Planungswerkstatt

Seite 2: Werkstatt-Termin(e), Arbeit am Modell, Präsentation, Chancen & Grenzen

Werkstatt-Termin(e)

Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob ein Werkstatt-Termin ausreicht oder ob ggf. mehrere Termine sinnvoll sind. So hat beispielsweise die Planungswerkstatt für ein ehemaliges Industriegebiet (750 ha) in den Städten Recklinghausen und Herten eine Woche gedauert. In dieser Zeit fanden drei öffentliche Veranstaltungen statt. Die Notwendigkeit für einen solchen, etwas aufwendigeren Prozess, kann gegeben sein, wenn die Aufgabenstellung komplex ist oder es sehr gegensätzliche Interessen gibt.

Bei einem ersten Termin wurden in diesem Fall die Interessen der Grundeigentümer im Rahmen einer »Talkrunde« dargestellt. Im weiteren Verlauf haben die Bürgerinnen und Bürger und die Multiplikatoren gute Ideen für die Gestaltung der Fläche gesammelt, ohne diese zu verräumlichen. Es ging darum, zunächst einmal eine Vielzahl von gewünschten Qualitäten und Ideen zu sammeln und Prioritäten zu bilden. Erst im weiteren Werkstattprozess wurden die Ideen dann gemeinsam mit Landschaftsarchitekten in Form von Leitbildern und konkreten Maßnahmen auf die Fläche projiziert. Die Trennung von Ideensammlung, Bewertung und Übertragung auf den Raum bewährte sich. Die Praxis in solchen komplexen Planungssituationen zeigt: Überspringt man die ersten Schritte, zeigen sich die Konflikte und Interessengegensätze erst bei der Arbeit an Plänen und Skizzen. Eine konstruktive Erarbeitung von Planungsvarianten ist dann viel schwieriger.

Sind die Rahmenbedingungen z.B. durch politische oder räumliche Vorgaben sehr klar, genügt in den meisten Fällen ein Werkstatt-Termin. Man wird jedoch auch hier nicht darum herum kommen, die Diskussion um gewünschte Qualitäten zu führen. So wurde beispielsweise bei einer Planungswerkstatt in Soest, bei der eine innenstadtnahe Fläche im Mittelpunkt der Betrachtung stand, vor der eigentlichen Entwurfsarbeit folgenden Fragen in Kleingruppen nachgegangen: Was sind Qualitäten der Lage? Was soll die Bebauung bewirken? Was darf auf keinen Fall entstehen? Welche Ideen gibt es schon? Die Ergebnisse bildeten eine wesentliche Grundlage für die nachfolgende Entwurfsarbeit.

Die Arbeit mit Plänen und am Modell

Die Umsetzung von Ideen in planerische Skizzen oder Modellvarianten ist ein kreativer Prozess, in dem ein wenig Chaos erlaubt oder sogar erwünscht ist. Man stelle sich einen großen (am besten hellen und lichtdurchfluteten) Raum vor, in dem – je nach Teilnehmerzahl und Aufgabenstellung – 1 bis x große Tische stehen. Auf den Tischen liegen Pläne in verschiedenen Maßstäben, Skizzenpapier und bunte, grobe Stifte. Optimalerweise stehen daneben ein oder zwei Pinnwände, an welche Pläne, Zwischenergebnisse etc. gepinnt werden können.

Eine kostenaufwendigere Variante ist die Arbeit an einem Modell. So standen beispielsweise bei den Mieterwerkstätten in einer Arbeitersiedlung in Essen-Katernberg die Mieterinnen und Mieter rund um ein 1 x 1 Meter großes Modell ihres Quartiers und probierten gemeinsam mit den Planern in Form von kleinen Holzhäusern verschiedene Bebauungsvarianten aus, deren Vor- und Nachteile gemeinsam erörtert wurden. Die Planer haben in dieser Phase eine sehr wichtige Aufgabe. Sie sollten die Ideen der Bürger aufgreifen und diese bei der Darstellung im Modell oder in Form einer Skizze unterstützen. Die Bürgerinnen und Bürger haben meistens eine große Scheu, die Stifte selbst in die Hand zu nehmen. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, die Bürgerinnen und Bürger einerseits zum Visualisieren zu ermutigen und zum anderen Ideen für sie als Dienstleister zu visualisieren.

Die Moderation hat die Aufgabe, den Prozess durch gezieltes Nachfragen zu unterstützen und zwischen Planern und Bürgern zu vermitteln. Eine wichtige Aufgabe ist z.B. die Visualisierung von Vor- und Nachteilen von Planungsvarianten.

Präsentation

Die Ergebnisse des Entwurfsprozesses sind für einen Außenstehenden in der Regel nicht auf den ersten Blick zu erfassen und zu verstehen. Da gibt es verschiedene Planungsskizzen zu unterschiedlichen Themen. Da wurden Modellvarianten mit Vor- und Nachteilen erarbeitet, die dann fotografisch festgehalten wurden. Sind die Ergebnisse durch eine entsprechende Visualisierung der Moderation und der Planer gut strukturiert, kann eine abschließende Präsentation der Ergebnisse am Ende des Werkstatt-Termins und eine Darlegung der weiteren Vorgehensweise ausreichen.

In vielen Fällen empfiehlt sich jedoch ein nachgeschalteter Präsentationstermin. So wurden den Mieterinnen und Mietern in Essen Katernberg beispielsweise ca. eine Woche nach dem Werkstatt-Termin die Ergebnisse – planerisch aufbereitet – präsentiert. Sie hatten an diesem Termin noch einmal die Möglichkeit, inhaltliche Anmerkungen und Ergänzungen zu machen.

Chancen

  • Das Ideenspektrum der Planer wird um die Ideen bzw. die konkreten Ortskenntnisse von Bürgerinnen und Bürgern bzw. Multiplikatoren erweitert.
  • Die Interessen und Ideen der Beteiligten werden in räumliche Planungsvarianten »gegossen«. Diese bilden eine gute Grundlage für weitere Entscheidungsprozesse (z. B. Bebauungsplanverfahren).
  • Das Verständnis der Bürger für planerische Fragestellungen und öffentliche Interessen wird geschärft und die Akzeptanz für die Planungen erhöht.

Grenzen

  • Die Planungswerkstatt ist kein Instrument zur Konfliktlösung. Sie muss in diesem Fall um entsprechende Methoden (Interessenanalyse, Runder Tisch) ergänzt werden.
  • Bürgerinnen und Bürger sind keine Planer. Das Ergebnis einer Planungswerkstatt sind keine qualitativ hochwertigen, abgewogenen Pläne, sondern Ideenskizzen, Varianten etc., die in einen weiteren Bearbeitungs- und Entscheidungsprozess einfließen.
  • Der Dialog zwischen Planern und Bürgern gestaltet sich manchmal schwierig. Die verständliche Darstellung von Planungsaspekten ohne »Fachchinesisch«, das Eingehen auf die Interessen und Ideen der Bürger – beides sind große Herausforderungen.

Fazit

Eine Planungswerkstatt bietet den Raum für gemeinsame Lernprozesse zwischen Planern, Bürgern und anderen Beteiligten. Produkt sind qualitativ gute und von den wesentlichen Akteuren gemeinsam getragene Lösungen, die weitere Entscheidungsprozesse verkürzen und erleichtern.

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Bianca Bendisch
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