Demokratiewerkstatt

Seite 2: Was ist eine Demokratiewerkstatt?
Fünf Jugendliche sitzen an einem Konferenztisch. Zwei Jugendliche beugen sich von hinten über den Tisch und betrachten ein Papier, das eine der Sitzenden ihnen hinhält.

Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen der auf Langfristigkeit angelegten und generalisierten DW, die sich politischer Schulbildung ganz allgemein und »institutionalisiert« widmet, und der zeitlich begrenzten Projektarbeit, die sich beispielsweise an ein intensives Lernortseminar anschließt und bei der die (i.d.R. wenigen) Teilnehmer versuchen, an die dort gewonnenen Erfahrungen anzuknüpfen und sie zudem an ihre Mitschüler weiterzugeben, beispielsweise durch Unterrichtsbesuche oder die Organisation themenzentrierter Veranstaltungen.

Das Konzept der DW wurde in einem wissenschaftlichen Modellprojekt (»Nidderau-Projekt«) vom BK in Kooperation mit den Universitäten Gießen und Frankfurt entwickelt, in mehreren Fachveröffentlichungen vorgestellt und diskutiert und wird in der Praxis bereits seit 1997 an mehreren Schulen in Hessen in ehrenamtlicher Arbeit erfolgreich durchgeführt. Die Civic Education Study bestätigt die Methode des DW-Konzepts. So folgern die Autoren, dass »Schulen, die sich um eine Umsetzung demokratischer Prinzipien, z.B. durch Schaffung von Freiräumen für offene Diskussionen bemühen, das politische Verstehen und Engagement ihrer Schüler besonders fördern können«.

Viele Jugendliche sitzen um einem Tischkreis. Viele blicken zu einem im hinteren Teil des Raumes stehenden Jugendlichen.

DWen sind in modifizierter Form auch vorstellbar für andere Institutionen, wie Universität und Bundeswehr. An einem Standort im Wehrbereichskommando II wird es ein erstes Modellprojekt geben, von dem aus weitere DWen bei den Streitkräften ausgehen sollen. Das Konzept ist grundsätzlich nicht auf Jugendliche beschränkt, denn auch bei Erwachsenen sind ähnliche Einstellungen und Erwartungen, das politische und gesellschaftliche Engagement betreffend, bekannt. Daher ist es auch vorstellbar, dass eine DW, angebunden an oder zumindest initiiert durch einen Bildungsträger wie der VHS, außerhalb der hier angesprochenen Institutionen läuft und Bildungsarbeit für eine abgegrenzte Region (wie eine Stadt oder einen Kreis) betreibt.

Das Ziel des DW-Konzepts ist es, neben der Belebung der politischen Bildung und des Engagements für die Demokratie, die Vision von der Jungen Bürgergesellschaft mit Leben zu erfüllen. Das Konzept der DW setzt dazu unmittelbar bei den Jugendlichen an und vernetzt außerschulische und schulische politische Bildung; es macht sie zum gleichberechtigten Bildungspartner. Der methodisch-didaktische Ansatz wird wesentlich durch das daraus abzuleitende Prinzip der Selbstorganisation und einen möglichst großen (aber betreuten) Freiraum erreicht. Schüler werden dadurch in die Lage versetzt, Engagement zu erproben und politische Bildung erlebnisorientiert (durch Aktionen) sowie kognitiv (durch eigene Konzeptions- und schließlich Vermittlungsleistung) selbst zu erfahren und nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Durch die Rolle des Jugendlichen als politischem Bildner entstehen positive Einstellungseffekte bei den Adressaten (Stichworte: »Glaubwürdigkeitsvorsprung«, »Vorbildcharakter«, »Sprechen der gleichen Sprache in der Vielfalt der Jugendkulturen«). Darüber hinaus wird durch die Kombination aus »Betreuung« und Selbstorganisation (DW-Jugendliche als »Helfer« der politischen Bildung) eine fundierte bzw. intensivere und zugleich effizientere politische Bildung möglich. Es werden mehr Jugendliche erreicht.  Bei den Aktiven der DW stellt sich durch die andere und intensivere Auseinandersetzung mit dem Stoff positiver Lernnutzen ein. Dies nennen wir den »Impuls-/Nachbetreuungs-/Streu­ungseffekt«.

Drei Jugendliche mit nachdenklicher Mimik und Gestik.

Eine DW entsteht durch einen Impuls, eine Auftaktveranstaltung, die nach Beendigung inhaltlich nachbetreut wird. Unter anderem wird gefragt, wer Lust dazu hat, selbst Veranstaltungen zu organisieren. So finden sich i.d.R. etwa 15-20 Jugendliche, mit denen dann die DW-Arbeit beginnt. Wo andere Bildungsangebote aufhören (mit dem punktuellen Impuls), beginnt das DW-Konzept und erzeugt Engagement – hier liegt zugleich sein partizipatives Element. Die Jugendlichen übernehmen die Aufgabe des politischen Bildners. Diese nachhaltige Arbeitsweise und die ausgeprägte Selbständigkeit der Jugendlichen in die »Köpfe« aller Beteiligten zu bekommen und sich selbstkritisch als Teamer einer DW daran zu messen, ist das entscheidende Erfolgskriterium des Konzepts. Dabei kommt es auf verschiedene Faktoren wie das Engagement und die Überparteilichkeit des betreuenden Teamers/Lehrers, das Interesse und die Einsatzbereitschaft der Jugendlichen, die Unterstützung der Schulleitung und des Kollegiums, die Betreuung durch den außerschulischen Bildner, das Alter der Schüler und die Schulform an. Generell ist das Konzept auf alle Schulformen und Stufen/Klassen  übertragbar. Wichtig ist, dass die Schüler im Mittelpunkt des Geschehens stehen, sie kreativ gefordert und begleitet werden.

Symbol: »Autor« (ein stilisierter Füllfederhalter)

Dr. Karsten Rudolf
Alexander Wicker
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