Appreciative Inquiry

Seite 2: Rahmenbedingungen, Bewertung

Organisatorische Rahmenbedingungen

Gruppengröße 1 bis ...

Appreciative Inquiry kann vom einzelnen Menschen über die Gruppe bis zur Großgruppe und bei ganzen, gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen eingesetzt werden. Denn AI besteht im Wesentlichen darin, wertschätzende, das Wertvolle herausschälende Fragen zu stellen. Der Umgang damit in den unterschiedlichsten Gruppengrößen ist eine Frage, wie ich die entsprechenden Informationen bzw. Geschichten erzeuge, verdichte und wieder verteile. Bei großen Gruppen spielen die methodischen und logistischen Elemente der Großgruppenverfahren eine wesentliche Rolle. Insgesamt hängt es aber immer von meinen Zielen ab, die ich verfolge – diesen muss sich die Prozessgestaltung unterordnen. Daher steht bei AI am Anfang immer eine sehr präzise Auftragsklärung, deren Ergebnis das Thema für den AI-Prozess ist, welches von Energie getragen wird.

Als Materialien kommen vor allem kreative Materialien zum Einsatz, die ein lebendiges Lernen unterstützen. Nutzen Sie Ihre bisherigen Instrumente und Materialien, mit denen Sie vertraut sind.

Wertschätzendes Lernen durch Verstehen, Visionieren, Verwirklichen

Für die entstehenden Kosten kann hier keine Pauschale angegeben werden, aber sie setzen sich wie bei anderen Entwicklungsprozessen zusammen aus Kosten für: Teilnehmer, Prozessbegleiter, Material, Räumlichkeiten, Verpflegung, Reise ...

Bei Großgruppen machen oft die Räumlichkeiten (2 – 3 m² pro Teilnehmer) und die Verpflegung den entscheidenden Anteil aus. Der Aufwand für einen AI-Prozess ist meistens etwas höher als für andere Prozesse. Dies liegt daran, dass im Vorfeld eine intensivere Vorbereitung erfolgt, da die Fragen für das Wertschätzende Interview und für den Prozess passend entwickelt werden müssen. Dafür sind die Ergebnisse aber umso nachhaltiger und von höherem Wert.

Die Prozessbegleiter sollten von ihrer Persönlichkeit her schon eine sehr wertschätzende Haltung mitbringen. Darüber hinaus ist es aber sehr wichtig, dass die Prozessbegleiter bereits einen AI-Prozess am eigenen Leib erlebt haben und durch ein AI-Training mit seinen speziellen Dynamiken vertraut sind.

Bewertung

Appreciative Inquiry lässt sich fast überall einsetzen, aber ich muss natürlich den Boden dafür bereitet haben. Fälschlicherweise wird AI fast immer mit einer positiven Sichtweise gleichgesetzt, so als würde AI das Negative ignorieren, doch das ist ein Trugschluss. Erstens spreche ich lieber von wertvollen anstatt positiven Dingen, da ein großer Unterschied zu dem sogenannten Positiven Denken besteht. AI geht viel tiefer und setzt bei den Wirkungsmechanismen an. Den negativen Dingen wird Raum gegeben, aber es wird nicht ständig nach ihnen gesucht.

Wenn man davon spricht, dass sich Appreciative Inquiry für alles einsetzen lässt, dann stimmt das zwar, funktioniert aber natürlich nur für das richtige Thema für diese Gruppe von Menschen. Denn das Thema muss Energie besitzen, ja sogar versprühen. Deshalb ist die Auftragsklärung zu Beginn eines AI-Prozesses so entscheidend.

Setzen Sie bereits bei Ihrer ersten Frage AI ein, und nicht erst nachdem Sie »die Fakten« geklärt haben. Wandel beginnt mit der ersten Frage, die wir stellen.

Das AI-Thema kann das ursprünglich vermutete Thema sein oder auch ein völlig anderes. Wenn Sie mit einem völlig falschen Thema in einen AI-Prozess gehen, wird es immer schwieriger und zäher, je weiter Sie im Prozess fortschreiten und je konkreter die Arbeit an dem Thema wird. Wenn Sie jedoch das richtige Thema mit Hilfe eines sehr allgemeinen AI-Prozesses gefunden haben, dann wird die Energie der Gruppe immer weiter ansteigen, je konkreter es in dem Prozess wird.

Es gibt auch Situationen, wo Sie AI nicht einsetzen können. Es sind Situationen, wo es keine Möglichkeit für eine gute Auftragsklärung mit den Beteiligten gibt oder wenn sich eine konkrete Erwartungshaltung aufgebaut hat. Wenn Sie diese in dem Moment nicht erfüllen, dann ist der ganze Prozess vorbei; erfüllen Sie sie aber, kann es sein, dass damit auch partizipative Ansätze auf längere Sicht nicht in Frage kommen.

AI lässt sich daher überall dort einsetzen, wo Sie die Offenheit und Unterstützung für den Einsatz von partizipativen Verfahren vorfinden. Sollten diese Freiräume eng sein, dann müssen Sie sehr genau einschätzen, wie weit Ihr Rahmen gesteckt ist, und innerhalb dieses Rahmens können Sie AI nutzen.

Ein Schwachpunkt von Appreciative Inquiry ist, dass es scheinbar mehr Zeit braucht für einen AI-Prozess. Die Teilnehmer glauben in den Workshops kaum, wenn man Ihnen sagt, dass Sie jetzt insgesamt zwei Stunden für ihre beiden Wertschätzenden Interviews Zeit haben. Wenn Sie dann zurückkommen, hört man fast immer, dass die Zeit viel zu knapp war und die ein oder andere Gruppe gar nur ein Interview geschafft hat.

»Wenn Du der Schnellste sein willst, dann gehe langsam.«

Die besonderen Stärken von AI wurden ja bereits bei den Zielen beschrieben, jedoch sollte man nochmals hervorheben, dass es sich gerade in besonders schwierigen Situationen als höchst hilfreich erwiesen hat, wieder Land zu gewinnen, die Menschen zusammenzubringen und die Zukunft anzupacken.

Symbol: »Autor« (ein stilisierter Füllfederhalter)

Walter Bruck
Menschenorientierte Unternehmensentwicklung
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