Planungszelle

Seite 3: Schwachstellen, Aufwand, Kosten, Ergänzungsmöglichkeiten

Mögliche Schwachstellen und Grenzen

Wo viel Licht ist, ist gewöhnlich auch Schatten. Dies gilt auch für das Verfahren Planungszellen. Schwachstellen liegen vor allem in den hohen Kosten der Durchführung sowie in der Exklusivität der Teilnahme.

Vergleichsweise aufwändig

Aufwändig sind nicht nur die berufliche Freistellung der Teilnehmer/innen und die Aufwandsentschädigung, sondern auch die erforderlichen Rahmenbedingungen: Planungszellen bedürfen intensiver organisatorischer und inhaltlicher Vorbereitungen. Dazu gehören die Projektkonzeption, die Programmphase für Entwicklung von Ablaufprogramm, Methodik und Arbeitsmaterialien sowie Einladungsverfahren und eine Testphase zur Programmoptimierung.
Für die Durchführungsphase sind qualifizierte Tagungsteams erforderlich. Nicht zuletzt wegen der großen Datenmenge darf die Dauer der Auswertungsphase nicht zu niedrig angesetzt werden. Insgesamt ist bei größeren Projekten daher mit einer Gesamtzeitdauer von bis zu einem Jahr zu rechnen.

Kosten müssen in Relation gesetzt werden

Die vergleichsweise hohen Kosten werden relativiert, wenn man sie in Relation zu den Gesamtkosten von Planungen und ihrer Durchführung oder zu den Ausgaben für andere, nicht selten stark interessengeleitete sog. Experten-Gutachten setzt. Ebenso müssen ihre möglichen positiven Effekte in Rechnung gestellt werden, wie z. B. die Verhinderung und Ersparnis an den Menschen vorbei entstandener Fehlplanungen.

Da sein potenzieller Nutzen aber nicht so transparent und leicht quantifizierbar ist wie seine Kosten, wird der Einsatz des Verfahrens vermutlich auch in Zukunft eher auf größere Planungsprojekte beschränkt bleiben.

Ergänzung durch offene Beteiligungsangebote

Die Exklusivität der Teilnahme – d. h. das Problem, dass bei Planungszellen Teilnahmechancen nur an Personen vergeben werden, die im Zufallsverfahren ausgewählt wurden – kann vermindert werden, wenn komplementär zu ihnen andere offene Beteiligungsmöglichkeiten angeboten werden, wie sie teilweise auch in diesem Band vorgestellt werden. Dies kann sowohl parallel als auch integrativ erfolgen.
Empfehlenswert ist zudem, dass möglichst alle im jeweiligen Themenbereich engagierten Bürgergruppen und Interessen bereits im Vorfeld an der Programmplanung der Planungszellen beteiligt werden und ein pluralistisch zusammengesetzter Beirat gebildet wird, der eine faire Durchführung sicherstellt. Während der Durchführung der Planungszellen hat sich sehr bewährt, dass Betroffenen- oder Stadtteilgruppen ihre Vorstellungen in Form von user panels einbringen. Gleiches ist für die Ergebnisse von zuvor durchgeführten Zukunftswerkstätten oder anderen Beteiligungsformen möglich.

Symbol: »Literaturtipp« (ein stilisiertes geöffnetes Buch)

Dienel, Peter C.: Die Planungszelle. Opladen 1997 (4. Auflage).