eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 8/2025 (05.09.2025)
- Meldungen aus der Bürgergesellschaft
- Erfahrungsaustausch zu Bürgerräten: Teilnehmende gesucht
- Studie: Jung, einsam – und engagiert?
- DIFU: Handreichung zur Kreislaufstadt
- Förderprogramm »Vor Ort vereint«
- Datenatlas Zivilgesellschaft
- AlgorithmWatch: Meldeportal für algorithmische Diskriminierung
- Im Fokus: Community Organizing
- Fundraising und Community Organizing
- Community Organizing und Gemeinwesenarbeit: Ein Beispiel aus Berlin
- Von Snackautomaten und Cringe-Buzzern: Community Organizing mit Schüler/innen in einer sächsischen Kleinstadt
- Community Organizing im Hotspot gesellschaftlicher Konflikte
- Publikationen
- Publikation: Partizipation nach der Flucht
- Publikation: Handbuch aufsuchende politische Bildung
- Veranstaltungen, Seminare, Tagungen
- Webinar: Handwerkszeug für gute Nachbarschaft
- Online-Schulung: Resilienz im Ehrenamt
Meldungen aus der Bürgergesellschaft
Erfahrungsaustausch zu Bürgerräten: Teilnehmende gesucht
Die Montag Stiftung lädt ehemalige Teilnehmende von Bürgerräten aus ganz Deutschland zu einem ganztägigen Erfahrungsaustausch in Bonn ein. Ziel der Veranstaltung ist es, gemeinsam Rückschau zu halten: Was hat die Teilnahme am Bürgerrat bei Ihnen bewirkt? Welche Erfahrungen möchten Sie weitergeben? Und welche Empfehlungen lassen sich daraus für künftige Bürgerräte und die Demokratie insgesamt ableiten? Im Mittelpunkt stehen keine Fachdebatten, sondern die Perspektiven ehemaliger und noch aktiver Bürgerräte. Es geht um gelebte Demokratie, Austausch auf Augenhöhe und Impulse für die Zukunft. Die Veranstaltung findet am 14. September 2025 statt, die Teilnahme ist kostenfrei. Reise- und Übernachtungskosten werden übernommen. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt.
Studie: Jung, einsam – und engagiert?
Insgesamt 45 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 16 und 30 Jahren fühlen sich moderat oder stark einsam. Und nur 16 Prozent dieser einsamen jungen Menschen – obschon ähnlich politisch interessiert wie ihre nicht einsamen Altersgenoss/innen – glauben, durch ihr Handeln lokal etwas auf gesellschaftlicher oder politischer Ebene verändern zu können. Die Studie »Jung, einsam – und engagiert?« der Bertelsmann Stiftung kommt auf Grundlage der Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von rund 2.500 Personen zu dem Schluss, dass Einsamkeit politisch relevant ist. Ein verhärtetes Misstrauen gegenüber politischen Akteuren und Institutionen, Anfälligkeit für autoritäre Narrative und Wahlenthaltung können die Folge dieses subjektiven Empfindens sein. Die Studie argumentiert dafür, Einsamkeit junger Menschen als strukturelle Barriere für Teilhabe zu verstehen und diesem Umstand durch die Anerkennung von Einsamkeit als politischer Querschnittsaufgabe, dem Ausbau offener Begegnungsräume und niedrigschwelliger Zugänge zu politischer Beteiligung zu begegnen. Die Studie ist Teil der Initiative »GenNow«, die eine aktive Rolle junger Menschen bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft fördern soll.
Die Studie im Wortlaut (PDF)
DIFU: Handreichung zur Kreislaufstadt
Wie gelingt der Wandel von einer linearen hin zu einer zirkulären Stadt- und Wirtschaftsentwicklung? Angesichts knapper Ressourcen und ambitionierter Klimaziele wird diese Frage für Kommunen immer drängender. Eine aktuelle Veröffentlichung des Deutschen Instituts für Urbanistik (DIFU) stellt jetzt praxisnahe Wege für Städte und Regionen vor, die sich auf den Pfad der Circular Economy begeben wollen. Im Zentrum steht das Leitbild der Kreislaufstadt. Die Entwicklung einer Kreislaufstadt ist ein Gemeinschaftswerk und wird getragen von einer Vielzahl an Akteuren. Als wichtige Akteursgruppen gelten, neben der kommunalen Politik und Verwaltung, die kommunalen Eigenbetriebe, Unternehmen, zivilgesellschaftliche Initiativen, Wissenschaft und Bürger/innen. Die in einem partizipativen Prozess entstandene Handreichung versteht sich als Baukasten für ganzheitliche kommunale Kreislaufwirtschaftsstrategien und liefert eine praktische Hilfestellung für die kommunalspezifische Analyse von Akteuren der Kreislaufwirtschaft sowie von möglichen Ansätzen der Beteiligung und Kooperation.
Förderprogramm »Vor Ort vereint«
Um schwindenem Zusammenhalt in Gemeinden und Kleinstädten etwas entgegenzusetzen, unterstützt die Förderinitiative »Vor Ort vereint« im kommenden Jahr wieder bis zu 12 Projekte, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort stärken und dabei Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven und Einstellungen verbinden. Die gesuchten Vorhaben sollen Begegnung ermöglichen, die demokratische Mitgestaltung fördern, Teilhabe und Grundrechte stärken und/oder auf die sozial-ökologische Transformation einzahlen. Förderanträge können von Einzelpersonen, Vereinen oder Initiativen gestellt werden. Gemeindeübergreifende Kooperationen sind möglich. Ab dem 1. Januar 2026 werden Projekte über einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten mit jeweils maximal 12.000 Euro gefördert. Bewerbungen sind bis zum 22. September 2025 über ein Online-Formular möglich. Das Förderprogramm wird von der Änderwerk gGmbH mit Unterstützung von drei Förderstiftungen umgesetzt.
Datenatlas Zivilgesellschaft
Mit dem Datenatlas Zivilgesellschaft stellt die Bertelsmann Stiftung ein zentrales Metadatenportal für offene Daten aus der zivilgesellschaftlichen Praxis in Deutschland bereit. Der Datenatlas wurde gemeinsam mit zahlreichen Organisationen aus dem Feld entwickelt und zielt darauf ab, die Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und Nachnutzbarkeit zivilgesellschaftlicher Daten systematisch zu verbessern. Ergänzend zum Datenkatalog bietet das Portal praxisnahe Formate wie Sprechstunden und Workshops, die den Einstieg in offene Daten erleichtern sollen. Langfristig soll der Atlas die empirische Grundlage für zivilgesellschaftliches Handeln stärken und möglichst viele der rund 650.000 gemeinnützigen Organisationen in Deutschland zur Mitwirkung gewinnen.
AlgorithmWatch: Meldeportal für algorithmische Diskriminierung
Immer mehr Institutionen nutzen in allen möglichen Bereichen algorithmische Entscheidungssysteme. Solche Systeme sind aber keineswegs neutral, sondern ihre Funktionsweise wird von Menschen und ihren jeweiligen Vorurteilen und Interessen beeinflusst. Deshalb können die Systeme Diskriminierungsmuster reproduzieren, die in der Gesellschaft verbreitet sind, und auf diese Weise Menschen algorithmisch diskriminieren. Die Initiative »AlgorithmWatch« hat nun ein Meldeportal für algorithmische Diskriminierung veröffentlicht. Dadurch will das Projekt die Effekte und Schäden analysieren, die im Einsatz algorithmischer Entscheidungssysteme entstehen.
Im Fokus: Community Organizing
Fundraising und Community Organizing
Community Organizing (CO) verfolgt das Ziel, Menschen und Gruppen im Prozess der Selbstorganisation zu stärken, damit sie ihre individuell erlebte Ohnmacht überwinden und in eigenen, passenden Organisationsformen handlungsmächtig werden. In der Geschichte des Community Organizing ist die Sicherung einer möglichst unabhängigen Finanzierung schon immer von zentraler Bedeutung. Welche verschiedenen Finanzierungs- und Förderungsmöglichkeiten es im Feld gibt, erklärt Hille Richers in ihrem Gastbeitrag.
Community Organizing und Gemeinwesenarbeit: Ein Beispiel aus Berlin
Der Stadtteil als Ort der Gemeinschaft ist voller Themen, die kollektiv von Anwohner/innen bearbeitet werden können. Wie es auf dieser Ebene im Quartier gelingen kann, Gemeinwesenarbeit und Community Organizing produktiv miteinander zu verbinden und welche Chancen und Herausforderungen es beispielsweise in der aktivierenden Arbeit mit Mieter/innen gibt, erläutert Tom Liebelt in seinem Beitrag.
Von Snackautomaten und Cringe-Buzzern: Community Organizing mit Schüler/innen in einer sächsischen Kleinstadt
Die Schulsozialarbeit ist eine von vielen wichtigen Säulen der Schulgemeinschaft. Werden Schüler/innen im Rahmen der Schulsozialarbeit nach ihren Bedürfnissen gefragt, dann kommt eine Vielzahl an Themen zur Sprache, wovon einige mit den Methoden der Sozialen Arbeit lösbar sind und andere nicht. Tabea Seeßelberg und Marcus Rößner zeigen in ihrem Beitrag am Beispiel eines sächsischen Gymnasiums, wie Community Organizing mit Jugendlichen an Problemen ansetzen kann, bei denen die klassische Schulsozialarbeit mit ihren Methoden an ihre Grenzen stößt.
Community Organizing im Hotspot gesellschaftlicher Konflikte
Sandow ist mit etwa 15.000 Einwohner/innen der zweitgrößte Stadtteil von Cottbus. Mit dem von der Robert Bosch Stiftung geförderten Projekt »Sandow Community Power« setzt die Initiative Jugend und Kultur e.V. auf Community Organizing als Methode zur Selbstermächtigung der Anwohner/innen und zur Erreichung konkreter sozialer Verbesserungen im Stadtteil. Zugleich möchte das Projekt auch gezielt die Kooperation zwischen Menschen stärken, die sich sonst meist aus dem Weg gehen. Ein Autorenkollektiv des Vereins stellt das Projekt und seine Bedeutung für die lokale Zivilgesellschaft praxisnah vor.
Publikationen
Publikation: Partizipation nach der Flucht
Wie gestalten Geflüchtete Zugehörigkeit trotz struktureller Ausschlüsse? Anhand dreier Fallstudien zivilgesellschaftlicher Partizipation in institutionalisierten Kontexten legt die Autorin dar, wie Geflüchtete gemeinsam mit Unterstützer/innen soziale Handlungsräume erschließen. Im Zentrum ihrer Analyse steht ein dynamisches Verständnis von Citizenship als alltagsnahem, situativem Aushandlungsprozess jenseits formaler Rechte. Der performative Zugang beleuchtet dabei Aushandlungen um bürgerschaftliche Positionierungen und Zugehörigkeitsansprüche. Es zeigt sich, wie sich Vorstellungen von Citizenship im Spannungsfeld von Fremd- und Selbstzuschreibungen entwickeln und zu einem Verständnis von Zugehörigkeit in pluralistischen Demokratien beitragen. Das Buch liegt auch im OpenAccess-Format vor.
Maria Ullrich: Partizipation nach der Flucht. Aushandlungen von Citizenship im Aufnahmekontext. Bielefeld 2025, 306 S., ISBN 978-3-8376-7316-6
Publikation: Handbuch aufsuchende politische Bildung
Das Handbuch bietet eine grundlegende Darstellung des Ansatzes der aufsuchenden politischen Erwachsenenbildung. Die Autor/innen gehen der Frage nach, was politische Bildung zu einer gleichberechtigten demokratischen Teilhabe beitragen kann, auf die Demokratien angewiesen sind. Denn nicht alle Menschen fühlen sich eingeladen, Politik und Gesellschaft mitzugestalten und an Angeboten der politischen Bildung teilzunehmen. Die Autor/innen diskutieren Grundlagen, stellen Praxisbeispiele vor und zeigen weitere Perspektiven auf. Der Band enthält vielfältige Anregungen für alle, die politische Erwachsenenbildung inklusiver gestalten wollen.
Thomas Gill, Heinz Stapf-Finé, Annette Wallentin (Hrsg.): Handbuch aufsuchende politische Bildung. Frankfurt am Main 2025, 224 S., ISBN 978-3-7344-1710-8
Veranstaltungen, Seminare, Tagungen
Webinar: Handwerkszeug für gute Nachbarschaft
Nachbarschaft ist der unmittelbare Nahraum, in dem Menschen leben, wirken und zusammenkommen. Wie kann dieser Nahraum genutzt werden, damit Gemeinschaft entsteht? Wie können wir das Miteinander in unseren Nachbarschaften auf dem Land und in der Stadt stärken? Welche Ideen und Methoden helfen dabei, Menschen vor Ort miteinander ins Gespräch zu bringen, Begegnung zu ermöglichen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern? Im Webinar der Stiftung Mitarbeit (Mittwoch, 10. September 2025, 17.00–18.30) blicken die Teilnehmer/innen auf Methoden und Ansätze, die sich gut auf die eigene Arbeit oder das eigene Wohnumfeld übertragen lassen.
Online-Schulung: Resilienz im Ehrenamt
Viele Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, sind mit emotionalen Belastungen, Konflikten oder Zeitdruck konfrontiert. Hinzu kommt: Wer sich intensiv für andere einsetzt, vernachlässigt bisweilen die eigenen Bedürfnisse. Im Rahmen einer Online-Schulung beschäftigen sich die Teilnehmenden intensiv mit Resilienz und Selbstfürsorge und warum es dafür wichtig ist, die eigene Rolle zu klären. Die Online-Schulung (17. September 2025, 10:00-12:15 Uhr) des vhs-Ehrenamtsportals ist kostenfrei.
Redaktion: Björn Götz-Lappe, Ulrich Rüttgers
Mitarbeit an dieser Ausgabe: Nicole Reinke
Wegweiser Bürgergesellschaft
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