eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 2/2026 (26.02.2026)
- Meldungen aus der Bürgergesellschaft
- Forschungsprojekt: Erfolgsfaktoren lokaler E-Partizipation
- Engagementberichte: Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage
- Hans Sauer Preis 2026
- Umfrage: »Führen mit Verantwortung – wie geht es Geschäftsführenden und Vorständen in der Zivilgesellschaft?«
- Video-Kampagne zeigt Vielfalt des Ehrenamts
- Projektschmiede 2026: Noch bis 1. März bewerben
- Im Fokus: Kinderbeteiligung (Teil 2)
- Beteiligungsmomente schaffen: Möglichkeiten und Formate zur Beteiligung im Ganztag
- Partizipation und die Entwicklung gesellschaftlichen Engagements: eine immerwährende Herausforderung an Schulen
- Das Dorfcheck-Beteiligungsverfahren der Gemeinde Algermissen
- Frag doch mal den Bürgermeister: Kinderbeteiligung in der Stadt Neuwied
- Publikationen
- Publikation: Der Kompromiss – Eine demokratische Lebensform
- Publikation: Klimawandel und Bildung
- Veranstaltungen, Seminare, Tagungen
- 19. Loccumer Procedere-Werkstatttagung
- Jugendengagementkongress 2026
Meldungen aus der Bürgergesellschaft
Forschungsprojekt: Erfolgsfaktoren lokaler E-Partizipation
Wie verbreitet ist digitale Bürgerbeteiligung in Deutschland? Forscherinnen und Forscher der Technischen Universität Dresden (TUD), der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie der Universitäten Leipzig und Koblenz haben über 10.000 Städte und Gemeinden zu digitaler Bürgerbeteiligung befragt. Das Forschungsprojekt gibt einen praxisnahen Überblick, welche digitalen Beteiligungsformate Kommunen nutzen, welche Ziele sie verfolgen und wie erfolgreich diese Maßnahmen sind. Wichtigstes Ziel der untersuchten Beteiligungsformate ist es laut den beteiligten Wissenschaftler/innen, Entscheidungsprozesse in Politik und Verwaltung transparenter zu gestalten. Ein wesentliches Ergebnis des Projekts ist die Entwicklung eines multimodalen digitalen Dashboards. Dieses Dashboard dient als zentrale Plattform zur Visualisierung der erhobenen Daten, ermöglicht den Vergleich und die Optimierung von Beteiligungsverfahren und fördert den Austausch und die Vernetzung zwischen Kommunen und Anbietern digitaler Beteiligungsformate.
Engagementberichte: Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage
Mit einer Kleinen Anfrage haben Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen die Bundesregierung gebeten, über die künftige Ausgestaltung der Engagementberichte zu informieren. Im Mittelpunkt standen Fragen zur Struktur, zur gesetzlichen Verankerung, zur ressortübergreifenden Zuständigkeit und zur institutionellen Absicherung der Berichterstattung. Dabei wurde Bezug genommen auf den Vierten Engagementbericht, der auf ungleiche Zugangschancen zum Engagement hinweist. Die Antwort der Bundesregierung liegt seit dieser Woche vor.
Die Antwort im Wortlaut
Hans Sauer Preis 2026
Leerstände und brachliegende Grundstücke prägen das Bild vieler Städte und Gemeinden. Parallel werden gemeinwohlorientierte Räume immer knapper. Um das Potenzial leerstehender Gebäude und Flächen zu erkennen und weiterzudenken braucht es Pionier/innen, die diese gestalten. Unter dem Motto »Commoning Spaces! – Räume fürs Gemeinwohl aktivieren« zeichnet der Hans Sauer Preis in diesem Jahr Projekte, Organisationen und Initiativen gemeinwohlorientierter Raumentwicklung aus, die mit besonders innovativen Ansätzen und Herangehensweisen Räume im Sinne des Gemeinwohls aneignen, umdeuten und transformieren. Insgesamt werden Preisgelder in der Höhe von insgesamt 20.000 Euro vergeben. Eine Bewerbung ist bis zum 28. April 2026 möglich.
Umfrage: »Führen mit Verantwortung – wie geht es Geschäftsführenden und Vorständen in der Zivilgesellschaft?«
Bislang liegen nur wenige systematische Erkenntnisse darüber vor, wie es Personen in Leitungsfunktionen zivilgesellschaftlicher Strukturen geht, was sie motiviert und welchen Unterstützungsbedarf sie haben. Die Stiftung Bürgermut führt deshalb hierzu eine anonyme Umfrage unter Leitungspersonen in Non-Profit-Organisationen durch. Ziel ist es, realistische Einblicke in die Führungspraxis der Zivilgesellschaft zu gewinnen und auf dieser Grundlage passgenaue Unterstützungsangebote zu entwickeln sowie verbesserte strukturelle Rahmenbedingungen zu schaffen.
Video-Kampagne zeigt Vielfalt des Ehrenamts
Mit der Video-Kampagne »Das Ehrenamt – so stark wie die Gesellschaft« präsentiert die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt das Facettenreichtum der Ehrenamtslandschaft in Deutschland. Von der Kiezdisko für Jung und Alt bis zum Fußballclub für Kinder mit geistiger Behinderung: in fünf Kurzfilmen wird gezeigt, was Engagierte zu ihrem Einsatz motiviert, wie dieser Einsatz konkret hilft und warum er unsere Gesellschaft stark macht.
Projektschmiede 2026: Noch bis 1. März bewerben
Im Rahmen des Bundesprogramms »Gesellschaftlicher Zusammenhalt« geht die Projektschmiede 2026 in die sechste Runde. Die Antragswerkstatt unterstützt gemeinnützige Organisationen dabei, Projektideen wirkungsorientiert zu entwickeln und in förderfähige Anträge zu überführen. Die Projektschmiede wird von März bis Juni 2026 an zehn Standorten deutschlandweit angeboten. Pro Standort finden mehrere Workshops statt, an denen bis zu zwei Vertreter/innen pro Organisation teilnehmen können. Dabei werden zentrale Kenntnisse zu Projektplanung, Finanzkalkulation, Zuwendungsrecht und Verwendungsnachweisen vermittelt. Ergänzend erhalten die Teilnehmenden im Rahmen einer Beratungsphase individuelles Feedback. Eine Bewerbung ist kurzfristig noch bis zum 1. März 2026 möglich.
Weitere Informationen
Im Fokus: Kinderbeteiligung (Teil 2)
Beteiligungsmomente schaffen: Möglichkeiten und Formate zur Beteiligung im Ganztag
Wie können Kinder in ihrem Alltag im offenen Ganztag erleben, dass ihre Meinung und Stimme wichtig ist? Wie kann die dortige Tagesgestaltung – von Essens- bis Konfliktsituationen – partizipativer gestaltet werden? Janine Prüfer und Maike Simla präsentieren in ihrem Beitrag konkrete Möglichkeiten, wie das Recht auf Beteiligung sowohl im Alltag als auch in fest etablierten Beteiligungsformaten und Gremien wirksam in Strukturen des Ganztags umgesetzt werden kann.
Partizipation und die Entwicklung gesellschaftlichen Engagements: eine immerwährende Herausforderung an Schulen
Die Studie »Vita gesellschaftlichen Engagements« untersuchte den Zusammenhang zwischen früher Beteiligung und dem Engagement bis ins Erwachsenenalter. Darin wird bestätigt, dass bereits frühe Erfahrungen mit Partizipation Auswirkungen auf ein späteres Engagement haben. Hartmut Wedekind stellt vor diesem Hintergrund grundlegende pädagogische Konzepte vor, die die aktive Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen an ihrem Lernen und ihrer Persönlichkeitsentwicklung ermöglichen.
Das Dorfcheck-Beteiligungsverfahren der Gemeinde Algermissen
Algermissen war die erste ländliche Kommune, die mit dem bundesweiten Siegel »Kinderfreundliche Kommune« ausgezeichnet wurde. Sie verfolgt das Ziel, Kinder und Jugendliche aktiv in Entscheidungsprozesse der kommunalen Entwicklung einzubinden. Dafür konzipierte sie das Konzept »Dorfcheck«, welches 2020 und 2024 durch Kinder und Jugendliche vor Ort durchgeführt wurde. Darin erarbeiteten die Teilnehmenden Handlungsempfehlungen, die in den darauffolgenden Jahren durch die Gemeindeverwaltung umgesetzt wurden. Sophie Berndt stellt in ihrem Beitrag das Format und seine Herausforderungen vor.
Frag doch mal den Bürgermeister: Kinderbeteiligung in der Stadt Neuwied
Als »Kinderfreundliche Kommune« bindet Neuwied Kinder und Jugendliche selbstwirksam in politische, administrative und stadtgesellschaftliche Strukturen ein. Im Rahmen der Initiative »Frag doch mal den Bürgermeister« besucht der Bürgermeister mindestens einmal im Quartal Schulen, Kitas, Vereine und öffentliche Spielplätze und spricht direkt mit Kindern und Jugendlichen über ihre Anliegen. Das Ziel ist es, die Beteiligung junger Menschen zu fördern und ihnen zu zeigen, dass ihre Meinung in die Entscheidungen, die ihr Lebensumfeld prägen, einfließt. Sonja Jensen skizziert in ihrem Gastbeitrag die Grundidee der Initiative und gibt praxistaugliche Tipps für diejenigen, die ähnliche Formate umsetzen möchten.
Publikationen
Publikation: Der Kompromiss – Eine demokratische Lebensform
Der Kompromiss ist für die Demokratie von genauso existenzieller Bedeutung wie der faire Streit zwischen konkurrierenden Überzeugungen. Doch sowohl der Streit als auch der Kompromiss stehen heute mehr denn je unter Druck. Die Beiträge der Publikation werfen einen Blick auf die konkrete Praxis des Kompromisses in unterschiedlichen Lebensbereichen und verdeutlichen dadurch nicht nur seine Reichweiten und Grenzen, sondern auch, wie wesenhaft er mit der Lebensform der Demokratie bis tief in unsere alltägliche Lebenspraxis hinein verwoben ist.
Gunther Hellmann (Hrsg.): Der Kompromiss – Eine demokratische Lebensform. Bielefeld 2025, 168 S., ISBN 978-3-8376-7932-8
Publikation: Klimawandel und Bildung
Der Sammelband zeigt, wie Klimawandel und Bildung gemeinsam gedacht werden können, jenseits reiner Problemanalyse und mit einem klaren Fokus auf handlungsorientierte Lösungen. Die Beiträge greifen aktuelle Herausforderungen im Kontext von Klimawandel und Nachhaltigkeit auf und entwickeln innovative Wege einer transformativen Klimabildung. Sie geben Einblicke in empirisch fundierte und praxisnahe Konzepte, Methoden und Projekte. Das Buch liegt im OpenAccess-Format vor.
Denis Pijetlovic, Jakob von Au, Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit (Hrsg.): Klimawandel und Bildung. Konzepte, Methoden und Perspektiven transformativer Klimabildung. München 2025, 606 S., ISBN 978-3-98726-182-4
Veranstaltungen, Seminare, Tagungen
19. Loccumer Procedere-Werkstatttagung
Vom 16. bis 18. März 2026 findet in der Evangelischen Akademie Loccum die 19. Loccumer Procedere-Werkstatttagung unter dem Titel »Wirklich alle?! – Mächtige, Ungehörte, Störende beteiligen?« statt. Das Camp versteht sich als Plattform, um Methoden zu diskutieren, die echte Wirkung entfalten und niemanden ausschließen. Neben kuratierten Inhalten gibt es viel Raum für eigene Workshop-Ideen, Mini-Labs und spontane Treffen.
Jugendengagementkongress 2026
Vom 20. bis 24. Mai 2026 lädt die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) junge Menschen, die sich zivilgesellschaftlich und ehrenamtlich engagieren, nach Berlin zum Jugendengagementkongress ein. Erwartet werden rund 300 Teilnehmende im Alter von 16 bis 23 Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet, die sich in Workshops, Exkursionen und interaktiven Formaten weiterbilden, vernetzen und Impulse für ihr Engagement gewinnen möchten. Der Kongress richtet sich sowohl an bereits aktive junge Engagierte als auch an diejenigen, die am Beginn ihres politischen oder zivilgesellschaftlichen Einsatzes stehen.
Redaktion: Björn Götz-Lappe, Ulrich Rüttgers
Mitarbeit an dieser Ausgabe: Eileen Czempinski, Nicole Reinke
Wegweiser Bürgergesellschaft
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