Community Organizing

Seite 3: CO in Deutschland?

CO in Deutschland?

Zur ergiebigsten, deutschen Quelle haben sich die Rundbriefe und Publikationen des FOCO e.V. (Forum Community Organizing) entwickelt, die großenteils auch im Internet (www.fo-co.info) bereitstehen. Kernstücke aus dem CO (Beziehungsarbeit, Förderung von Führungspersonen, Machtanalyse und strategisches Vorgehen, Entwicklung von Taktiken mit Durchführung und Auswertung von Aktionen) werden mit Gewinn angewendet: in der Lehre und Praxis aktivierender Sozial- und Gemeinwesenarbeit, in Mieterinitiativen, unabhängigen Bürgerorganisationen und Stadtteilentwicklungen, in lokalen Agenden 21, auch in der Selbstorganisation von Transferfirmen.

An einer Straßenecke steht eine Gruppe von Menschen vor hohen Häusern aus Klinkerstein.


Wo aber ist das deutsche Referenzprojekt, die hauptberuflich professionell begleitete Organisation auf breiter Basis? Daran wird gearbeitet. Noch nicht gelungen scheint die Finanzierung der Aufbau-Organisatoren. Und wenn das einmal gelungen ist, wird die Startphase, die Vielzahl an Beziehungsgesprächen, ohne große öffentliche Ankündigung ablaufen.

Natürlich gibt es Übertragungsprobleme. Ich will nur zwei andeuten:

  • Der US-Mentalität entspricht es, sich ohne öffentlichen Auftrag im eigenen Interesse um Organisation und Geld zu kümmern. In Deutschland wird zunächst darauf verwiesen, dass die Finanzierung professioneller Unterstützung in der Zivilgesellschaft eigentlich öffentliche Aufgabe ist.
  • Manche wörtlichen Übersetzungen von Schlüsselbegriffen des CO sind kaum verwendbar (leader – Führer) oder erzeugen Unbehagen (power – Macht).

Ed Chambers, als Direktor der IAF (Industrial Area Foundation) Alinskys Nachfolger, hat mir am Ende eines 10-Tage-Organizer-Trainings in Chicago gesagt: »Haltet euch nicht mit Übersetzungsproblemen auf, die Abläufe selbst funktionieren auch ohne die Worte. Versucht nicht, den Deutschen erst klar zu machen, dass es in den USA eine politisch erfolgreiche Methode gibt, um sie dann davon zu überzeugen, dass sie das nachmachen müssen. Behauptet einfach, dass ihr all das selbst erfunden habt, aber beginnt zu organisieren.« Das nennt man, glaube ich, eine paradoxe Intervention. Let’s organize!

Symbol: »Literaturtipp« (ein stilisiertes geöffnetes Buch)

Alinsky, Saul D.: Rules for Radicals – A Pragmatic Primer für Realistic Radicals. 1971.

Alinsky, Saul D.: Anleitung zum Mächtigsein. 2000 (Neuauflage).

Forum für Community Organizing e.V. (FOCO)/Stiftung Mitarbeit (Hrsg.) in Kooperation mit DICO: Handbuch Community Organizing. Theorie und Praxis in Deutschland. Bonn 2015 (2. Auflage), 248 S., 12,00 Euro, ISBN 978-3-941143-15-9, Online-Bestellung

Symbol: »Autor« (ein stilisierter Füllfederhalter)

Dr. Walter Häcker
Berater für Organisationen und Unternehmen
Mühlstr.8
73650 Winterbach
E-Mail: dr.walter.haecker@web.de