Gemeinsinn-Werkstatt

Seite 2: Voraussetzungen und Erkenntnisse
Sechs Männer sitzen in einem hellen Raum an einem Tisch. Einer von ihnen spricht und gestikuliert mit einer Hand.

Die Evaluationen, die wir in allen Fällen unterschiedlich aufwendig gestalteten, zeigten ausnahmslos eine Zunahme von Kontaktaufbau, Informationsfluss und intensivierter Zusammenarbeit. Immer, wenn das Thema unter den Nägeln brannte und die Kontakte schrittweise aufgebaut wurden, bewirkte es hohes Interesse, freiwillige Beteiligung und Engagement. Die Synergie, die entstand, wirkte sich sowohl während der Gemeinsinn-Werkstatt unter den Beteiligten als auch darüber hinaus positiv aus.

Die größte Herausforderung war die hohe Eigenständigkeit bei der Auswahl und Gestaltung von eigenen Interessen und Vorhaben. Da keine Referenten eingeladen werden, sondern alle Beteiligten als »Experten für das gemeinsame Anliegen« angesehen werden, kommt es zu ungeahnten Erfahrungen bei der »Kommunikation auf Augenhöhe«. Der Rektor unterhielt sich angeregt mit seinen Studenten, der Bürgermeister konnte von einer Migrantin ganz ungeschminkt von ihrer Situation in der gemeinsamen Stadt erfahren, die Jugendvertreterin organisierte mit dem Bildungsreferenten ein Seminarprogramm...

In vielen Fällen erhielten wir auch den Hinweis, dass nicht nur die positiven Erkenntnisse, sondern auch einige der angewendeten Methoden in den eigenen Arbeitsalltag eingeflossen sind. Beteiligte waren fasziniert von der neuen »Freiheit« in diesen Gemeinsinn-Werkstätten. Sie wollten mehr über die Verfahren und ihren Aufbau wissen. Zum Teil tauchten sie dann auch bei Treffen des »Gemeinsinn-Begleit-Netzwerks« oder als Hospitanten bei den Modellwerkstätten auf.

Eine große Runde sitzt auf Stühlen zusammen. Zwei Männer stehen an einem Ende der Runde und verweisen auf etwas, das sich außerhalb des Ausschnitts der Fotografie befindet.

Das »Gemeinsinn-Begleit-Netzwerk« ist bundesweite Kontaktbörse, Beratungs- und Fortbildungsnetzwerk zugleich. Von hochkarätigen Beratern, interkulturellen Trainern, erfahrenen Veranstaltern und Wissenschaftlern über Moderatoren, Multiplikatoren aller Couleur bis hin zu Studenten und an Hospitation interessierten Kollegen – weiblich und männlich, jung und alt, erfahren und unerfahren – ist alles vertreten.
Allen gemeinsam ist die Orientierung der Arbeit an den im Gemeinsinn-Werkstatt-Konzept formulierten Leitsätzen, den im Methoden-Baukasten beschriebenen Prozessverläufen und Verfahren sowie am kollegialen Austausch über das Internet.
Wenn also ein/e »Initiator/in« das dringende Anliegen verspürt, sich in Zusammenhang mit Motivation, Beteiligung oder Vernetzung beraten zu lassen, wendet sie oder er sich an das Projekt Gemeinsinn und wird dort angemessene Unterstützung bekommen. Ob dann ein komplettes Gemeinsinn-Werkstatt-Projekt, daraus abgeleitete Verfahren oder ganz andere Verfahren empfohlen werden, wird durch ein Klärungsgespräch erörtert.

Gute Voraussetzungen für eine Gemeinsinn-Werkstatt sind:

  • ein brennendes handlungsorientiertes Anliegen mehrerer Menschen, die Gemeinsinn hervorbringen möchten;
  • ein komplexes Thema, zu dem noch keine »Patent«-Lösungen feststehen;
  • der Wunsch, sich mit anderen auf den Weg zu machen, um voneinander zu lernen, miteinander zu arbeiten und sich füreinander einzusetzen;
  • erste Vorstellungen, mit welchen Visionen und unter welchen Rahmenbedingungen dieser Prozess angegangen werden kann;
  • eine ergebnisoffene Haltung der Initiatoren, um der Gemeinsinn-Entwicklung zum konkretisierten Thema Raum zu geben;
  • die kompetente Begleitung durch einen Berater, der auf das Gemeinsinn-Begleit-Netzwerk zurückgreifen kann.

Die Umsetzungsbedingungen können sich nach den Ressourcen und den Wünschen der Beteiligten richten. Dabei sind wir immer wieder überrascht, wie viele Potenziale erst im Verlauf des Prozesses in Erscheinung treten.
Die Prozessbegleitung von Gemeinsinn-Werkstätten richtet sich nach Standards und Empfehlungen, die in der mehrjährigen Entwicklungsphase zwischen Theorie und Praxis entstanden sind. Dennoch befindet sie sich in einem weiterlaufenden Entwicklungsprozess, der durch ein Open-Source-System über das Internet und regelmäßige Treffen an unterschiedlichen Orten im deutschsprachigen Raum ermöglicht wird. Hier bietet sich die Plattform für die gemeinsame Gestaltung und Optimierung von Verfahren und Konzepten. Die fruchtbare Zusammenarbeit von konkreter Anwendung mit wissenschaftlicher Vertiefung ist dabei Markenzeichen des Projekts Gemeinsinn.
Die Flexibilität des Ansatzes ermöglicht die Anpassung an unterschiedliche Initiatoren-Bedürfnisse und benötigt im Gegenzug intensiven Austausch bei der Gestaltung von Prozessen. Der Beteiligungsansatz erlaubt aber gleichzeitig eine vielfältige Delegation von Aufgaben, wodurch auch die Kosten für das professionelle Begleit-Team reduziert werden können.
Die Prozessbegleitung von Gemeinsinn-Werkstätten zeichnet sich weiter aus durch

  • die Recherche weltweit bewährter Methoden,
  • die interdisziplinäre Entwicklung durch ein Team hochmotivierter Berater, Wissenschaftler und Bildungsexperten,
  • die Kombination und Weiterentwicklung effektiver und innovativer Konzeptionen und Methodenansätze,
  • ein im Aufbau befindliches Netzwerk kompetenter Berater, Moderatoren und Multiplikatoren im deutschsprachigen Raum,
  • Qualitätssicherung durch Konzepte, Fortbildung und kollegialen Austausch der empfohlenen Begleitpersonen.
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Netzwerk Gemeinsinn e.V.
Wolfgang Fänderl
Englschalkinger Str. 166
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http://netzwerk-gemeinsinn.org/

Fänderl, Wolfgang: Beteiligung übers Reden hinaus (25/2009), pdf