Planungsprozesse initiieren und gestaltend begleiten

Modell eines Stadtviertels

Bürgerschaftliche Engagement verstärkt sich, nicht zuletzt in Fragen der Gestaltung des unmittelbaren Lebensraumes. Es trifft aber auch auf größere Offenheit von Politik und Verwaltung zur Beteiligung der Bürger und Bürgerinnen gerade an konkreten Planungen auf lokaler Ebene. Dabei kommt es oft zu schwer überbrückbaren Gegensätzen zwischen bürgerschaftlicher Betroffenheit und administrativem Expertentum. Die folgenden Beteiligungsmodelle, von der Anwaltsplanung bis zu den Stadtteilforen, versuchen diese Kluft zu überbrücken, Beteiligung zu professionalisieren, sie aber auch als wertvolle Ressource politischer Planungsprozesse fortzuentwickeln.

  • Das Konzept der Anwaltsplanung sieht vor, insbesondere artikulationsschwache oder sozial benachteiligte Bewohnergruppen bei der Wahrnehmung ihrer Interessen zu unterstützen. Zu diesem Zweck werden ihnen in Planungsfragen erfahrene Fachleute (»Bürgeranwälte«) zur Seite gestellt, die sie beraten und ihnen bei der Vertretung ihrer Interessen in kommunalen und staatlichen Gremien helfen.

  • Wodurch entsteht die Motivation zu freiwilligem Engagement? Eine Motivation, die nicht von außen gesteuert ist, dennoch andere zu begeistern vermag, häufig genug Frustration erfährt und trotzdem zu faszinierenden Ergebnissen führen kann? Beteiligung und Vernetzung nach diesen intrinsischen Mo(tiva)toren auszurichten ist Ziel der »Gemeinsinn-Werkstatt«.

  • GWA als Arbeitsprinzip professioneller Sozialarbeit zielt auf die Verbesserung von Lebensbedingungen in benachteiligten Wohnquartieren unter tätiger Mithilfe der dortigen Wohnbevölkerung. Dies geschieht u.a. durch Aktionsformen wie Haustürgespräche, aktivierende Befragungen, Versammlungen, Öffentlichkeitsaktionen und die Begleitung von möglichst selbständig arbeitenden Bewohnergruppen.

  • Die Kompetenzwerkstatt stellt ein neues Beteiligungsmodell dar, mit dem die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen erstens direkt ermittelt, zweitens in personenbezogene Bedarfsgrößen umgewandelt werden können und das drittens nicht an den Defiziten, sondern bei den Fähigkeiten und Interessen von jungen Menschen ansetzt. Es sollen auch Impulse für das Wohnquartier als Lern- und Erfahrungsraum gegeben werden.

  • Besteht die Notwendigkeit, sich über ein Projekt der Stadtentwicklung mit allen Betroffenen und Interessensgruppen zu einigen? Das ist eine gute Voraussetzung für eine Perspektivenwerkstatt, ein konsensorientiertes Verfahren zur integrativen Stadtentwicklung. Unter dem Namen »Community Planning Weekend« wird im englischsprachigen Raum seit Jahrzehnten mit Fachleuten und Betroffenen vor Ort gemeinsam an Lösungsideen gearbeitet.

  • Planning for real ist ein gemeinwesenorientiertes und mobilisierendes Planungsverfahren. Im deutschen Sprachgebrauch kann es übersetzt werden mit »Aktiv für den Ort«, »Nehmen wir unseren Ort in die eigenen Hände« oder »Planung von unten«. Planning for real hat das Ziel, die Beteiligungsmöglichkeiten von Bewohner/innen bei der Entwicklung und Verbesserung ihres Stadtteils oder ihrer Region zu erweitern und zu fördern.

  • Wer eine politische Aktion vorbereitet, hat das »Kapital« der eigenen Beweggründe, Verbündeten und der gemeinsamen Stärken. Das ist immer nur die eine Seite. Die andere Seite ist das gesellschaftspolitische Umfeld, in der die Aktion geschehen soll. Schon vor der Aktion können wenigstens einige Aspekte dieser Komplexität bewusst gemacht und eingeschätzt werden, indem die Situation gespielt wird.

  • Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern zu planerischen Fragestellungen – wie kann man diese Aufgabe in der Praxis gestalten? Die Planungswerkstatt bietet dazu einen guten methodischen Rahmen. Eine Planungswerkstatt bewährt sich dann, wenn mit ihrer Hilfe die Ziele für eine konkrete (planerische) Fragestellung erreicht werden. Einzelne methodische Bausteine werden hier beschrieben.

  • Das Verfahren Planungszelle bzw. Bürgergutachten stellt einen besonders wirksamen Ansatz zur Überwindung der »klassischen« Probleme der Bürgerbeteiligung dar: geringe Resonanz, fehlende Informiertheit, Oberflächlichkeit, soziale Selektivität, Dominanz organisationsstarker Interessen, Engagement erst bei Betroffenheit und oft zu spät, kaum mehr überbrückbare Meinungsunterschiede.

  • Bürgerforen bestehen aus 20-25 Personen, die nach dem Zufallsprinzip aus der Bevölkerung gezogen und über einen Zeitraum von mehreren Tagen, Wochen oder Monaten zu bestimmten politisch bedeutsamen Fragen Stellung nehmen sollen. Das Auswahlverfahren nach dem Zufallsprinzip analog zur Meinungsforschung stellt sicher, dass jede/r Bürger/in die gleiche statistische Chance erhält, an dem Diskurs aktiv teilzunehmen.

  • Der Wunsch nach Beteiligung, nach Diskussion und Handeln in der Stadt ist vor allem dann präsent, wenn wir von Entscheidungen direkt betroffen sind und wenn wir die Situation vor Ort gut kennen – dieser Ort unseren Lebensmittelpunkt darstellt. Das Projekt »Stadtteilforen« ist ein Versuch, einen Diskussions- und Handlungszusammenhang von Bürgerinnen und Bürgern in den Stadtteilen zu etablieren.