Inklusion

Seite 2: Bürgerschaftliches Engagement

Bürgerschaftliches Engagement

Bürgerschaftliches Engagement bietet auch den bislang »Engagementfernen« stets Möglichkeiten zur Teilhabe an der Gesellschaft. Damit dieses Postulat keine Absichtserklärung bleibt, müssen strukturelle und kulturelle Barrieren von Engagement bedacht und abgebaut werden. In diesem Bereich dominiert heute das Bildungsbürgertum vielfach die Formen der Teilhabe. Der Fokus liegt auf formal organisiertem Engagement in Vereinen, Verbänden und ähnlichen Organisationen. Hier existieren Funktionen und Rollen, die personell ausgefüllt werden müssen. Nicht jede/r kann sich in diese Strukturen einfügen. Der Zugang erfolgt oft über Ressourcen wie Erwerbsarbeit, Einkommen und Bildung, setzt also an einem anspruchsvollen Arbeits- und Leistungsideal an. Dies verunsichert Menschen ohne einen vergleichbaren biografischen Hintergrund und kann deren Engagement verhindern. Auf diese Weise reproduziert bürgerschaftliches Engagement soziale Ausgrenzung.

Strukturveränderungen und ein neuer Blick auf bürgerschaftliches Engagement sind nötig, um eine inklusive Herangehensweise zu ermöglichen und beeinträchtigte, benachteiligte, erwerbslose und sozial isolierte Menschen für Engagement zu gewinnen.

mittenmang

Das Projekt »mittenmang« verfolgt das Ziel, Engagement im Kontext der eigenen Lebensbewältigung zu organisieren. Es werden insbesondere »Rausgekickte« (z. B. sozial isolierte Langzeitarbeitslose) und »Stigmatisierte« (psychisch, körperlich oder kognitiv Beeinträchtigte) bei ihrem freiwilligen Engagement für andere unterstützt. Die Freiwilligen werden an den Engagement-Bereich herangeführt und übernehmen Aufgaben, die ihren individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten entsprechen. Durch diese Vorgehensweise wird der Defizit-Ansatz überwunden und stattdessen die vorhandenen Ressourcen der Freiwilligen in den Blick genommen. Außerdem werden die Engagierten mit ergänzender politischer Bildung in ihrer bürgerschaftlichen Identität und ihrem politischen Selbstbewusstsein gestärkt.

Selbstverständlich Freiwillig

Auch das Projekt »Selbstverständlich Freiwillig« des Diakonischen Werks Hamburg arbeitet daran, beeinträchtigte Menschen in Engagement zu bringen. Das Projektteam berät Freiwilligenagenturen und Freiwilligenmanager/innen in den Einsatzorten. Es lädt beeinträchtigte Menschen dazu ein, in Workshops auszuloten, ob und was an freiwilliger Tätigkeit zu ihnen passen könnte. Und es betreibt Öffentlichkeitsarbeit: z. B. mit dem Praxisleitfaden »Engagement von Menschen mit Behinderungen«. In diesem geben die Verantwortlichen ihre Erfahrungen mit dem Projekt weiter und stellen Fachkolleg/innen praxiserprobte Arbeitsmaterialien – teils in Leichter Sprache – zur Verfügung.

Projekte wie »mittenmang« und »Selbstverständlich Freiwillig« zeigen exemplarisch, dass beeinträchtigte und benachteiligte Menschen nicht nur Unterstützung im Alltag brauchen, sondern auch andere Menschen unterstützen und etwas für die Gesellschaft tun können. Sie kaufen für ältere Menschen ein, begleiten Bewohner/innen eines Pflegeheims zum Gottesdienst, sie gehen mit Hunden aus dem Tierheim spazieren, schenken beim Seniorennachmittag Kaffee aus, Lesen vor oder helfen bei Sportveranstaltungen. Sie engagieren sich bei örtlichen Tafeln oder Kleiderkammern, treten der Freiwilligen Feuerwehr bei, organisieren Ferienspiele für Kinder oder betätigen sich im Naturschutz.