Participatory Rapid Appraisal (PRA)

Seite 2: Ablauf, Instrumente und Werkzeuge

3. Ablauf

Nach dem Schulungswochenende beginnt die Projektwoche am Montagvormittag je nach Untersuchungsgegenstand mit einer Ortsbegehung oder Querschnittswanderung. Für Montagnachmittag sind die ersten Gespräche vereinbart. Je eine Interviewerin und ein Interviewer gehen, wenn nichts anderes vereinbart ist, zu den Menschen nach Hause. Bei etwa 18 Interviewer/innen finden damit acht Gespräche je Gesprächstermin statt, insgesamt (Mo-Mi) ca. 40 Gespräche. Als Ergebnis liegen durchschnittlich zehn Karten pro Gespräch vor. Es werden 400 Karten in der »Schatzkiste« gesammelt.
Donnerstagvormittag beginnt die Aufarbeitung der Gespräche: Die unterschiedlichen Kärtchen werden unter ca. sieben Oberthemen zusammengefasst. Diese Begrenzung ist notwendig, um die Übersichtlichkeit zu erhalten. Die Oberthemen ergeben sich in einem längeren Diskussionsprozess aus der Analyse der Protokollkarten und einem weiteren methodischen Zwischenschritt. Diesen sieben Oberthemen werden alle 400 Kärtchen zugeordnet und nach Unterschwerpunkten geclustert. Das Ergebnis sind sog. Strukturwände. Jeweils zwei aus dem Team widmen sich anschließend einem Thema, mit dem Ziel, es so aufzuarbeiten, dass ein Schaubild in Pinnwandformat entsteht. Die Plakatwände sollten so gestaltet sein, dass sie auch ohne große Erklärung für sich sprechen. Immer näher rückt der Freitagabend, zu dem alle Menschen eingeladen sind, die am Projekt Interesse haben: die Befragten, die Auftraggeber und Gäste. Bis kurz vor Beginn der Präsentation werden die einzelnen Schritte der Veranstaltung entwickelt und geprobt.
Parallel findet eine Pressekonferenz statt, auf der die Projektverantwortlichen Hintergrundinformationen zum Projekt darstellen.
Die Abendveranstaltung ist ein abwechslungsreiches Programm. Das Team stellt unterhaltsam und kreativ, z.B. in Sketchen, die Ergebnisse der PRA-Erhebung dar. Die großen Plakate finden großes Interesse und werden einzeln vorgestellt. Nach der Präsentation werden die Gäste zur Diskussion an den Plakaten eingeladen und es ergeben sich intensive Gespräche.

4. Instrumente und Werkzeuge

Johari-Fenster - Einzelwissen, kollektives Wissen – Tabus, blinde Flecken, Unbewußtes

a) Ortsbegehung

Die Interview-Phase beginnt mit einer »Ortsbegehung« oder »Querschnittswanderung«, falls es sich um einen größeren Ort/eine Region handelt.

b) Halbstrukturiertes Interview

Die Interviews sind Gespräche am Küchentisch, kein Ausfragen der Interviewten. Als Grundlage dient ein Gesprächsleitfaden, der im halbstrukturierten Interview eingesetzt wird. Das bedeutet, die aufgeführten Themen müssen angesprochen und die Fragen beantwortet werden. Die Reihenfolge spielt eine untergeordnete Rolle. Diesen Leitfaden müssen die Interviewer/innen verinnerlicht haben. Beim Gespräch liegt er nicht auf dem Küchentisch.

c) Gespräche am Küchentisch

Wenn möglich, finden die Interviews bei den zu Befragenden zu Hause statt. Das schafft eine Atmosphäre der Sicherheit und das Gespräch wird unmittelbarer als an einem »neutralen« Ort. Auch die »Störungen« wie Telefon, Kinder oder Haustiere können als hilfreiche Ergänzungen einbezogen werden.

d) Gespräche mit Gruppen

Auch Gespräche mit mehreren Menschen können ein sinnvolles Instrument sein. Solche Sitzungen fließen wie ein Gespräch in den Kartenpool ein. Voraussetzung ist ein gemeinsames Thema dieser Gruppe. Bei der Frage nach der Zukunft eines Dorfes bietet es sich beispielsweise an, eine Schulklasse, die Gruppe der Landwirte oder der ausländischen MitbürgerInnen zu interviewen oder eine Zukunftswerkstatt durchzuführen. Das Ergebnis umfasst auch hier etwa zwölf Karten.

e) Interessiertes Nachfragen

Das Ziel bei den Interviews ist es, auch Informationen zu erhalten, die den Befragten nicht unmittelbar bewusst sind oder deren Bedeutung sie gering schätzen und daher nicht äußern. Tabus und blinde Flecken sind aufzudecken oder zumindest zu identifizieren. Das berühmte Johari-Fenster (s.o.) verdeutlicht dies.

Verändern – gemeinsam verändern – Rahmenbedingungen akzeptieren

f) Spiegeln des Erlebten, Gehörten, Gesehenen

Das Thema der Woche ist auch Kommunikation: Wie erhalte ich Kontakt zur Gesprächspartnerin? Wie erkenne ich eigene Wertungen? Wie gehe ich sicher, dass ich richtig verstanden habe? In Rollenspielen wird am Schulungswochenende das »Aktive Zuhören« geübt. Dabei geht es um die Bedeutung der non-verbalen Kommunikation, um das Vermeiden von »Verfolger-Fragen«, um das Spiegeln des Gehörten und um das Einbeziehen der Gefühlsebene.