Kompetenzwerkstatt

Seite 1: Einführung, Methode

Die Kompetenzwerkstatt stellt ein neues Beteiligungsmodell dar, mit dem die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen erstens direkt ermittelt, zweitens in personenbezogene Bedarfsgrößen umgewandelt werden können und das drittens nicht bei den Defiziten, sondern bei den Fähigkeiten und Interessen von jungen Menschen ansetzt. Darüber hinaus hat es den Charakter eines neuen Handlungsmodells, mit dem über die Entwicklung von Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen auch Impulse für das Wohnquartier als deren Lern- und Erfahrungsraum gegeben werden können. Es eignet sich besonders für die Jugendhilfeplanung, sozialräumliche Entwicklungen anzustoßen und ziel- oder ergebnisorientiert so zu steuern, dass die Tiefenschärfe bis auf die Wirkungsebene einzelner Kinder und Jugendlicher reicht.

Durch ein moderationsgestütztes Beteiligungsverfahren werden die Kompetenzen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in einem Sozialraum individuell erfasst. Auf dieser Grundlage werden mit den Kindern und Jugendlichen Vereinbarungen getroffen, wie ihre Kompetenzen individuell gefördert werden können. In den sich dabei herauskristallisierenden Lösungsansätzen werden die alltäglichen Lebenserfahrungen, die vorhandenen Ressourcen im Wohnquartier oder im Stadtteil und die Möglichkeiten der örtlichen Institutionen und Einrichtungen berücksichtigt und einbezogen.

Die Beteiligung erfolgt in themenbezogenen Kompetenzgruppen. Sie bestehen aus den Elementen:

(a) Kennen lernen und Abfrage von Kompetenzen und Erfahrungen,
(b) eine von sogenannten »Kompetenzrepräsentanten« angeleitete Mitmachaktion,
(c) individuelle Maßnahmeplanung und Abschluss.

Jedes Element dauert ca. 45 Minuten. Die einzelnen Gruppen werden von jeweils zwei Moderator/innen verantwortlich geleitet und moderiert. Mit klassischen Moderationsmethoden (Metaplan), die auf die Möglichkeiten von Kindern und Jugendlichen zugeschnitten sind, wird ein Kommunikationsprozess initiiert, um die Kompetenzen und Erfahrungen der Kinder bzw. Jugendlichen systematisch zu erfassen und Anknüpfungspunkte für deren individuelle Entwicklung zu finden.

In dem mittleren praktischen Mitmachteil – angeleitet durch eine/n so genannten »Kompetenzrepräsentantin/en« – sollen die Teilnehmer/innen ihre Fähigkeiten in einem speziellen Kompetenzfeld erkennen und überprüfen, inwieweit vorhandenes Interesse an einem Kompetenzbereich sich auch im praktischen Tun manifestiert. Bei den Kompetenzrepräsentant/innen handelt es sich um Personen, die über Fähig- und Fertigkeiten in einem spezifischen Kompetenzbereich verfügen. Sie sind in dem Kompetenzfeld beruflich aktiv, haben oftmals ihr Interesse oder Hobby zum Beruf gemacht und können eine Vorbildfunktion für die jeweils anzusprechende Zielgruppe übernehmen.

Im abschließenden Ergebnisteil werden die Probleme erörtert, die einzelne Kinder und Jugendliche hindern können, ihre Kompetenzen im Rahmen von Veranstaltungen, Angeboten, Maßnahmen etc. zu entwickeln. Im Anschluss daran wird ein Maßnahmenplan formuliert, der die individuellen Interessen und Möglichkeiten jedes/r Teilnehmers/in berücksichtigt. Dazu stehen Akteure aus dem Sozialraum oder dem örtlichen Umfeld – sogenannte »Ressourcen« – bereit. Es handelt sich beispielsweise um Akteure von im Sozialraum tätigen sozialen Trägern, Institutionen und Einrichtungen oder um Ehrenamtliche – z.B. von örtlichen Vereinen – oder auch um lokale Gewerbetreibende, die ihr Geschäft für die Interessen der Kinder und Jugendlichen öffnen (z.B. Autoreparaturwerkstatt mit Möglichkeiten der Eigenarbeit). Sie machen den Kindern und Jugendlichen Angebote, in denen die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Kompetenzbereichs eingeübt und zu individuellem Können verfeinert werden können. Danach werden zwischen den Kindern und Jugendlichen auf der einen Seite und den Ressourcen auf der anderen Seite Vereinbarungen geschlossen: Im Sinne eines informellen »Kontrakts« versprechen die Ressourcen, für das erforderliche Angebot zu sorgen und die Kinder oder Jugendlichen erklären ihre aktive, verlässliche Mitwirkung.

Methode

Die Durchführung der Kompetenzgruppen beruht auf dem folgenden methodischen Ansatz:

Kennen lernen und Abfrage von Kompetenzen und Erfahrungen

Nach einem spielerischen Einstieg wird jedes Kind oder jeder Jugendliche mit dem kompletten Namen und Alter in einer an einer Stellwand visualisierten Kennenlernmatrix erfasst. Anschließend geben die Moderator/innen die Regeln des Umgangs miteinander bekannt und formulieren die Ziele der Kompetenzgruppe. Im Rahmen einer Gruppenarbeit werden im Anschluss daran themenbezogen die Kompetenzen und Erfahrungen der Teilnehmer/innen unter folgenden Fragestellungen abgefragt:

  • »Was machst du (in dem jeweiligen Kompetenzbereich)?«
  • »Wo machst du das?«
  • »Was gefällt dir daran?«
  • »Was möchtest du gern mehr darüber wissen?«

 

Die Kinder und Jugendlichen beschriften dazu Moderationskarten und kleben diese auf ein auf dem Boden liegendes Moderationspapier. Die Modera­tor/innen und gegebenenfalls auch die Kompetenzrepräsentanten und Ressourcen unterstützen und motivieren die Teilnehmer/innen dabei.

Mitmachaktion

Mit Ende der Gruppenarbeit übergeben die Moderator/innen an den/die Kompetenzrepräsentanten/in und eröffnen damit die Mitmachaktion. Ziel dieses Praxisteils ist es, den Kindern und Jugendlichen die Thematik des jeweiligen Kompetenzfeldes über praktische Übungen näher zu bringen und ihnen die Fähigkeiten des Kompetenzbereichs bewusst und erfahrbar zu machen. Die Anleitung und Durchführung der Mitmachaktion ist Aufgabe der Kompetenzrepräsentant/innen.