Kultur

Seite 2: Kultur und Engagement

Zum Kulturbegriff

Im Bericht der Enquetekommission des Deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland“ werden unterschiedliche Kulturbegriffe vorgestellt:

  • Kultur als Sinnressource Kunst, indem ästhetische Spielräume entstehen, in denen Menschen sich gestaltend und ohne den Druck ökonomischen oder sozialen Nutzens ausprobieren können.
  • Kulturelle Vielfalt, in der das Zusammenleben verschiedener symbolischer Äußerungsformen zu einer kulturell reicheren Lebensform in der Gesellschaft führt.
  • Kultur als Lebenskunst, die jedem als Raum und Projekt der Sinnsuche offen stehen sollte.

Eine solche gesellschaftspolitische Vision der Bedeutung von Kultur eröffnet auch den Raum für das vielfältige freiwillige, bürgerschaftliche Engagement.

Symbol: »Externer Link« (Pfeil, der aus einem Quadrat herauszeigt)

Stellungnahme vom Deutschen Kulturrat zu 10 Jahren Enquete-Kommission »Kultur in Deutschland« (2007 - 2017)

Herausforderungen und Initiativen

Die Verankerung von bürgerschaftlichem Engagement im Kulturbereich ist vielschichtig und nicht ohne Schwierigkeiten und Herausforderungen. So gibt es zwischen der großen Szene von Laienkultur und professionellem Künstlertum nicht nur Schnittstellen sondern auch ein deutliches Nebeneinander zwischen „Feierabend-Künstler/innen“ und Künstler/innen, die durch ihre Kunst ihren Lebensunterhalt verdienen. Dazu kommt, dass in dem finanziell oft prekären Markt Kultur häufig ein Manövrieren zwischen schwierigen Honorarbedingungen, aufwendigen Projektfinanzierungen und unbezahltem Engagement notwendig ist.

Ein weiteres Beispiel für die besondere Dynamik von Engagement im Kulturbereich: manche Kulturinitiativen sind aus einem ehrenamtlichen Engagement entstanden und haben die Institutionalisierung und finanzielle Absicherung mit bezahlten Stellen mühsam erkämpfen müssen. Die Sicherung hauptamtlicher Strukturen verdrängt dann teilweise das ursprünglich große freiwillige Engagement.
 
Gerade durch bürgerschaftliches Engagement, durch Projekte und Initiativen entstehen aber auch neue Ansätze und Wege, Kunst und Kultur lebendig zu halten und für alle zu öffnen.
Dazu gehören soziokulturelle Einrichtungen wie Kultur- oder Stadtteilzentren, in denen die kulturelle Bildung und die Kulturangebote in großer Selbstverständlichkeit neben eher sozialen Angeboten stehen. Auch im ländlichen Raum werden Projekte wie eine Kreativwerkstatt zu Orten des Engagements und der Gemeinwesenentwicklung. Oder auch herausragende Initiativen wie Kulturbusse oder Kulturlogen, die – ähnlich wie die Tafeln - mit viel freiwilligem Engagement die Teilhabe von Menschen mit geringem Einkommen ermöglichen. In Projekten wie „Keyworker“ oder „Kulturführerschein“ in NRW oder Bayern, nutzen vor allem Ältere ihre Kompetenzen dazu, andere, denen Kultur bisher fremd oder unzugänglich war, an Kunst und Kultur heranzuführen.