eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 3/2026 (26.03.2026)
- Meldungen aus der Bürgergesellschaft
- Studie: Bedeutung von Mikroförderung für zivilgesellschaftliche Organisationen
- Policy Paper: »Young Voices for Youth Work«
- Innocracy25: Dokumentation der Ergebnisse
- Dritte Orte für Begegnung: Stellungnahme und Kampagne
- APuZ: Themenheft zur Zivilgesellschaft
- Lokal. Digital. Gemeinsam: Digitale Bürgerbeteiligung in Kommunen
- Im Fokus: Wettbewerbe, Förderpreise und -programme
- Ideenwettbewerb: Klimaschutz nebenan
- Allzeitorte: Gemeinsam mehr bewegen
- Neulandgewinner: Zukunft erfinden vor Ort
- Auszeichnung für gelingende Teilhabe in der Wohnungsnotfallhilfe
- machen!: Ideenwettbewerb für Engagement in Ostdeutschland
- DSEE: Ehrentag und Mikroförderung
- Land.schafft.Demokratie: Vielfalt und Dialog in der Bibliothek
- Publikationen
- Publikation: Was hält unsere Gesellschaft zusammen?
- Publikation: Demenz und Partizipation
- Veranstaltungen, Seminare, Tagungen
- Fachtag: Beteiligung leicht gemacht
- Seminar: Gute Idee! Gutes Projekt?
Meldungen aus der Bürgergesellschaft
Studie: Bedeutung von Mikroförderung für zivilgesellschaftliche Organisationen
Mikroförderprogramme, bei denen kleinere Beträge bis zu 5.000 Euro beantragt werden können, sind an der Basis der Zivilgesellschaft immens gefragt. Knapp 40 Prozent der zivilgesellschaftlichen Organisationen in Deutschland nutzen dieses Instrument bereits, um ihr lokales Engagement niedrigschwellig zu stärken. Vereine und Initiativen klagen jedoch über einen unverhältnismäßig hohen administrativen Aufwand bei den Förderungen und den fehlenden Überblick in einer kaum durchschaubaren Förderlandschaft. Die im März 2026 veröffentlichte Studie von ZiviZ im Stifterverband und der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen zeigt nun bundesweit, wie diese Mittel eingesetzt werden und wo es noch hakt.
Policy Paper: »Young Voices for Youth Work«
Das vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk e.V. getragene Projekt »Generation Europe« basiert auf einem Netzwerk europäischer Träger der Jugendarbeit und Jugendorganisationen, dessen Ziel es ist, jungen Menschen Internationale Jugendarbeit zugänglich zu machen – unabhängig von Herkunft, ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen oder Bildungshintergrund. Im Mittelpunkt steht die Förderung von »Civic Education« und »Active Democratic Citizenship Education«. Die Ergebnisse der durchgeführten Evaluation des Projekts zeigen nun unter anderem, wie und mit welchem Gewinn Jugendarbeit in der Praxis konsequent partizipativ realisiert werden und wie Demokratiebildung in der (internationalen) Jugendarbeit aussehen kann. Anfang 2026 ist im Rahmen des Projekts ein Strategiepapier erschienen, in dem junge Menschen aus neun europäischen Ländern ihre Vision für eine nachhaltige, gut finanzierte und inklusive Jugendarbeit in Europa formuliert haben.
Innocracy25: Dokumentation der Ergebnisse
Wie hältst Du’s mit der Demokratie? Diese Leitfrage stand im Mittelpunkt der siebten Ausgabe der Demokratiekonferenz des Progressiven Zentrums. Ziel der »Innocracy25« war es, konkurrierende Demokratievorstellungen sichtbar zu machen, Schwächen der liberalen Demokratie selbstkritisch zu analysieren – und auf dieser Grundlage Empfehlungen zu ihrer Stärkung zu formulieren. Diese Empfehlungen wurden nun in einem Ergebnispapier kompakt zusammengefasst und in fünf Handlungsfeldern gebündelt. Demnach müsse zukünftig unter anderem das Demokratielernen gefördert und Formen der Beteiligung gestärkt werden. Neue Beteiligungsformate können demokratische Legitimation insbesondere dann verbessern, wenn sie Menschen einbeziehen, die sich bisher nicht beteiligen, und ihre Ergebnisse von der Politik aufgegriffen werden. Zugleich lautet eine Empfehlung, Demokratie im Alltag zu leben. Hierzu können niedrigschwellige politische Bildungsformate an Alltagsorten wie Bibliotheken oder neue Begegnungsräume beitragen.
Weitere Informationen
Dritte Orte für Begegnung: Stellungnahme und Kampagne
Dritte Orte sind für den gesellschaftlichen Zusammenhalt unverzichtbar: Unter diesem Titel hat ein breites Bündnis aus engagierten Organisationen und Einzelpersonen ein gemeinsames Statement veröffentlicht – mit dem Ziel, Orte zu stärken, an denen Menschen sich begegnen, die sie mitgestalten können und an denen sie Zusammenhalt erleben. Die unter anderem von der Körber Stiftung getragene Initiative will die Bedeutung von Dritten Orten sichtbar machen und ihre Verankerung in kommunalen Infrastrukturen stärken. Das gemeinsame Statement unterstreicht die Wirksamkeit von Dritten Orten als offene, soziale und kulturelle Treffpunkte, die der gesellschaftlichen Tendenz von Polarisierung, Abgrenzung und Rückzug etwas entgegensetzen. Die Stellungnahme ist eingebettet in eine SocialMedia-Kampagne, in der Begegnungsorte und Organisationen ab sofort ihre Arbeit im Handlungsfeld sichtbar machen können.
Die Stellungnahme im Wortlaut
APuZ: Themenheft zur Zivilgesellschaft
Demokratie lebt vom Mitmachen: Sie ist elementar darauf angewiesen, dass Bürgerinnen und Bürger sich freiwillig für das Gemeinwohl engagieren – sei es in der örtlichen Feuerwehr, in einer Kulturinitiative, im Schützenverein, in einer Gewerkschaft oder auch ohne organisatorische Anbindung. Die Zivilgesellschaft erfüllt damit wichtige soziale Aufgaben und entlastet auf diese Weise den Staat, der gemeinnützigen Organisationen im Gegenzug Steuervorteile gewährt und Fördermittel zukommen lässt. Doch wie politisch dürfen gemeinnützige Organisationen sein? Und wo verläuft die Grenze zwischen Partikular- und Gemeinwohlinteresse, zwischen zulässigem politischen und unzulässigem parteipolitischen Engagement? Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift »Aus Politik und Zeitgeschichte« (APuZ) widmet sich in verschiedenen Perspektiven der Zivilgesellschaft in Deutschland.
Lokal. Digital. Gemeinsam: Digitale Bürgerbeteiligung in Kommunen
Der Verein Liquid Democracy e.V. hat das Projekt »Lokal. Digital. Gemeinsam« gestartet und will kommunal Engagierte dabei unterstützen, digitale Bürgerbeteiligung in kleineren Kommunen umzusetzen. Das Projekt wird von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt und ist daher für Teilnehmer/innen kostenlos. Das Projekt begleitet die teilnehmenden Akteure ab Mai 2026 achtzehn Monate lang mit praxisnahen Lernmodulen, Workshops und einer starken Community. Bewerbungen sind ab sofort möglich, regelmäßige digitale Infogespräche erleichtern Interessierten den Einstieg in das Angebot.
Im Fokus: Wettbewerbe, Förderpreise und -programme
Ideenwettbewerb: Klimaschutz nebenan
Am 15. April 2026 startet der Ideenwettbewerb »Klimaschutz nebenan« der nebenan.de Stiftung in die vierte Runde. Ob gemeinsames Gärtnern, Fahrgemeinschaften oder lokale Initiativen für erneuerbare Energien – bei Klimaschutz nebenan können alle mitmachen, die aktiv für gesunde Nachbarschaften vor der eigenen Haustür beitragen wollen. In den vergangenen zwei Jahren haben sich bereits über 1.500 Menschen mit ihren Ideen und Aktionen beteiligt. Bewerbungsschluss ist der 14. Juni 2026.
Allzeitorte: Gemeinsam mehr bewegen
Das Programm »Allzeitorte« unterstützt Kooperationen aus Freizeit-/Alltagsort, Soziokultur und politischer Bildung dabei, Menschen in Begegnung und ins Gespräch zu bringen. Gesucht werden Kooperationen, die Demokratie im Alltag erfahrbar machen, Vertrauen und Zuversicht stärken sowie nachhaltige Strukturen für Mitsprache und Beteiligung aufbauen. Gemeinsam verwandeln sie einen alltäglichen Ort in einen langfristigen Treffpunkt für Austausch, Mitgestaltung und demokratische Praxis. Bewerbungen sind bis zum 17. Mai 2026 möglich. Sieben Projekte werden für die Umsetzung von Januar 2027 bis September 2029 mit bis zu 140.000 € gefördert. »Allzeitorte« ist ein gemeinsames Förderprogramm der Robert Bosch Stiftung und des Bundesverbands Soziokultur.
Neulandgewinner: Zukunft erfinden vor Ort
Das Programm Neulandgewinner des Thünen-Instituts für Regionalentwicklung e.V. und des Neuland gewinnen e.V. wird alle zwei Jahre ausgeschrieben. Die Bewerbung für die aktuelle achte Förderrunde endet am 20. April 2026. Bewerben können sich engagierte Menschen, die in ländlichen Regionen gesellschaftliche Herausforderungen praktisch angehen und neue Impulse setzen wollen. Das Programm beschränkt sich auf kleine Städte (bis 50.000 Einwohner/innen) und Dörfer; Projektvorhaben aus Ballungszentren sind nicht zugelassen. Es können 50.000 € pro Projekt im Programm beantragt werden.
Auszeichnung für gelingende Teilhabe in der Wohnungsnotfallhilfe
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe vergibt in diesem Jahr eine bundesweite Auszeichnung zur Förderung partizipativer Angebote in der Wohnungsnotfallhilfe. Die Verleihung findet am 11. September 2026 in Berlin anlässlich des Tags der wohnungslosen Menschen statt. Gesucht werden Angebote, die eine aktive Mitgestaltung und Mitbestimmung von Menschen mit eigener Erfahrung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit ermöglichen. Bewerben können sich partizipative Angebote der Wohnungsnotfallhilfe. Voraussetzung ist, dass Menschen mit eigener Erfahrung von Wohnungslosigkeit auf der Grundlage transparenter Verfahrensregeln aktiv an Entscheidungen über Planung, Gestaltung und Umsetzung der Angebote beteiligt werden oder diese selbst treffen. Bewerbungsschluss ist der 29. Mai 2026.
machen!: Ideenwettbewerb für Engagement in Ostdeutschland
Der Engagement-Wettbewerb machen! unterstützt vielfältige Projektideen in Ostdeutschland. Bewerben können sich gemeinnützige Organisationen wie Vereine, Stiftungen, Genossenschaften oder Unternehmen. Das Projekt muss in einer ostdeutschen Gemeinde mit bis zu 50.000 Einwohnern umgesetzt werden. Teilnahmeberechtigt sind Organisationen, die ihren Sitz in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen haben. Es werden Preisgelder zwischen 2.500 und 10.000 Euro vergeben. Der Ideenwettbewerb wird von Elisabeth Kaiser, der Ostbeauftragten der Bundesregierung unterstützt und seit 2023 in Kooperation mit der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt umgesetzt. Bewerbungsschluss ist der 5. Mai 2026.
DSEE: Ehrentag und Mikroförderung
Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) hat auch in diesem Jahr wieder verschiedene Förderprogramme aufgelegt. Im Rahmen einer »Mikroförderung« können gemeinnützige Organisation oder Körperschaften des öffentlichen Rechts in strukturschwachen oder ländlichen Regionen fortlaufend eine Projektförderung von bis zu 1.500 Euro zur Stärkung des Ehrenamts und Engagements beantragen. Zugleich können Engagierte eine finanzielle Förderung in Höhe von 500 Euro für eine Bildungsaktion zu globalen Themen beantragen. Zudem hat die DSEE ein Aktionsprogramm gestartet, mit dem kurzfristig Veranstaltungen und Mitmach-Aktionen im gesamten Bundesgebiet rund um den erstmals ausgerichteten »Ehrentag« am 23. Mai 2026 unterstützt werden können. Bedingung ist, dass die beantragte Aktion im Zeitraum 16. bis 31. Mai 2026 durchgeführt wird.
Land.schafft.Demokratie: Vielfalt und Dialog in der Bibliothek
Bibliotheken als Orte der Informationsfreiheit stärken die Demokratie. Mit ihren zahlreichen Angeboten sind sie fester Bestandteil der Dorf- und Stadtgesellschaft und ermöglichen Austausch und Begegnung. Mit ihnen wird der gesellschaftliche Zusammenhalt vor Ort gestärkt. Im Rahmen des Projektes »Land.schafft.Demokratie« werden 2026 deutschlandweit wieder 20 Bibliotheken in Orten mit bis zu 50.000 Einwohner/innen dabei unterstützt, Formate zu Demokratie, Dialog und Vielfalt vor Ort durchzuführen. Das Projekt ist eine Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Deutschen Bibliotheksverband. Kurzentschlossene Bibliotheken können sich noch bis zum 31. März 2026 bewerben.
Publikationen
Publikation: Was hält unsere Gesellschaft zusammen?
Welche Rolle spielt das bürgerschaftliche Engagement von sozial benachteiligten Menschen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt? In diesem Band kommen Engagierte einer Suppenküche in Ostdeutschland zu Wort und schildern ihre Situation, die Probleme, die sie bewegen, ihre Erfahrungen und ihre Wünsche. Mit dem Buch möchte die Autorin Menschen, die sich selbst in prekären Situationen befinden und trotzdem für andere engagieren, eine Stimme geben und ihre Erfahrungen zugänglich machen. Und sie zeigt praxisnah, was das alles mit Demokratie zu tun hat. Das Buch liegt auch im kostenlosen OpenAccess-Format vor.
Bettina Hollstein: Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Erfahrungen einer Suppenküche in Ostdeutschland. Weinheim 2025, 126 S., ISBN 978-3-593-52191-6
Publikation: Demenz und Partizipation
Demenz ist überall ‒ und doch erstaunlich unsichtbar. Die Autor/innen begreifen Demenz nicht länger als rein medizinisches Problem, sondern als soziale Frage. Wie steht es um die Teilhabe von Menschen mit Demenz? Und wie lässt sich Partizipation jenseits von Events neu denken? Unter Einbeziehung von Soziologie, Philosophie und Praxis entsteht jenseits gängiger Perspektiven ein anderes Bild von Demenz, das dazu einlädt, Betroffene und Gesellschaft nicht zu trennen, sondern zu verbinden. Das Buch liegt auch im kostenlosen OpenAccess-Format vor.
Reimer Gronemeyer, Gabriele Kreutzner, Jonas Metzger, Oliver Schultz: Demenz und Partizipation. Philosophische Dimensionen und soziale Praxis. Bielefeld 2025, 180 S., ISBN 978-3-8376-7726-3
Veranstaltungen, Seminare, Tagungen
Fachtag: Beteiligung leicht gemacht
Viele Beteiligungsverfahren sind kompliziert und stark schriftsprachlich geprägt. Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten können daran oft nicht oder nur schwer teilnehmen. So werden sie – meist unbewusst – von politischer Beteiligung ausgeschlossen. Das Projekt der Bürgerstiftung Neukölln setzt genau hier an. Seit Januar 2024 begleitet das Projektteam Beteiligungsverfahren in Berlin-Neukölln und führt aufsuchende Workshops der politischen Bildung durch. Ziel ist es, Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten für Beteiligung zu gewinnen und Zugänge zu erleichtern. Auf dem Fachtag (Dienstag, 28. April 2026, 14:00 bis 18:00 Uhr) der Berliner Landeszentrale für politische Bildung werden die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Projekt vorgestellt und konkrete Handlungsansätze für Grundbildung, politische Bildung und politische Beteiligung diskutiert – mit dem Ziel, Beteiligung leichter und inklusiver zu gestalten.
Seminar: Gute Idee! Gutes Projekt?
Das Online-Seminar der Stiftung Mitarbeit (Mittwoch, 06. Mai 2026, 17.00–19.30 Uhr) richtet sich an zivilgesellschaftliche Initiativen, Zusammenschlüsse und Vereine und führt in die Entwicklung und das effiziente Management von Projekten ein. Ziel ist es, das »Denken in Projekten« zu lernen, um zukünftig eigenständig förderfähige Projekte entwickeln und begleiten zu können. Außerdem werden die Vor- und Nachteile einer projektorientierten Arbeitsweise beleuchtet. Das Seminar bietet zudem Gelegenheit zum praxisnahen Austausch über Erfahrungen und für die Fragen der Teilnehmer/innen.
Redaktion: Björn Götz-Lappe, Ulrich Rüttgers
Mitarbeit an dieser Ausgabe: Eileen Czempinski, Nicole Reinke
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