wollen? Und welche Möglichkeiten gibt es, um Forderungen politisches Gehör zu verschaffen? Das Handbuch unterstützt zivilgesellschaftliche Organisationen und Initiativen dabei, politische Prozesse zu verstehen und bietet praktisches Wissen, konkrete Werkzeuge und Erfahrungen aus der politischen Arbeit – besonders für kleine Teams und Organisationen mit begrenzten Ressourcen.
Das Handbuch im Wortlaut
GWA-Werkstatt 2026: Dokumentation der Tagung
Vom 29. Juni bis 1. Juli 2026 fand die diesjährige GWA-Werkstatt der BAG Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit statt. In zahlreichen Formaten kamen Fachkräfte und Engagierte aus ganz Deutschland zusammen, um voneinander zu lernen und ihre Perspektiven zu teilen. Gemeinwesenarbeit schafft Begegnung, stärkt demokratische Beteiligung, fördert Selbstorganisation und unterstützt Kommunen dabei, gesellschaftliche Veränderungen gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu gestalten. Damit Gemeinwesenarbeit ihre Wirkung entfalten kann, braucht sie gute strukturelle Rahmenbedingungen, langfristige Finanzierung und politische Anerkennung. Die vollständige Dokumentation der Veranstaltungen steht nun online zum Abruf bereit.
Forschungsprojekt: »Die Hinterbühne der Freiwilligkeit«
Ein aktuelles Forschungsprojekt der Friedrich-Schiller-Universität Jena untersucht, wie Menschen freiwilliges und politisches Engagement in ihren Alltag integrieren, wie sie dies mit ihren zeitlichen Ressourcen vereinbaren und welche Herausforderungen ihnen dabei begegnen. Im Rahmen des Vorhabens werden Interviewpartner/innen gesucht, mit denen die Forscher/innen Gespräche über ihr Engagement und ihren Alltag führen möchten. Engagierte, die Lust und Zeit haben, an der Umfrage teilzunehmen, werden gebeten, sich direkt mit dem Team der Universität in Verbindung zu setzen. Alle personenbezogenen Daten werden ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke verwendet und vollständig anonymisiert.
Studie: Keine Zeit für Demokratie?
Die Bundesregierung plant, die tägliche Obergrenze für die Arbeitszeit im Erwerbsjob abzuschaffen. Die geplante Deregulierung birgt jedoch Risiken für Demokratie und Zivilgesellschaft. Denn Beschäftigten fehlt die Zeit für politisches, ehrenamtliches und soziales Engagement, wenn der Arbeitstag im Erwerbsjob potenziell noch länger und schwerer planbar wird. Schon jetzt zeigen aktuelle Daten: Wer lange arbeitet, engagiert sich deutlich seltener. Das ergibt eine neue Analyse von Forscherinnen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) Berlin. Warum Arbeitszeitpolitik auch Demokratiepolitik ist, zeigt die vorliegende Studie.
Expertenkommission »Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt«
Die beim Bundesfamilienministerium angesiedelte Expertenkommission »Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt« hat im Juni ihre Handlungsempfehlungen veröffentlicht. Im Rahmen eines umfangreichen Beteiligungsprozesses haben Kinder und Jugendliche ihre Erfahrungen, Einschätzungen und Forderungen zum digitalen Aufwachsen eingebracht. Aus dem Beteiligungsprozess sind 70 Forderungen in den vier Themenfeldern Medienkompetenz, Kinderschutz und Sicherheit, Wohlergehen und mentale Gesundheit sowie Künstliche Intelligenz hervorgegangen. Die Jugendlichen fordern darin unter anderem mehr Schutz und Unterstützung, zugleich aber Autonomie und mehr Mitbestimmung. Die Ergebnisse liegen nun in einem eigenen Bericht vor.
Kampagne: Zwölf Aktionen für mehr Zusammenhalt
Der gemeinnützige Verein Aktion Zivilcourage e.V. setzt sich seit mehr als 25 Jahren für Dialog, Gemeinschaft und demokratisches Engagement ein und ist insbesondere im ländlichen Raum Ostdeutschlands tätig. Mit der Kampagne »JETZT! Gemeinschaft bilden« lädt der Verein nun Menschen dazu ein, im eigenen Alltag aktiv zu werden und Gemeinschaft vor Ort zu stärken. Der Verein hat dazu ein kostenloses Aktions-Kit entwickelt, mit dem Menschen angeregt werden sollen, sich für Zusammenhalt und ein respektvolles Miteinander einzusetzen. Kern des Angebots ist ein Tischkalender mit zwölf einfachen Aktionen für jeden Monat. Alle Aktionen sind ohne besonderen Zeitaufwand oder Vorkenntnisse umsetzbar. Es geht zum Beispiel darum, mit einem Menschen Kontakt aufzunehmen, mit dem man lange nicht gesprochen hat, eine Veranstaltung oder Initiative in der eigenen Nachbarschaft zu besuchen oder mit Menschen anderer Generationen ins Gespräch zu kommen.
Im Fokus: Praxishilfen für zivilgesellschaftliche Arbeit
Praxishilfe: Kampagnen und Aktionen
Die Rubrik »Praxishilfen« auf diesem Portal bietet praktische Tipps und methodische Anregungen für diejenigen, die in Gruppen und Vereinen aktiv sind oder sich gesellschaftlich oder politisch engagieren wollen. Alle Praxishilfen basieren auf Publikationen, die im Verlag der Stiftung Mitarbeit erschienen sind. In der Praxis bürgerschaftlichen Engagements ist es immer wieder notwendig, politische Kampagnen und Initiativen zu organisieren. Die »Organizer-Spirale« ist ein Phasenmodell zur Kampagnenplanung, das sieben Stufen umfasst (Ausgangslage, Analyse, Ziel, Strategie, Planung der Maßnahme, Realisierung der Maßnahme, Kontrolle). Demgegenüber steht mit »Engagement in Aktion« ein themengeleiteter Ansatz, der sich weiteren Aspekten widmet: Strategie- und Ressourcenplanung, Freiwilligenmanagement, Bündnisse und Vernetzung, Aktionsplanung sowie der Einsatz von Social Media.
Praxishilfe: Kooperationen im Quartier
Kooperation ist in der Quartiersarbeit nicht nur ein vieldiskutiertes Thema, sondern auch mit hohen Erwartungen verknüpft. Zusammenarbeit mit anderen Akteuren soll die Qualität der eigenen Arbeit verbessern, dabei helfen, Ziele zu erreichen und dazu beitragen, dass das Quartier weiter als Gemeinschaft wächst. Damit diese Erwartungen nicht enttäuscht werden und Kooperationen gelingen, sollten Faktoren beachtet werden, die im Rahmen des Forschungsprojekts »Gelingende Kooperation im Sozialraum« erarbeitet wurden. Fünf zentrale Prinzipien bei der systematischen Vorbereitung von Kooperation bieten Leitlinien für das Gelingen.
Praxishilfe: Projekte überzeugend präsentieren
Es reicht nicht, selbst von einer guten Sache überzeugt zu sein – nur wer in der Lage ist, sie klar, glaubwürdig und einprägsam zu vermitteln, bringt sie in die Welt. Gute Gedanken sollen von anderen gehört und bemerkt werden, sie sollen andere zum Mithelfen und Mitmachen anregen. Es gilt, zu überzeugen, zu informieren und zu unterhalten. Wie es gelingt, eine gute Idee vor vielen Menschen anschaulich vorzutragen und Projekte überzeugend zu präsentieren, zeigt die vorliegende Praxishilfe.
Praxishilfe: Politische Mediation
Wenn Konflikte im politischen Raum eskaliert sind, braucht es ein anderes Instrumentarium als eine frühe Bürgerbeteiligung. Konstruktive Konfliktlösungsverfahren wie die Mediation können auch in politischen Konflikten genutzt und weiterentwickelt werden. Mediation ist eine eigene Form der Konfliktbearbeitung und folgt speziellen Prinzipien und einem eigenen Ablauf. Die Praxishilfe stellt die wichtigsten Eckpunkte und Kriterien für eine gelingende Mediation im politischen Raum vor.
Publikationen
Publikation: Prävention und Partizipation in der Altenhilfe
Der Begriff »Altenhilfe« bezeichnet Maßnahmen, um die Selbstbestimmung und Teilhabe im Alter zu fördern und potenzieller Pflegebedürftigkeit entgegenzuwirken. Neben einer historischen, politischen und rechtlichen Einordnung zeigt ein aktuelles Themenheft des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. Ansätze auf, die der Diversität älterer Menschen gerecht werden und ihnen helfen, eigene Potenziale zu verwirklichen. Zudem werden Perspektiven für eine integrierte, partizipative Altenhilfeplanung und eine Vernetzung mit der kommunalen Pflegeinfrastruktur entwickelt.
Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. (Hrsg.): Prävention und Partizipation. Neue Ansätze in der Altenhilfe. Archiv Nr. 2/2026, 88 S., ISBN 978-3-7841-3848-0
Publikation: Starke Kommunen
Die Kommunen sind das Herz der Demokratie. Hier wird entschieden, wie wir leben: ob Kitas funktionieren, Schulen saniert werden, Busse fahren, Pflege gelingt. In der Kommune ist Politik konkret erfahrbar und gestaltbar – und das Vertrauen der Bürger/innen in Staat und Verwaltung am größten. Doch seit Jahren verlieren Deutschlands Kommunen ihre (finanziellen) Handlungsspielräume. Wie sich diese Entwicklung aufhalten lässt und welche guten Vorschläge es gibt, um Kommunen wieder stark zu machen, zeigt das vorliegende Buch.
Karl-Martin Hentschel, Kai Beutler, Roman Huber: Starke Kommunen. Das Herz der Demokratie schlägt vor Ort. München 2026, 120 S., ISBN 978-3-98726-549-5
Veranstaltungen, Seminare, Tagungen
Online-Reihe: Auf dem Weg in eine zukunftsfähige Demokratie
In der nächsten Folge der Online-Reihe »Auf dem Weg in eine zukunftsorientierte Demokratie« der Stiftung Mitarbeit geht es um folgende Fragen: Was macht die Kneipe zum Ort der Demokratie? Wie können dort populistische Narrative entschärft werden? Und wie können Kneipen gegen die zunehmende Spaltung der Gesellschaft wirken? Prof. Dr. Wolfgang Schroeder erforscht seit Jahren, wie lokale Begegnungsräume demokratisches Leben stärken. Im Gespräch (Mittwoch, 28. Oktober 2026, 13.00–14.30 Uhr, kostenlos) zeigt er, wieso Kneipen mehr sind als Gaststätten und wie sie als demokratische Infrastruktur und Orte der informellen Verständigung genutzt werden können.
11. BBE-Fachkongress im Bundesprogramm »Menschen stärken Menschen«
Vor dem Hintergrund struktureller und gesellschaftlicher Herausforderungen rückt der 11. BBE-Fachkongress am 3. November 2026 im Bundesprogramm »Menschen stärken Menschen« die Rolle von Pat/innenschaften als Lern- und Begegnungsräume in den Mittelpunkt. Ob in der Schule, beim Übergang in Ausbildung und Beruf oder beim alltäglichen Miteinander: Pat/innenschaften und bürgerschaftliches Engagement schaffen Räume des Vertrauens und der solidarischen Begegnung. Der Fachkongress richtet sich an die Programmträger des Bundesprogramms »Menschen stärken Menschen« sowie an Interessierte aus Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Redaktion: Björn Götz-Lappe, Ulrich Rüttgers
Mitarbeit an dieser Ausgabe: Nicole Reinke
Wegweiser Bürgergesellschaft
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