Participatory Rapid Appraisal (PRA)

Die Abkürzung PRA steht für Participatory Rapid Appraisal, was frei übersetzt soviel wie »Schnelle Erhebung/Befragung mit Bürgerbeteiligung/ Partizipation« oder »in kurzer Zeit gemeinsame Projektideen erarbeiten« heißt. Im Kern einer PRA steht die Befragung und Beteiligung der Zielgruppe mit Hilfe von so genannten »Küchentischgesprächen«, die nach Bedarf durch Anwendung weiterer Methoden der Informationsbeschaffung und Datengewinnung ergänzt wird. Für die Gespräche wird ein spezifischer Leitfaden entwickelt.

Wesentliche Einzelschritte sind

  • die Schulung der Interviewer/innen
  • die Auswahl von Gesprächspartner/innen für die Befragung
  • die Analyse der Gespräche und die Aufarbeitung mittels der Moderationstechnik Metaplan und schließlich
  • die Präsentation der gewonnen Ergebnisse.

Diese Schritte des Projekts benötigen sieben Tage: Es beginnt mit einem Schulungswochenende für die Interviewer/innen und endet mit der Ergebnispräsentation am unmittelbar darauf folgenden Freitag.
Die folgende Beschreibung einer Projektwoche gliedert sich in die Abschnitte:

  • Grundeinstellungen und Prinzipien
  • Vorgehen
  • Ablauf
  • Instrumente und Werkzeuge
  • Ziele

1. Grundeinstellungen und Prinzipien

Die Kompaktheit einer PRA-Projektwoche führt zu einer hohen Intensität der Arbeit. Grundeinstellungen und Prinzipien der Methode müssen klar sein.
Die beiden »Parteien«, die bei einer Befragung aufeinandertreffen, sind die Betroffenen und die »Outsider«. Die zu befragenden Personen sind die Expert/innen für ihre Belange und wissen in der Regel genug, um ihre Probleme eigenständig zu lösen. Die Befragenden sind die Lernenden, die mit möglichst wenig Wissen über die Zielgruppe oder über die konkreten Fragestellungen, Hoffnungen oder Probleme in die Gespräche gehen. Die eigenen Bilder der Interviewer/innen sind nicht hilfreich für eine offene Aufnahme der Inhalte der Interviews. Das Ergebnis sollten nicht die Bilder sein, die der Interviewer oder die Interviewerin im Kopf hat, sondern es geht um die authentische Aufnahme der Gesprächsinhalte. Die Interviewer/innen sollten über eine »optimale Unwissenheit« verfügen.

Die Interviews liefern umfangreiches Material. Viele Tonbänder und Berge von Protokollen könnten damit gefüllt werden. Was von diesen Informationen soll bewahrt werden? Um das entscheiden zu können, werden die Interviewer/innen geschult in »angepasster Ungenauigkeit« im Umgang mit den Gesprächinhalten. Sie müssen unmittelbar nach den Interviews die Informationen auf Metaplan-Karten verdichten. Aber dazu später mehr.

2. Vorgehen

a) Wahrnehmungsfilter bewusst umgehen

Wie können die Wahrnehmungsfilter, die wir uns alle als notwendige Orientierungshilfe erworben haben, bewusst umgangen werden? Dazu sollte die Gruppe der Interviewer/innen zunächst ein möglichst großes Spektrum an unterschiedlichen Hintergründen mitbringen:

  • Das Team der Interviewer/innen sollte aus verschiedenen Fachrichtungen stammen, um eine Vielfalt der Perspektiven zu gewährleisten (interdisziplinäres Team).
  • Das Gespräch wird immer durch zwei Interviewer unterschiedlichen Geschlechts geführt. So kommt die weibliche und die männliche Sichtweise zur Geltung.
  • Die Paare werden für jedes Gespräch neu gemischt, damit sich die Teams nicht zu gut aufeinander einspielen können und Routine nicht den Blickwinkel einengt.

b) Halbstrukturiertes Vorgehen

Nicht nur die Interviews, sondern das gesamte Vorgehen in einer Projektwoche ist halbstrukturiert. D. h. es gibt einen Plan oder Leitfaden für die Woche, mit dem undogmatisch umgegangen wird, denn die Menschen stehen im Vordergrund, nicht das Prinzip. An den drei Interview-Tagen sind die Abende reserviert für das Gespräch in der Runde und den Austausch über die Interviews.

c) Aufarbeitung vor Ort

Direkt nach dem Gespräch setzt sich das Interview-Team an einen ruhigen Ort, um das Gespräch auszuwerten. Dabei wird alles festgehalten, was von dem Gespräch in den weiteren Prozess des Projektes einfließt. Die wichtigsten Aussagen der Befragten werden auf Metaplan-Karten festgehalten:

  • grüne Karten: Chancen, Möglichkeiten, Wünsche
  • gelbe Karten: Fragen, Probleme
  • blaue Karten: Vorschläge, konkrete Projektideen
  • rosa Karten: verrückte Ideen (nach diesen wird ausdrücklich gefragt!)

Insgesamt sollten als Protokoll nicht mehr als 12 Karten geschrieben werden und alle vier Farben sollten nach Möglichkeit vertreten sein. Auf jeder Karte steht nur ein Begriff bzw. eine Aussage.

d) kurze Projektzeit: »rapid«

Die Kompaktheit des Projekts fordert das intensive Einlassen des beteiligten Teams. Eine Woche steht PRA auf der Tagesordnung und kaum etwas anderes hat daneben noch Zeit. In der Auswertungsphase (Donnerstag und Freitag) sind die Interviews vom Montag bis Mittwoch noch präsent. Dabei fließen nicht nur harte Fakten ein, sondern auch Eindrücke und Gefühle, die bei der Wiedergabe nicht verloren gehen dürfen (Authentizität).

3. Ablauf

Nach dem Schulungswochenende beginnt die Projektwoche am Montagvormittag je nach Untersuchungsgegenstand mit einer Ortsbegehung oder Querschnittswanderung. Für Montagnachmittag sind die ersten Gespräche vereinbart. Je eine Interviewerin und ein Interviewer gehen, wenn nichts anderes vereinbart ist, zu den Menschen nach Hause. Bei etwa 18 Interviewer/innen finden damit acht Gespräche je Gesprächstermin statt, insgesamt (Mo-Mi) ca. 40 Gespräche. Als Ergebnis liegen durchschnittlich zehn Karten pro Gespräch vor. Es werden 400 Karten in der »Schatzkiste« gesammelt.
Donnerstagvormittag beginnt die Aufarbeitung der Gespräche: Die unterschiedlichen Kärtchen werden unter ca. sieben Oberthemen zusammengefasst. Diese Begrenzung ist notwendig, um die Übersichtlichkeit zu erhalten. Die Oberthemen ergeben sich in einem längeren Diskussionsprozess aus der Analyse der Protokollkarten und einem weiteren methodischen Zwischenschritt. Diesen sieben Oberthemen werden alle 400 Kärtchen zugeordnet und nach Unterschwerpunkten geclustert. Das Ergebnis sind sog. Strukturwände. Jeweils zwei aus dem Team widmen sich anschließend einem Thema, mit dem Ziel, es so aufzuarbeiten, dass ein Schaubild in Pinnwandformat entsteht. Die Plakatwände sollten so gestaltet sein, dass sie auch ohne große Erklärung für sich sprechen. Immer näher rückt der Freitagabend, zu dem alle Menschen eingeladen sind, die am Projekt Interesse haben: die Befragten, die Auftraggeber und Gäste. Bis kurz vor Beginn der Präsentation werden die einzelnen Schritte der Veranstaltung entwickelt und geprobt.
Parallel findet eine Pressekonferenz statt, auf der die Projektverantwortlichen Hintergrundinformationen zum Projekt darstellen.
Die Abendveranstaltung ist ein abwechslungsreiches Programm. Das Team stellt unterhaltsam und kreativ, z.B. in Sketchen, die Ergebnisse der PRA-Erhebung dar. Die großen Plakate finden großes Interesse und werden einzeln vorgestellt. Nach der Präsentation werden die Gäste zur Diskussion an den Plakaten eingeladen und es ergeben sich intensive Gespräche.

4. Instrumente und Werkzeuge

Johari-Fenster - Einzelwissen, kollektives Wissen – Tabus, blinde Flecken, Unbewußtes

a) Ortsbegehung

Die Interview-Phase beginnt mit einer »Ortsbegehung« oder »Querschnittswanderung«, falls es sich um einen größeren Ort/eine Region handelt.

b) Halbstrukturiertes Interview

Die Interviews sind Gespräche am Küchentisch, kein Ausfragen der Interviewten. Als Grundlage dient ein Gesprächsleitfaden, der im halbstrukturierten Interview eingesetzt wird. Das bedeutet, die aufgeführten Themen müssen angesprochen und die Fragen beantwortet werden. Die Reihenfolge spielt eine untergeordnete Rolle. Diesen Leitfaden müssen die Interviewer/innen verinnerlicht haben. Beim Gespräch liegt er nicht auf dem Küchentisch.

c) Gespräche am Küchentisch

Wenn möglich, finden die Interviews bei den zu Befragenden zu Hause statt. Das schafft eine Atmosphäre der Sicherheit und das Gespräch wird unmittelbarer als an einem »neutralen« Ort. Auch die »Störungen« wie Telefon, Kinder oder Haustiere können als hilfreiche Ergänzungen einbezogen werden.

d) Gespräche mit Gruppen

Auch Gespräche mit mehreren Menschen können ein sinnvolles Instrument sein. Solche Sitzungen fließen wie ein Gespräch in den Kartenpool ein. Voraussetzung ist ein gemeinsames Thema dieser Gruppe. Bei der Frage nach der Zukunft eines Dorfes bietet es sich beispielsweise an, eine Schulklasse, die Gruppe der Landwirte oder der ausländischen MitbürgerInnen zu interviewen oder eine Zukunftswerkstatt durchzuführen. Das Ergebnis umfasst auch hier etwa zwölf Karten.

e) Interessiertes Nachfragen

Das Ziel bei den Interviews ist es, auch Informationen zu erhalten, die den Befragten nicht unmittelbar bewusst sind oder deren Bedeutung sie gering schätzen und daher nicht äußern. Tabus und blinde Flecken sind aufzudecken oder zumindest zu identifizieren. Das berühmte Johari-Fenster (s.o.) verdeutlicht dies.

Verändern – gemeinsam verändern – Rahmenbedingungen akzeptieren

f) Spiegeln des Erlebten, Gehörten, Gesehenen

Das Thema der Woche ist auch Kommunikation: Wie erhalte ich Kontakt zur Gesprächspartnerin? Wie erkenne ich eigene Wertungen? Wie gehe ich sicher, dass ich richtig verstanden habe? In Rollenspielen wird am Schulungswochenende das »Aktive Zuhören« geübt. Dabei geht es um die Bedeutung der non-verbalen Kommunikation, um das Vermeiden von »Verfolger-Fragen«, um das Spiegeln des Gehörten und um das Einbeziehen der Gefühlsebene.

Ziele

Je nach PRA-Projekt unterscheiden und überschneiden sich die Ziele:

a) Evaluation

Eine PRA ist gut geeignet, einen abgelaufenen Prozess zu evaluieren. Die Auswirkungen eines Veränderungsprozesses auf die Menschen mit seinen Erfolgen und enttäuschten Hoffnungen lassen sich authentisch und in seiner ganzen Vielfalt erfassen.

b) Handlungsoptionen für die Zukunft und realisierbare Vorhaben.

Eine Stärke eines PRA-Projektes ist, beste Handlungsoptionen für die Zukunft aufzudecken, authentisch, aus dem Munde der Betroffenen. Ein Ergebnis dieser einen Woche ist eine Liste realisierbarer Vorhaben.

c) Energie für gemeinsame Projektarbeit

Eine PRA-Erhebung verändert die Stimmung unter den Betroffenen zum Positiven. Beim Gespräch am Küchentisch ist auch Thema: »Was können wir verändern?« Die sog. Einflusskartoffel macht Chancen und Grenzen deutlich. Die eigenen Anfragen an die gegenwärtige Situation werden gehört und öffentlich. Die Möglichkeit, über die gemeinsame Zukunft zu sprechen, setzt Energie für gemeinsame Projektarbeit frei.

d) Seelsorgerliche Aspekte

Im Zentrum einer PRA steht nicht der seelsorgerliche Aspekt, den die so genannten Küchentisch-Gespräche je nach Zielgruppe mehr oder weniger haben. Menschen, die etwas auf dem Herzen haben, nutzen jedoch diese unerwartete Gelegenheit, »auszupacken«. Das tut ihnen in der Regel gut, aber die Interviewer/innen brauchen dafür Ressourcen, um angemessen reagieren und diese Inhalte verarbeiten zu können. Soweit die Beschreibung der Projektwoche. Jetzt folgen die Anwendungsfelder für PRA, die organisatorischen Rahmenbedingungen, die Bewertung und einige Hinweise.

Die Methode ist mit entsprechenden Anpassungen für sehr vielfältige Gebiete geeignet. PRA kommt aus der ländlichen Entwicklungsarbeit, vielfach angewendet bei Menschen auf der südlichen Halbkugel, die weder schreiben noch lesen können.  Es hat sich gezeigt, dass PRA an europäische Verhältnisse und Fragestellungen angepasst werden kann. Es bleiben aber zwei grundsätzliche Voraussetzungen bestehen:

  • die zu befragenden Menschen müssen in einem gut erreichbaren (Wohn-)Raum leben und
  • das Projekt sollte einen klar definierten Untersuchungsgegenstand oder Auftrag haben. Die zu befragenden Menschen müssen eine Gemeinsamkeit haben, sonst machen die Ergebnisse keinen Sinn.

Die PRA kann einen Prozess vorbereiten oder eine Entwicklung abschließen (Evaluation), in jedem Fall wird sie Teil eines Ganzen, weil die Woche ihre Spuren hinterlässt als Initialzündung, als Stärkung des Gesamtprozesses oder als Auswertung.

Gruppengröße, Materialien, Kosten, Kompetenzen

Eine PRA erfordert eine hohe Identifikation der Leitung und des Teams mit dem Projekt, da das »rapid« in PRA mit einer sehr intensiven Woche »bezahlt« wird. Auch die Abende werden benötigt, um im moderierten Gespräch die z. T. ergreifenden Interviews zu verarbeiten und die vielen Fragen zu diskutieren, die mit dieser Methode aufgeworfen werden (Repräsentativität, politische Wirksamkeit u. a.).
Wenn z.B. Studierende als Interviewer/innen gewonnen werden können bzw. deren Professor/innen das Projekt in ihr Curriculum einbauen, dann ist der Seminar-Schein relativ schnell »verdient«, unter Umständen braucht es eine Aufwandsentschädigung.
Die Vorbereitung der Projektwoche kann eine Person bewerkstelligen, wenn das Projekt in einem guten Netzwerk eingebunden ist. Dazu ist gute Vorarbeit vor Ort von Ortskundigen zu leisten: öffentliche Aufmerksamkeit und Akzeptanz aufbauen, Ansprache und Auswahl der zu Befragenden, räumliche Voraussetzungen und die Versorgung des Teams, Logistik zu den Gesprächsterminen, u. a.
Für die zweitägige Schulung wird eine Person benötigt, die vorher in einer PRA-Woche in der Leitung mitgewirkt hat, da es nicht nur um eine technische Einführung geht, sondern auch eine Vielzahl von weitergehenden Fragen aufgeworfen wird und Moderations- und Kommunikationskompetenzen vorhanden sein müssen.
Die Gruppengröße des Teams sollte 14 Personen nicht unterschreiten. In zweieinhalb Tagen kann ein/e Interviewer/in nicht mehr als fünf Gespräche leisten. Für ein »rundes Ergebnis« benötigt man mindestens 350 Karten (einschließlich Doppelungen und nicht verwertbarer Karten). Bei mehr als 20 Interviewer/innen ist die Logistik schwieriger.
Für 40 Gespräche wird die doppelte Anzahl von Interviewpartner/innen der Zielgruppe gebraucht, um etwas Zufallsauswahl zu ermöglichen und um Absagen ausgleichen zu können. Falls es sich um eine vielschichtige Zielgruppe handelt, sollte beachtet werden, dass alle Untergruppen repräsentiert sind (z. B. PRA »Frauenklinik«: aktive und krank ausgeschiedene Krankenschwestern und -pfleger, mit und ohne Leitungsaufgaben, verschiedene Abteilungen/Fachgebiete usw.).

Die Projektleitung muss die ganze Woche ansprechbar und vorbereitet sein

  • auf psychische Probleme, die in den Gesprächen ein Eingreifen erfordern (Trauer, Aggressivität, Suizidideen o. ä.),
  • auf logistische Probleme (Hausnummer nicht auffindbar, Autopannen usw.) und
  • Motivationshilfen geben, wenn die Abschlusspräsentation näher rückt und »alles« noch nicht fertig ist.

Evtl. benötigt das Team für die Woche eine Unterkunft, auf alle Fälle einen Gruppenraum und Mahlzeiten (gute Versorgung ist wichtig für das Gelingen!). Für die Vorbereitung der Präsentation der Ergebnisse und für die Veranstaltung wird ein gut erreichbarer und ausreichend großer Raum benötigt. Mindestens 15 Metaplan-Wände werden an den letzten beiden Tagen benötigt.
Eine Dokumentation der Projektwoche ist wichtiger Bestandteil der Arbeit. Unmittelbar in das Projekt sind relativ wenige Menschen einbezogen. Die Vermittlung der herausgearbeiteten Vorschläge, Problemanzeigen, Fragen und Projektideen ist die eigentliche Erfüllung des Auftrags. Eine gute (digitale) Kamera hält wichtige Stationen und vor allem die Plakatwände fest. In der Dokumentation kommen die Auftraggeber zu Wort, die Methode und die Ergebnisse werden vorgestellt und der Anhang mit Pressespiegel, Kontaktadressen und Links beschließt die Broschüre. Digitale Druckereien ermöglichen Kleinstauflagen in Farbe. Als pdf-Dokument im Internet wird die Projekt-Dokumentation für alle zugänglich.
Die Kosten sind sehr projektabhängig: Welche Ressourcen sind vor Ort vorhanden, fallen z. B. Mieten für Räume und Metaplan-Wände an? Wie weit muss zu den Gesprächen gefahren werden? Auf alle Fälle entstehen Kosten für Projektleitung, Moderationsmaterial, Aufwandsentschädigung, Verpflegung und Dokumentation.

Stärken und Schwächen der Methode

Eine Reihe von Rahmenbedingungen muss gegeben sein, um die Methode anwenden zu können:
PRA kann nur angewendet werden, wenn die Zielgruppe räumlich nah beieinander wohnt.
Die Zielgruppe muss vor Ort eine/n Ansprechpartner/in haben, um den Boden für die Befragung zu bereiten und um die Bedenken zu zerstreuen, Fremde in die Wohnung zu lassen. Andererseits gibt die Befragung in den heimischen Wänden Sicherheit und damit authentischere Ergebnisse als an einem neutralen Ort.
Es muss möglich sein, die PRA in einer Woche durchzuführen, denn die Stärke, das »R« in PRA, ist zugleich eine Schwäche: Das Projekt lässt sich nicht zeitlich strecken. Der Verfasser hat den Versuch gemacht, eine PRA zur Untersuchung der Lebens- und Arbeitsperspektiven alleinerziehender Sozialhilfeempfängerinnen zu organisieren. Trotz starker Partner/Auftraggeber kamen nicht genügend Gesprächstermine für eine dreitägige Interviewphase zusammen und die Frauen waren zum Teil schlecht erreichbar und schwer festzulegen auf einen verlässlichen Termin. Um eine ausreichende Anzahl von Frauen zu finden, wurde neben dem Untersuchungszeitraum auch das Einzugsgebiet ausgedehnt und die Anfahrtszeiten verlängerten sich. So dehnte sich die PRA über einen Monat, mit der Folge, dass sich keine Dichte für den kreativen Prozess der Informationsverarbeitung mit der öffentlichen Präsentation als Abschluss aufbauen konnte. Mit einer Verlängerung über eine Woche hinaus ist das Projekt nur noch eine »A« (appraisal/Befragung): Es geht nicht nur die Geschwindigkeit (»R«), sondern auch die Beteiligung (»P«) verloren.

Symbol: »Autor« (ein stilisierter Füllfederhalter)

Ulrich Ketelhodt
KDA – Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
der Ev.-Luth. Nordelbischen Kirche
Gratenstr. 20
D-24103 Kiel
Telefon (04 31) 5 57 79-41 8, -40 0
Telefax (04 31) 5 57 79-49 9
E-Mail: uketelhodt@kda-nordelbien.de
www.kda-nordelbien.de