Selbstorganisationen, Politische Arbeit

Geflüchtete Menschen sind nicht nur Adressaten von Fürsorge und Hilfe, sondern wollen selbst aktiv werden. Mit unterschiedlichen politischen Aktionsformen machen sie auf Zusammenhänge zwischen ihrer Flucht und den Lebensbedingungen in ihren Ländern aufmerksam oder setzen sich für Menschenrechte ein. Im folgenden werden einige Initiativen aufgezeigt, in denen sich Geflüchtete selbst organisiert haben. Vorgestellt werden außerdem Portale, die sich an Geflüchtete selbst richten und zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für die Rechte von Flüchtlingen einsetzen.

Zusammenschlüsse von Geflüchteten

The VOICE Refugees

The VOICE Refugee Forum ist ein Netzwerk von politischen Flüchtlingen und Menschenrechtsaktivisten, das 1994 gegründet wurde. Die Organisation setzt sich aktiv für verfolgte Menschenrechtsaktivist/innen und gegen die Verletzung von Menschenrechten hier und in ihren Heimatländern ein. Zudem macht sie mit Aktionen und Kampagnen in der Öffentlichkeit auf Probleme bei der Unterbringung oder der Integration von Flüchtlingen in Deutschland aufmerksam und fordert eine humane und menschenrechtsorientierte Flüchtlingspolitik.

Women in exile

Der Verein »Women in Exile« bringt flüchtlingspolitische Forderungen aus feministischer Perspektive in die Öffentlichkeit. Mit dem Schwerpunkt in Brandenburg arbeitet die Gruppe politisch, besucht Flüchtlingsunterkünfte und organisiert Workshops und Seminare. Auf ihrer Website informieren »Woman in Exile« über aktuelle flüchtlingspolitische Ereignisse und stellen Infomaterial für Flüchtlingsfrauen in vielen Sprachen zur Verfügung.

Jugendliche ohne Grenzen

Jugendliche ohne Grenzen (JOG) ist ein 2005 gegründeter bundesweiter Zusammenschluss von jugendlichen Flüchtlingen, der sich gegen jegliche Art von Diskriminierung einsetzt. JOG führt Veranstaltungen parrallel zu den Innenministerkonferenzen durch, organisiert bundesweite wie auch lokale Aktionen. Wichtig ist für JOG der Grundsatz, dass Betroffene eine eigene Stimme haben und keine »stellvertretende Betroffenen-Politik« benötigen.

Informationsportale für Flüchtlinge

Übersicht zu Online-Informationsangeboten für Flüchtlinge (Pro Asyl)

Mit dieser Übersicht bietet pro asyl ausführliche Hinweise (in deutsch und englisch) auf weiterführende Informationen für Flüchtlinge im Internet. Die Links führen zu allgemeinen Informationsangeboten, Hilfen beim Übersetzen, Gesundheitsversorgung, Zugang zu Bildung und Arbeit, Zugang zu Wohnraum, Medienangebote und zu Kontakten zu ehrenamtlichen Initiativen vor Ort.

Refugee Guide

Der »Refugee Guide« bietet Flüchtlingen in 15 Sprachen eine erste Orientierungshilfe für das Leben in Deutschland. Er enthält nützliche Tipps und Informationen für das Leben in Deutschland. Angeregt wurde diese Orientierungshilfe durch Fragen, die viele Geflüchtete immer wieder stellen. Die Informationen wurden in enger Zusammenarbeit mit Geflüchteten erstellt und richtet sich speziell an Geflüchtete, die noch nicht an staatlichen Integrations- und Deutschkursen teilnehmen können.

Deutsche Welle: Deutsch lernen

Die Deutsche Welle bietet auf ihrer Webseite ein Portal rund um das Thema »Deutsch lernen« an. Dort ist es möglich, Deutsch auf verschiedenen Sprachniveaus und Ausgangssprachen mit interaktiven und multimedialen Angeboten zu lernen. Diese sind zum Beispiel langsam gesprochene Nachrichten aus dem deutschen Fernsehen oder interaktive Grammatikübungen. Eingeteilt sind die Sprachkurse in die Niveaustufen A1 bis C nach dem europäischen Referenzrahmen. Weiterhin gibt es auf der Seite Informationen über deutsche Bräuche und Traditionen sowie Artikel über Alltagsthemen, die den interessierten Personen helfen sollen, neben der Sprache auch die deutsche Kultur besser verstehen zu können.

Symbol: »Externer Link« (Pfeil, der aus einem Quadrat herauszeigt)

Deutsche Welle: Deutsch lernen (Deutsch)

Deutsche Welle: Deutsch lernen (Englisch)

Deutsche Welle: Deutsch lernen (Arabisch)

Politische Arbeit zu Flucht und Asyl

Flüchtlingsräte

Flüchtlingsräte sind in der Regel Zusammenschlüsse von Initiativen, Gruppen und Einzelpersonen, die sich ehrenamtlich mit Flüchtlingen und für Flüchtlinge engagieren. Sie sind lokal oder auf Landesebene organisiert. Sie setzen sich für die Rechte von Flüchtlingen und Menschen mit prekärem Aufenthalt ein. Dafür engagieren sie sich mit Kampagnen, Beratungsarbeit, konkreter Unterstützung von Geflüchteten wie auch durch eine kontinuierliche politische Arbeit. Sie beraten zu und informieren über gesetzliche wie politische Entscheidungen und Zusammenhänge und treten mit verschiedenen Aktionsformen gegen Rassismus ein. Die Landesflüchtlingsräte stellen in vielen Bundesländern ein Netzwerk von Asylarbeitskreisen, Flüchtlingsinitiativen und -räten, Selbstorganisationen und Einzelpersonen dar.

Pro Asyl

PRO ASYL ist eine zivilgesellschaftliche Menschenrechtsorganisation, die sich seit mehr als 25 Jahren für die Rechte verfolgter Menschen in Deutschland und Europa einsetzt. Ihr Anliegen ist eine demokratische und offene Gesellschaft, in der Flüchtlinge die Chance auf ein menschenwürdiges Leben haben. Neben Öffentlichkeitsarbeit, Recherchen und der Unterstützung von Initiativgruppen begleitet PRO ASYL Flüchtlinge in ihren Asylverfahren und steht ihnen mit konkreter Einzelfallhilfe zur Seite. Gemeinsam mit internationalen Partnern dokumentiert PRO ASYL die Menschenrechtsverletzungen gegen Flüchtlinge an Europas Außengrenzen und engagiert sich für eine menschliche Flüchtlingspolitik in Europa. Die Website von PRO ASYL bietet, Infos, Tipps, Kontakte und weiterführende Materialhinweise. Besondere Schwerpunkte sind »Abschiebungen verhindern«, »Gemeinsam gegen Rassismus« und »Flüchtlinge aufnehmen«.

Amadeu Antonio Stiftung

Die Amadeu Antonio Stiftung setzt sich ein für die Stärkung einer demokratischen Zivilgesellschaft, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Dazu unterstützt die Stiftung lokale Initiativen und Projekte in den Bereichen demokratische Jugendkultur, Schule, Opferschutz und Opferhilfe, kommunale Netzwerke sowie Hilfsangebote für Aussteigerinnen und Aussteiger aus der Naziszene. Mit dem Projekt »Willkommenskultur gestalten – Gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.« will die Stiftung vor allem die politische Bildung für eine zivile Willkommensgesellschaft stärken.

Robert Bosch Stiftung

2015 hat die Robert Bosch Stiftung eine Expertenkommission zur Neuausrichtung der Flüchtlingspolitik eingerichtet. In dieser Kommission haben Vertreter/innen von Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik zwischen März 2015 und Februar 2016 zusammengearbeitet. Der Abschlußbericht bündelt die Ergebnisse dieser Arbeit und enthält Handlungsempfehlungen zu den Themen Sprache, Bildung, Wohnen, Gesundheit, Arbeitsmarkt, Zugangsmöglichkeiten, Asylverfahren sowie Rückkehr und Abschiebung.