eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 7/2026 (23.07.2026)
- Meldungen aus der Bürgergesellschaft
- Broschüre: Zusammenarbeit mit Unternehmen in ländlichen Räumen
- Call for Solutions: Civic Coding-Accelerator 2026
- Bewerbungsaufruf: Digital Service Camp 2026
- Bewerbungsaufruf: Digitales Trainingsprogramm für die Zivilgesellschaft
- Offener Brief zu geplanten Änderungen am IFG
- Vorankündigung: Start der Befragung zum ZiviZ-Survey 2027
- Im Fokus: Aktuelle Studien (Teil 2)
- Ankerorte des digitalen Wandels
- Zur Wirkung von Beteiligung in der Energiewende
- Affektive Polarisierung verringern
- Kinderrechte-Index 2025 des DKHW: Das Recht auf Beteiligung
- Die Erwartungen hinter Bürgerbeteiligung – Beteiligungsdilemmata der planenden Verwaltung
- Policy Paper: Arbeit und Demokratie an der Basis
- Publikationen
- Publikation: Erfolgreich Fördermittel einwerben
- Publikation: Nachhaltige Kommunen und digitale Partizipation
- Veranstaltungen, Seminare, Tagungen
- Festival der Skalierung
- CONSULCON26
Meldungen aus der Bürgergesellschaft
Broschüre: Zusammenarbeit mit Unternehmen in ländlichen Räumen
Zur Entwicklung tragfähiger Engagementstrukturen kann die Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft und regional verankerten Unternehmen mit ihren Ressourcen, Netzwerken und Erfahrungen einen wertvollen Beitrag leisten. Jedoch entsteht diese Kooperation häufig oft noch punktuell und anlassbezogen. Die Praxisbroschüre »Zusammenarbeit mit Unternehmen in ländlichen Räumen: Praxisbeispiele und Formate zum Nachmachen« des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE) zeigt nun anhand konkreter Beispiele steckbriefartig, wie Kooperationen zwischen Unternehmen und Zivilgesellschaft gestaltet werden können. Ergänzend bietet sie praktische Anregungen für den Aufbau von Partnerschaften sowie Hinweise auf Netzwerke, Anlaufstellen und Unterstützungsangebote. Die Publikation entstand im Rahmen des Programms »Engagiertes Land«, welches seit 2021 von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) gemeinsam mit den Partnern BBE und Thünen-Institut für Regionalentwicklung e.V. umgesetzt wird.
Die Broschüre im Wortlaut
Call for Solutions: Civic Coding-Accelerator 2026
Mit ihrem »Call for Solutions« sucht die Bundesinitiative »Civic Coding – Innovationsnetz KI für das Gemeinwohl« noch bis zum 31. Juli 2026 Projektpartner, die konkrete Herausforderungen zivilgesellschaftlicher Organisationen mit einer bestehenden KI-Lösung bzw. einem Prototypen bearbeiten möchten. Interessierte können sich im » Civic Coding-Accelerator 2026« auf eine von insgesamt 22 konkreten Challenges bewerben. Im Tandem werden Tech-Teams und zivilgesellschaftliche Akteure im zweiten Halbjahr 2026 durch einen strukturierten Ko-Kreations-Prozess begleitet und dabei von KI- und Strategie-Expert/innen und im Zuge verschiedener Workshopangebote unterstützt. Zum Abschluss haben die Tandems die Möglichkeit, ihre Lösung vor Vertreter/innen aus Zivilgesellschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Förderlandschaft vorzustellen und weitere potenzielle Partner oder Unterstützende zu gewinnen. »Civic Coding« ist eine Initiative von vier Bundesministerien.
Bewerbungsaufruf: Digital Service Camp 2026
Mit dem Format »Digital Service Camp« vermittelt UPJ e.V. Pro-bono-Unterstützung von Fachleuten aus Unternehmen für digitale Fragestellungen gemeinnütziger Organisationen. In konzentrierten »Unterstützungsbausteinen« erfolgt die Hilfestellung bspw. in Form von Tool-Orientierung, Klärung von Datenbedarfen, Machbarkeitschecks oder der Entwicklung von Leitfäden. Noch bis zum 24. August 2026 können sich zivilgesellschaftliche Akteure mit Fragen und Anforderungen aus ihrer Arbeitspraxis bewerben. Nicht geeignet sind Vorhaben, die eine vollständige technische Umsetzung erfordern. Aufgrund der Förderung werden bei der Auswahl besonders Organisationen mit Sitz oder Wirkung in Berlin oder Brandenburg sowie Organisationen, deren Arbeit Kindern, Jugendlichen, Familien oder Bildungs- und Teilhabechancen zugutekommt, berücksichtigt. Die Umsetzung der ausgewählten Unterstützungsbausteine erfolgt online im Zeitraum September bis Dezember 2026. Die Teilnahme ist für die ausgewählten gemeinnützigen Organisationen kostenfrei.
Bewerbungsaufruf: Digitales Trainingsprogramm für die Zivilgesellschaft
Der Verein More in Common sucht Organisationen, Initiativen und Vereine für sein »Trainingsprogramm für die Zivilgesellschaft«. Basierend auf der sozialpsychologischen Meinungsforschung des Vereins werden vom 9. September bis 14. Oktober 2026 mit rund zehn Organisationen aus ganz Deutschland Projekte weiterentwickelt, die auf mindestens eines der folgenden Gestaltungsfelder einzahlen: Repräsentation & Willensbildung, Zugehörigkeit & Bindung, Begegnung & Orte oder Orientierung & Zuversicht. Das kostenfreie Trainingsprogramm erfolgt digital und besteht aus Gruppen-Workshops und separaten Erarbeitungsphasen. Eine Bewerbung ist bis zum 24. August 2026 möglich.
Offener Brief zu geplanten Änderungen am IFG
Ein Bündnis aus mittlerweile 135 Organisationen und Medien wendet sich in einem Offenen Brief an die Bundesregierung, das Bundesinnenministerium und die Bundestagsabgeordneten im Innenausschuss mit der Forderung, die vom Koalitionsausschuss geplanten Änderungen des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) nicht umzusetzen. Die Anfang Juli vorgestellten Pläne sehen unter anderem vor, Anfragen an ein nachzuweisendes »berechtigtes Interesse« zu knüpfen, weitere Bereichsausnahmen zu definieren und den bisherigen Gebührendeckel zugunsten des Kostendeckungsprinzips aufzuheben. Das Bündnis befürchtet als Folge der Änderungen einen erschwerten Zugang von Bürger/innen, Zivilgesellschaft und Journalist/innen zu amtlichen Informationen, was zulasten der öffentlichen Kontrolle staatlichen Handelns und faktenbasierter Berichterstattung gehen würde. Das Informationsfreiheitsgesetz des Bundes ist seit 2006 in Kraft. Mit ihm wurde ein Informationsrecht der Bevölkerung an amtlichen Informationen und Dokumenten der Bundesbehörden etabliert.
Vorankündigung: Start der Befragung zum ZiviZ-Survey 2027
Wie steht es aktuell um Vereine, Stiftungen und andere gemeinnützige Organisationen in Deutschland? Um das herauszufinden, startet der ZiviZ-Survey im September in eine neue Runde. Alle vier bis fünf Jahre bildet die repräsentative Befragung von ZiviZ im Stifterverband ein umfassendes Stimmungsbild der organisierten Zivilgesellschaft. Grundlage ist eine zufällig gezogene Stichprobe. Die 125.000 ausgewählten Organisationen erhalten per Post einen digitalen Zugang zum Fragebogen. Die Schwerpunktthemen der Befragung sind die Rolle der Zivilgesellschaft in der Demokratie sowie der digitalen Transformation, das Engagement für den Klimaschutz sowie Aspekte der Bürokratiebelastung. Unter den teilnehmenden Organisationen wird eine Spende in Höhe von 1.000 Euro verlost.
Im Fokus: Aktuelle Studien (Teil 2)
Ankerorte des digitalen Wandels
»Smart Cities« oder »smarte Regionen« sorgen für eine Digitalisierung der Verwaltung und sollen gleichzeitig bei der Entwicklung digitaler Angebote die Bedürfnisse der Menschen vor Ort in den Mittelpunkt rücken. Um die Bevölkerung für das Thema zu gewinnen, verknüpfen viele Kommunen digitale Angebote mit physischen Räumen. So schaffen sie konkrete Orte für Information, Beteiligung oder den Ausbau digitaler Kompetenzen. Die Intention: Dort, wo Menschen Technik ausprobieren, Projekte diskutieren und eigene Ideen einbringen, wächst Akzeptanz für digitale Lösungen – und das Verständnis für kommunale Ziele. Wie genau diese »Ankerorte« ausgestaltet werden, unterscheidet sich von Kommune zu Kommune. Die Studie »Stadtlabore, Makerspaces und Digitalwerkstätten« aus der Begleitforschung der Modellprojekte Smart Cities (MPSC) wertet Erfahrungen aus mehr als 50 Ankerorten aus. Jan Abt gibt in seinem Beitrag einen Einblick in die Studienergebnisse und stellt unter anderem fünf Grundtypen, ihre Merkmale und essenzielle Prinzipien für anschlussfähige Ankerorte des digitalen Wandels vor.
Zur Wirkung von Beteiligung in der Energiewende
Was kann Beteiligung für den gesellschaftlichen Rückhalt der Energiewende leisten? Und wie kann eine notwendige Beschleunigung der Energiewende mit demokratischer Teilhabe und lokaler Einbindung verbunden werden? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, hat eine Studie u.a. des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit (RIFS) am GFZ die Beteiligungsformate in rund 200 Wind-, Freiflächensolar- und Übertragungsnetzausbauprojekten in ganz Deutschland ausgewertet. Es wird deutlich, dass weniger die bloße Durchführung einzelner Formate, sondern deren Kombination, Qualität, Intensität und lokale Einbettung Garanten für tragfähige und effiziente Transformationsprozesse sind. Franziska Mey erläutert in ihrem Beitrag den hiermit verbundenen konzeptionell-analytischen Ansatz des »Beteiligungshandabdrucks« und stellt die wichtigsten Erkenntnisse der Studie vor.
Affektive Polarisierung verringern
Affektive Polarisierung, die Übersetzung politischer Differenzen in emotionale Gegnerschaft, beeinflusst heute alltägliches Handeln und kann Vertrauen in demokratische Institutionen, Kompromiss- und Kooperationsbereitschaft schwächen. Die Ansätze zur Überwindung gesellschaftlicher Spaltung sind indes zahlreich und reichen von Bürgerräten über Wahlrechtsreformen bis hin zu vielfältigen Dialog- und Begegnungsprojekten. Doch welche Maßnahmen wirken wirklich? Das MIDEM-Policy Paper »Affektive Polarisierung verringern. Strategien, Befunde und Grenzen« bietet einen fundierten Überblick über die internationale Forschung zu Depolarisierungsstrategien. Oliviero Angeli stellt in seinem Beitrag vier Strategietypen vor und diskutiert ihre Potenziale – auch vor dem Hintergrund ihres zentralen Schwachpunkts: der fehlenden Nachhaltigkeit.
Kinderrechte-Index 2025 des DKHW: Das Recht auf Beteiligung
Mit dem »Kinderrechte-Index« überprüft das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. in vergleichender Weise, wie die in der UN-Kinderrechtskonvention festgelegten Kinderrechte in den deutschen Bundesländern tatsächlich umgesetzt werden. Durch eine fundierte Bestandsaufnahme werden seit 2019 Umsetzungsunterschiede aufgezeigt, bestehende Lücken sichtbar gemacht und konkrete Handlungsbedarfe herausgestellt. Insgesamt besteht der Kinderrechte-Index aus sechs Teilindizes; der zweite Bericht von 2025 setzt sich in einem ausführlichen Analysepapier mit dem »Recht auf Beteiligung« als wichtiger Grundlage einer gelingenden Engagement- und Beteiligungspraxis auseinander. Sebastian Schiller und Christina Shneydin erläutern in ihrem Beitrag das Vorgehen zur Bildung des Teilindexes, stellen die zentralen Ergebnisse vor und diskutieren den Erkenntnisstand zum Zusammenhang von strukturellen Maßnahmen und gelingender Praxis.
Die Erwartungen hinter Bürgerbeteiligung – Beteiligungsdilemmata der planenden Verwaltung
Bürgerbeteiligung kann wertvolle Impulse für die Stadtplanung liefern. Doch in der Praxis klaffen die Erwartungen oft weit auseinander. Planer:innen gehen davon aus, dass Einwohner:innen ihre Interessen einbringen, die dann im Sinne des Gemeinwohls verarbeitet werden. Für Einwohner:innen bleibt häufig das Gefühl, dass ihre Rückmeldungen und Ideen nicht ernst genommen werden. Die Forschung zeigt: Es gibt unterschiedliche Beteiligungslogiken, die zu vielfältigen Konflikten führen. Ein zentrales Dilemma zwischen Demokratie und Verwaltungshoheit prägt den Alltag – Planer:innen wollen zwar Mitsprache fördern, müssen aber gleichzeitig in langen Zyklen denken und ihre professionelle Rolle als neutrale Gemeinwohl-Verantwortliche bewahren. Die Beteiligten möchten ihre Impulse in den Ergebnissen wiederfinden. Lea Fischer hat dieses Dilemma in ihrer Dissertation untersucht und die Spannungen beschrieben, die dadurch in der planenden Verwaltung entstehen. Sie stellt in diesem Beitrag die wesentlichen Erkenntnisse, Lösungsansätze und ein von ihr entwickeltes Planspiel zur Organisationsentwicklung vor.
Policy Paper: Arbeit und Demokratie an der Basis
Viele un- und angelernte Beschäftigte in der sogenannten Basisarbeit erleben ihren Arbeitsplatz nicht als Ort der Sicherheit und kollektiven Selbstwirksamkeit, sondern als Quelle von Unsicherheit, Ohnmacht und Entwertung. An der Basis der Arbeitswelt mangelt es häufig an demokratischer Teilhabe. Zu niedrigen Löhnen, systematischen Verstößen gegen geltendes Arbeitsrecht sowie fehlendem Arbeits- und Gesundheitsschutz kommt oft eine ausbleibende betriebliche Mitbestimmung. Arbeitsmarktpolitische Missstände werden hier zu einem demokratiepolitischen Problem, denn sie schwächen das Vertrauen der Betroffenen in demokratische Akteure und Institutionen. Ein Policy Paper des Progressiven Zentrums analysiert die Ausgangslage und unterbreitet eine Reihe politischer Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zum Ausbau sozialer wie demokratischer Teilhabe an der Basis.
Das Policy Paper im Wortlaut
Publikationen
Publikation: Erfolgreich Fördermittel einwerben
Gemeinnützige Organisationen und Initiativen benötigen neben viel Idealismus und Engagement auch – Geld. Der Weg zu einer Finanzierung führt häufig über einen Projektantrag, der sich an Stiftungen und anderen fördernde Einrichtungen wendet. Doch wie wählen fördernde Einrichtungen Projektanträge aus? Wie formuliert und gestaltet man einen guten Antrag? Was sind die Besonderheiten von fördernden Einrichtungen wie der Europäischen Union oder Stiftungen? Der Band zeigt auf praxisnahe und unterhaltsame Art und Weise, wie man einen überzeugenden Fördermittel-Antrag schreibt. Es bildet eine praxisorientierte Schreibschule mit vielen Beispielen und Formulierungsvorschlägen und beinhaltet zahlreiche Tipps für einen überzeugenden Schreibstil, die einfach umzusetzen sind.
Daniel Pichert: Erfolgreich Fördermittel einwerben. Tipps und Tricks für das Schreiben von Projektanträgen, vollständig überarbeitete und aktualisierte Neuauflage. Bonn 2026, 184 S., ISBN 978-3-941143-55-5
Publikation: Nachhaltige Kommunen und digitale Partizipation
Der Sammelband befasst sich mit der Frage, wie digitale Beteiligungsformate die nachhaltige Entwicklung von Kommunen unterstützen können. Im Mittelpunkt steht die Beteiligung von Bürger/innen sowie Akteuren aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft an 1.000 kommunalen Nachhaltigkeitsprozessen. Der Band vereint Analysen sowie Beiträge aus Wissenschaft und Praxis. Behandelt werden unter anderem die Potenziale und Herausforderungen digitaler Partizipation, der Einsatz IT-gestützter Beteiligungsformate und Voraussetzungen für ihre erfolgreiche Umsetzung in Städten, Gemeinden und Landkreisen.
Bertelsmann Stiftung / Weizenbaum-Institut (Hrsg.): Nachhaltige Kommunen und digitale Partizipation. Analysen – Beispiele – Empfehlungen. Gütersloh 2026, 408 S., ISBN: 978-3-68933-011-8
Veranstaltungen, Seminare, Tagungen
Festival der Skalierung
Zum sechsten Mal öffnet das »Festival der Skalierung« seine Türen – in diesem Jahr am 15. September 2026 in Frankfurt am Main. Es bietet wieder einen Rahmen für Akteur/innen aus Zivilgesellschaft, Stiftungen, Unternehmen und der öffentlichen Hand, um über die Verbreitung sozialer Innovationen in den Austausch zu kommen. Die diesjährige Konferenz rückt die Fragen in den Fokus, wie sich zivilgesellschaftliche Organisationen stabil aufstellen können und wie die Skalierung guter Ansätze in Zeiten knapper Ressourcen realisiert werden kann.
CONSULCON26
Die dreitägige Konferenz »CONSULCON26« bringt in München Civic-Tech-Unternehmen, zivilgesellschaftliche Organisationen, Kommunalverwaltungen, Forschende und andere Akteure zusammen, die sich für partizipative Demokratie, Open-Source-Technologie und demokratisches Empowerment interessieren. Die Veranstaltung vom 15. bis 17. September 2026 verbindet Keynotes mit Worshop-Sessions.
Redaktion: Björn Götz-Lappe, Ulrich Rüttgers
Mitarbeit an dieser Ausgabe: Nicole Reinke
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