Participatory Rapid Appraisal (PRA)

Seite 3: Ziele, Anwendung, Gruppengröße, Materialien, Kosten, Kompetenzen

Ziele

Je nach PRA-Projekt unterscheiden und überschneiden sich die Ziele:

a) Evaluation

Eine PRA ist gut geeignet, einen abgelaufenen Prozess zu evaluieren. Die Auswirkungen eines Veränderungsprozesses auf die Menschen mit seinen Erfolgen und enttäuschten Hoffnungen lassen sich authentisch und in seiner ganzen Vielfalt erfassen.

b) Handlungsoptionen für die Zukunft und realisierbare Vorhaben.

Eine Stärke eines PRA-Projektes ist, beste Handlungsoptionen für die Zukunft aufzudecken, authentisch, aus dem Munde der Betroffenen. Ein Ergebnis dieser einen Woche ist eine Liste realisierbarer Vorhaben.

c) Energie für gemeinsame Projektarbeit

Eine PRA-Erhebung verändert die Stimmung unter den Betroffenen zum Positiven. Beim Gespräch am Küchentisch ist auch Thema: »Was können wir verändern?« Die sog. Einflusskartoffel macht Chancen und Grenzen deutlich. Die eigenen Anfragen an die gegenwärtige Situation werden gehört und öffentlich. Die Möglichkeit, über die gemeinsame Zukunft zu sprechen, setzt Energie für gemeinsame Projektarbeit frei.

d) Seelsorgerliche Aspekte

Im Zentrum einer PRA steht nicht der seelsorgerliche Aspekt, den die so genannten Küchentisch-Gespräche je nach Zielgruppe mehr oder weniger haben. Menschen, die etwas auf dem Herzen haben, nutzen jedoch diese unerwartete Gelegenheit, »auszupacken«. Das tut ihnen in der Regel gut, aber die Interviewer/innen brauchen dafür Ressourcen, um angemessen reagieren und diese Inhalte verarbeiten zu können. Soweit die Beschreibung der Projektwoche. Jetzt folgen die Anwendungsfelder für PRA, die organisatorischen Rahmenbedingungen, die Bewertung und einige Hinweise.

Die Methode ist mit entsprechenden Anpassungen für sehr vielfältige Gebiete geeignet. PRA kommt aus der ländlichen Entwicklungsarbeit, vielfach angewendet bei Menschen auf der südlichen Halbkugel, die weder schreiben noch lesen können.  Es hat sich gezeigt, dass PRA an europäische Verhältnisse und Fragestellungen angepasst werden kann. Es bleiben aber zwei grundsätzliche Voraussetzungen bestehen:

  • die zu befragenden Menschen müssen in einem gut erreichbaren (Wohn-)Raum leben und
  • das Projekt sollte einen klar definierten Untersuchungsgegenstand oder Auftrag haben. Die zu befragenden Menschen müssen eine Gemeinsamkeit haben, sonst machen die Ergebnisse keinen Sinn.

Die PRA kann einen Prozess vorbereiten oder eine Entwicklung abschließen (Evaluation), in jedem Fall wird sie Teil eines Ganzen, weil die Woche ihre Spuren hinterlässt als Initialzündung, als Stärkung des Gesamtprozesses oder als Auswertung.

Gruppengröße, Materialien, Kosten, Kompetenzen

Eine PRA erfordert eine hohe Identifikation der Leitung und des Teams mit dem Projekt, da das »rapid« in PRA mit einer sehr intensiven Woche »bezahlt« wird. Auch die Abende werden benötigt, um im moderierten Gespräch die z. T. ergreifenden Interviews zu verarbeiten und die vielen Fragen zu diskutieren, die mit dieser Methode aufgeworfen werden (Repräsentativität, politische Wirksamkeit u. a.).
Wenn z.B. Studierende als Interviewer/innen gewonnen werden können bzw. deren Professor/innen das Projekt in ihr Curriculum einbauen, dann ist der Seminar-Schein relativ schnell »verdient«, unter Umständen braucht es eine Aufwandsentschädigung.
Die Vorbereitung der Projektwoche kann eine Person bewerkstelligen, wenn das Projekt in einem guten Netzwerk eingebunden ist. Dazu ist gute Vorarbeit vor Ort von Ortskundigen zu leisten: öffentliche Aufmerksamkeit und Akzeptanz aufbauen, Ansprache und Auswahl der zu Befragenden, räumliche Voraussetzungen und die Versorgung des Teams, Logistik zu den Gesprächsterminen, u. a.
Für die zweitägige Schulung wird eine Person benötigt, die vorher in einer PRA-Woche in der Leitung mitgewirkt hat, da es nicht nur um eine technische Einführung geht, sondern auch eine Vielzahl von weitergehenden Fragen aufgeworfen wird und Moderations- und Kommunikationskompetenzen vorhanden sein müssen.
Die Gruppengröße des Teams sollte 14 Personen nicht unterschreiten. In zweieinhalb Tagen kann ein/e Interviewer/in nicht mehr als fünf Gespräche leisten. Für ein »rundes Ergebnis« benötigt man mindestens 350 Karten (einschließlich Doppelungen und nicht verwertbarer Karten). Bei mehr als 20 Interviewer/innen ist die Logistik schwieriger.
Für 40 Gespräche wird die doppelte Anzahl von Interviewpartner/innen der Zielgruppe gebraucht, um etwas Zufallsauswahl zu ermöglichen und um Absagen ausgleichen zu können. Falls es sich um eine vielschichtige Zielgruppe handelt, sollte beachtet werden, dass alle Untergruppen repräsentiert sind (z. B. PRA »Frauenklinik«: aktive und krank ausgeschiedene Krankenschwestern und -pfleger, mit und ohne Leitungsaufgaben, verschiedene Abteilungen/Fachgebiete usw.).

Die Projektleitung muss die ganze Woche ansprechbar und vorbereitet sein

  • auf psychische Probleme, die in den Gesprächen ein Eingreifen erfordern (Trauer, Aggressivität, Suizidideen o. ä.),
  • auf logistische Probleme (Hausnummer nicht auffindbar, Autopannen usw.) und
  • Motivationshilfen geben, wenn die Abschlusspräsentation näher rückt und »alles« noch nicht fertig ist.

Evtl. benötigt das Team für die Woche eine Unterkunft, auf alle Fälle einen Gruppenraum und Mahlzeiten (gute Versorgung ist wichtig für das Gelingen!). Für die Vorbereitung der Präsentation der Ergebnisse und für die Veranstaltung wird ein gut erreichbarer und ausreichend großer Raum benötigt. Mindestens 15 Metaplan-Wände werden an den letzten beiden Tagen benötigt.
Eine Dokumentation der Projektwoche ist wichtiger Bestandteil der Arbeit. Unmittelbar in das Projekt sind relativ wenige Menschen einbezogen. Die Vermittlung der herausgearbeiteten Vorschläge, Problemanzeigen, Fragen und Projektideen ist die eigentliche Erfüllung des Auftrags. Eine gute (digitale) Kamera hält wichtige Stationen und vor allem die Plakatwände fest. In der Dokumentation kommen die Auftraggeber zu Wort, die Methode und die Ergebnisse werden vorgestellt und der Anhang mit Pressespiegel, Kontaktadressen und Links beschließt die Broschüre. Digitale Druckereien ermöglichen Kleinstauflagen in Farbe. Als pdf-Dokument im Internet wird die Projekt-Dokumentation für alle zugänglich.
Die Kosten sind sehr projektabhängig: Welche Ressourcen sind vor Ort vorhanden, fallen z. B. Mieten für Räume und Metaplan-Wände an? Wie weit muss zu den Gesprächen gefahren werden? Auf alle Fälle entstehen Kosten für Projektleitung, Moderationsmaterial, Aufwandsentschädigung, Verpflegung und Dokumentation.