Was Digitalisierung für gemeinnützige Organisationen bedeutet

Was Digitalisierung für gemeinnützige Organisationen bedeutet

So wichtig die Möglichkeiten sind, die sich durch den digitalen Wandel für den Dritten Sektor ergeben, so groß scheint auch die Herausforderung, die technischen Neuerungen in den Arbeitsalltag gemeinnütziger Organisationen zu implementieren. Erst wenn das Bewusstsein und der Wille vorhanden sind, Digitalisierung nicht nur als technisches, sondern auch als soziales und kulturelles Thema zu erfassen, kann eine Organisation digitale Chancen erkennen, planen und umsetzen. Denn: Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Es geht nicht darum, analoges durch digitales Engagement zu ersetzen, sondern die Gestaltung der Digitalisierung systematisch in die Gesamtstrategie der Organisation einzubetten. Wichtig ist, dass gemeinnützige Organisationen sich zunächst Gedanken über ihre Werte, Ziele und Zielgruppen machen, um darauf aufbauend jene digitalen Technologien in den Arbeitsalltag zu implementieren, die beim Erreichen dieser Werte und Ziele förderlich sind und sich an die Bedürfnisse der Zielgruppe anpassen. Bedarfsgerechte Digitalisierung knüpft an bestehende Praktiken, Gewohnheiten und Bedürfnisse der Nutzer/innen an und wird irgendwann zur Routine. Die Ansätze einer Weiterentwicklung durch Digitalisierung sind damit so individuell wie die Akteur/innen des Dritten Sektors; ein Standardverfahren, dass für alle Organisationen funktioniert, existiert nicht.

Der digitale Wandel auf instrumenteller und strategischer Ebene erfordert Expertise, Zeit und den Einsatz finanzieller Ressourcen, was für viele gemeinnützige Organisationen aufgrund knapper Budgets zur Herausforderung wird. Das heißt nicht, dass Organisationen alles selbst machen und können müssen. Vielmehr geht es darum, sich neuen Arbeitsweisen zu öffnen und sich mit anderen Akteur/innen zu vernetzen, die schon mehr Erfahrung mit digitalen Projekten haben. Es gilt, Kompetenzen im eigenen Haus systematisch aufzubauen und dabei intern Wissen auszutauschen und zugleich von Experten anderer Einrichtungen zu lernen. Lernräume können nicht nur innerhalb einer Organisation geschaffen werden; es bietet sich die Möglichkeit sich das Thema Digitalisierung gemeinsam, über Projekt- und Institutionsgrenzen hinweg zu erschließen und damit eine Kultur des Teilens zu etablieren. Die Bildung von strategischen Allianzen, die auch die Zivilgesellschaft mit einschließen, ermöglichen, dass kleine Partner/innen aus der netzpolitisch bereits aktiven Zivilgesellschaft ebenso wichtige Beiträge zur Digitalisierung leisten wie größere Organisationen, die vielleicht weniger Erfahrung, aber dafür mehr Ressourcen mitbringen. Lohnenswert kann auch die Zusammenarbeit mit Akteur/innen aus der Wirtschaft sein, die gesellschaftliche Probleme durch den Einsatz neuer Technologien unternehmerisch und mit dem Ziel nachhaltiger und skalierbarer Ansätze zu lösen versuchen.

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)

Einen Weg, wie sich Digitalisierungsprojekte auch mit geringen finanziellen Ressourcen umsetzen lassen, zeigt die Plattform youvo.org. Die Onlineplattform vernetzt gemeinnützige Organisationen, die Unterstützung bei der digitalen Umstellung brauchen, mit Studierenden und Professionellen aus dem Digital-, Kommunikations- und Designbereich, die auf diese Weise die Möglichkeit erhalten, gemeinnützige Organisationen in ihrem Wirken zu unterstützen (Olfe 2018).
www.youvo.org/

Über das IT-Portal »Stifter-helfen« erhalten gemeinnützige Organisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Produktspenden und Sonderkonditionen von derzeit über 40 Unternehmenspartnern.
www.stifter-helfen.de/

Die Website »D3 - So geht digital« ist ein Digital-Magazin mit Berichten, Reportagen, Videos, Interviews, Podcasts und Veranstaltungstipps für Vereine, Verbände, Initiativen und Social Start-ups, die den nächsten Schritt in Richtung Digitalisierung gehen wollen. Auf der Website, den dazugehörigen Social Media Kanälen und auf regelmäßigen Community-Events haben Engagierte die Möglichkeit, sich über ihre digitalen Strategien, Herausforderungen und Lösungen auszutauschen und sich gegenseitig voranzubringen.
www.so-geht-digital.de/