Kompetenzwerkstatt

Seite 2: Methode, Anwendungsfelder, Ziele, Organisation, Bewertung

Individuelle Maßnahmeplanung und Abschluss

Zum Abschluss der Kompetenzgruppe folgt die individuelle Maßnahmeplanung. Dazu fragen die Moderator/innen - moderationsgestützt - jedes einzelne Kind/jeden einzelnen Jugendlichen nach seinen Bedürfnissen und Wünschen, wie sie sich weiter mit den Kompetenzen beschäftigen wollen. Die Antworten und Äußerungen werden in eine noch offen gelassene Spalte in der Kennenlernmatrix notiert. Leitfragen für die Maßnahmenplanung können sein:

  • »Was möchtest du jetzt gerne weiter machen?«
  • »Wo möchtest du das machen?«
  • »Was willst du noch lernen?«
  • »Wer ist verantwortlich (für die Realisierung)?«

Bei der vierten Frage kommen die Akteure, Institutionen und Einrichtungen des Sozialraums und aus dem örtlichen Umfeld ins Spiel. Auf der Grundlage der Absprachen mit den Kindern und Jugendlichen werden mit den Ressourcen die erforderlichen Angebote, Leistungen und Produkte vereinbart. Es wird geklärt, wie die individuelle Entwicklung der Kompetenzen für die konkret benennbaren Kinder und Jugendlichen umzusetzen ist und welche Ergebnisse innerhalb eines definierten Zeitraumes erwartet werden.
Es empfiehlt sich, die Kompetenzgruppenarbeit in ein die jungen Menschen aktivierendes Rahmenprogramm einzubetten. So können z.B. auf einem vorausgehenden »Markt der Möglichkeiten« die angebotenen Kompetenzfelder vorgestellt werden und im Anschluss an die Kompetenzgruppen kann eine Abschlusspräsentation durchgeführt werden.
Die Moderator/innen sollten darauf achten, die Teilnehmer/innen mit komplettem Namen zu erfassen und deren Adressen vorliegen zu haben. Nur so können sie anschließend wieder persönlich angesprochen und eingeladen werden, wenn es konkrete Umsetzungsangebote gibt.

Anschlussprozess

Die Sicherung von Maßnahmen, mit denen die Ergebnisse der Kompetenzgruppen umgesetzt werden, kann z.B. im Rahmen einer Veranstaltung stattfinden, an der alle Akteure des Sozialraums teilnehmen – z.B. eine Sozialraumkonferenz. Dabei ist abzustimmen, welche Leistungen und Produkte aus den vorhandenen lokalen Ressourcen abgedeckt werden können und wofür evtl. Mittel (des Sozialraumbudgets) zusätzlich bereitgestellt werden müssen.
Für das Kontraktmanagement empfiehlt es sich, eine koordinierende Stelle einzurichten; ein geeigneter Koordinator kann auch die Jugendhilfeplanung sein. Denn mit den Trägern müssen Vereinbarungen getroffen werden, die eine Verbindlichkeit und die Realisierung sicherstellen. Mit jedem Leistungsanbieter ist dazu ein Kontrakt zu schließen, der präzise quantitative und qualitative Ziele definiert sowie den zeitlichen Rahmen festlegt. Jeder Leistungsanbieter übernimmt Verantwortung dafür, dass eine bestimmte Zahl von Kindern oder Jugendlichen, die an der Kompetenzwerkstatt teilgenommen haben, gezielte Angebote zur Entwicklung ihrer Fähigkeiten bekommen. Die Vereinbarungen müssen überprüfbar sein und die Ergebnisse müssen dokumentiert werden. Die Zielerreichung der getroffenen Kontrakte wird während und nach Abschluss zeitlich definierter Maßnahmenphasen durch ein Lenkungsgremium und durch die Sozialraumkonferenz evaluiert.

Anwendungsfelder

Anwendungsfelder sind sozialraumorientierte Jugendhilfeplanung, Jugendberufshilfe oder berufliche Frühförderung für Kinder und Jugendliche in sozial prekären Wohnquartieren.

Ziele

  • Erstellung einer lokalen Bedarfs- und Potenzialanalyse unter intensiver Beteiligung der Kinder und Jugendlichen;
  • Grund­legung programmatischer Projektansätze unter aktiver Mitwirkung aller Träger und Institutionen im Sozialraum;
  • Verknüpfung bestehender oder geplanter Maßnahmen der Jugendhilfe mit Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes und der Förderung sozialer Infrastruktur;
  • Entwicklung von Handlungsansätzen für die Jugendhilfeplanung;
  • bedarfs- und zielgruppengerechte Konzeption und Installation von Maßnahmen;
  • Kompetenzpotenziale für Qualifizierungsmaßnahmen der Kinder und Jugend­lichen im Sozialraum aufzeigen

Organisatorische Rahmenbedingungen

Für die Durchführung der Kompetenzgruppen sollten mindestens 2 bis 2,5 Stunden eingeplant werden. Die Anzahl der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen in den Kompetenzgruppen sollte zwölf nicht übersteigen. Für die Arbeit in den Kompetenzgruppen werden die klassischen Moderationsmaterialien benötigt: je zwei Pinnwände, Pinnwand- oder Packpapier, Moderationskarten (je Teilnehmer/in ca. elf Stück), Pinnnadeln, Filzstifte.

Bewertung

In einem kleinen Raum tummeln sich fünf Personen vor einem Laptop. Der Blick auf den Bildschirm entlockt einigen ein Lächeln.

Die Methode ist geeignet, um in einem Gruppenrahmen die individuellen Kompetenzen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu erheben und somit auch einen Prozess der Selbstreflexion bei den Kindern und Jugendlichen darüber auszulösen, was sie können und was sie können möchten. Jede/r Teilnehmer/in wird in die Gruppe einbezogen und kann seine/ihre Bedürfnisse äußern. Den jungen Menschen wird auf diese Weise Respekt entgegengebracht und verdeutlicht, dass ihre Kompetenzen ernst genommen werden. In Folge der sozialräumlichen Ausrichtung der Methode »Kompetenzwerkstatt« zeigen sich Wirkungen nicht nur auf der individuellen Ebene der Teilnehmer/innen, sondern auch auf der Ebene des Sozialraums als Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen.

Bei der Vorbereitung und Planung der Kompetenzgruppen muss jedoch berücksichtigt werden, dass jüngere Kinder unter Umständen nicht in der Lage sind, ihre Antworten schriftlich festzuhalten. Hier können beispielsweise die Moderator/innen hilfreich zur Seite stehen und die Beschriftung der Karten übernehmen oder die Kinder können malen, was sie ausdrücken möchten. Ebenso muss auf Teilnehmer/innen Rücksicht genommen werden, die Schwierigkeiten beim Schreiben oder mit der deutschen Sprache haben.

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Prof. Herbert Schubert
Sandra Nüß
Holger Spieckermann
Fachhochschule Köln
Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften
Forschungsschwerpunkt Sozial+Raum+Management
Mainzer Straße 5
D-50678 Köln
Telefon (02 21) 82 75-39 35
E-Mail: herbert.schubert@dvz.fh-koeln.de
www.sozial-raum-management.de