Inklusion

Seite 1: Inklusion, UN-Behindertenrechtskonvention

Bürgerschaftliches Engagement und Bürgerbeteiligung gelten vielfach immer noch als Betätigungsfeld der gebildeten Mittelschicht. Vom Engagement für ausgegrenzte, diskriminierte und beeinträchtige Menschen hört man oft – als bürgerschaftlich Engagierte oder politisch Aktive werden behinderte und ausgegrenzte Menschen aber nur selten gesehen. Zudem bestehen strukturelle, materielle und kulturelle Barrieren für Engagement und Beteiligung von seelisch-erkrankten, lernbehinderten und sozial isoliert lebenden Menschen.

Inklusion als umfassendes Konzept hat die volle und gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen zum Ziel. Inklusion ist ein Gegenentwurf zu Marginalisierung und Ausgrenzung. Zentral ist der Gedanke, nicht Individuen an gesellschaftliche Strukturen anzupassen und zu einer »Normalisierung« zu zwingen, sondern gesellschaftliche Strukturen auf Verschiedenheit auszurichten und Differenz als Normalfall anzusehen (»anders ist jeder«). Damit geht Inklusion über Integration hinaus, da letztere weiterhin an Kategorisierungen festhält.

»Es ist normal, verschieden zu sein. […] Dass Behinderung nur als Verschiedenheit aufgefasst wird, das ist ein Ziel, um das es uns gehen muss. In der Wirklichkeit freilich ist Behinderung nach wie vor die Art von Verschiedenheit, die benachteiligt, ja die bestraft wird. Es ist eine schwere, aber notwendige, eine gemeinsame Aufgabe für uns alle, diese Benachteiligung zu überwinden.«

Richard von Weizsäcker (Rede am 1. Juli 1993)

Der Begriff Inklusion wird teilweise ausschließlich in Bezug auf Behinderung gebraucht, andere verstehen ihn im Hinblick auf kulturellen, ethnischen, sozialen oder materiellen Ausschluss insgesamt.
Im Folgenden stehen (allerdings nicht ausschließlich) das Engagement und die politische Beteiligung von behinderten Menschen im Fokus.

Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen

Die 2006 verabschiedete Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen schreibt fest, dass behinderte Menschen das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben haben. Davon nicht zu trennen ist das Menschenrecht auf gesellschaftliche Teilhabe. Die Konvention zielt somit auf die Selbstbestimmung in sozialen Bezügen. Wenn dieser Anspruch durch die Wechselwirkung zwischen individueller Beeinträchtigung und gesellschaftlicher Barrieren unterlaufen wird, kommt es zur »Behinderung«. Behinderung ist demnach die gesellschaftlich bedingte Einschränkung individueller Rechte.

Die Konvention fordert in allen Lebensbereichen – etwa zu Bildung, Arbeit, Gesundheit, Wohnen, Familie, Freizeit, Kultur, Freiheit und Sicherheit, Meinungsfreiheit und politischer Teilhabe – die Inklusion von behinderten Menschen. Bürgerschaftliches Engagement und politische Beteiligung sind Aspekte der gesellschaftlichen Teilhabe.

Deutschland ratifizierte die Konvention im Jahr 2009. Staatliche Stellen müssen nun einerseits das Diskriminierungsverbot einhalten. Andererseits hat der Staat sich verpflichtet, weitere Forderungen der Konvention wie den Ausbau eines inklusiven Bildungssystems schrittweise umzusetzen. Die Konvention besagt ebenfalls, dass behinderte Menschen aktiv an politischen Entscheidungen mitwirken sollen, insbesondere, wenn diese sie unmittelbar betreffen. Bislang erfolgt der Einbezug aber vielfach höchstens mittelbar über Interessenvetreter/innen.