Arbeitsbuchmethode: Werkzeug und Prozess

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7. Arbeitsbuch 2

Die eingegangenen Antworten werden zusammengestellt und im Arbeitsbuch 2 dokumentiert. Alle Bewohner/innen erhalten ein Exemplar. Zusammen mit der Verteilung wird zu Studienzirkeln (Arbeitsgruppen) eingeladen, die entweder nach Themen oder nach räumlichen Kriterien gebildet werden. In den Studienzirkeln, die von Mitgliedern der Redaktionsgruppe oder dem/der Koordinator/in moderiert werden können, wird eine Rangordnung und Gewichtung vorgenommen. Hierzu werden Sachverständige aus der Verwaltung und andere Expert/innen eingeladen, um Angaben zu den Umsetzungsmöglichkeiten und -alternativen, Kosten, verfügbaren Haushaltsmitteln etc. zu machen. Während Arbeitsbuch 1 vor allem darauf zielte, grundsätzliche Wünsche zu ermitteln, verschiebt sich der Schwerpunkt nun zu den Fragen der Durchführung: wie und wer? Es werden konkrete Umsetzungsschritte bzw. -vorschläge entwickelt. Die Studienzirkel sollen ihre Arbeit binnen zweier Monate abschließen.

8. Arbeitsbuch 3 und Umsetzung

Die Redaktionsgruppe fasst die Ergebnisse im Arbeitsbuch 3 zu Handlungsempfehlungen zusammen, die an alle Bewohner/innen sowie an Politik und Verwaltung gehen. Politik und Verwaltung legen in einem zuvor vereinbarten Zeitraum dar, ob, wann und wie die an sie gerichteten Vorschläge umgesetzt werden und geben später einen Umsetzungsbericht ab.

Mit der Methode wurden in den skandinavischen Ländern sehr positive Erfahrungen gemacht. Arbeitsbuchprozesse haben dort zahlreiche lokale Planungsprozesse geprägt und  Veränderungen bewirkt. Sie führten jeweils zu neuen Erkenntnissen über die Bedürfnisse und Meinungen der beteiligten Menschen, brachten unterschiedliche Bevölkerungsgruppen miteinander ins Gespräch und belebten die lokale Demokratie. Ebenso aktivierten sie ressourcenschwache Bevölkerungsgruppen, die bisher gar nicht oder kaum an Entscheidungsprozessen und an der Gestaltung des Wohnquartiers beteiligt waren. Die Ergebnisse fanden überwiegend breite Zustimmung und Verankerung. Die beteiligten Bürgerinnen und Bürger unterstützen die Umsetzung. Fast überall entstanden aus dem Kontakt im Rahmen der Arbeitsbuchmethode vielfältige weitere soziale und politische Aktivitäten.

Grundlagen für das Gelingen der Arbeitsbuchmethode in der Stadtteilarbeit sind eine kleinräumig-überschaubare Struktur und die Bereitschaft von Politik und Verwaltung, sich auf einen solchen Prozess einzulassen. Für die Anwendung der Methode kommen abgeschlossene Wohnquartiere mit 500 bis max. 5.000 Haushalten in Frage. Entscheidend ist nach Oraug, dass die Arbeitsbücher persönlich verteilt und wieder eingesammelt werden können. Hier sind die Voraussetzungen in den durchweg viel kleineren Gemeinden Skandinaviens natürlich andere als bei uns. Für eine relativ kleine Zahl von Beteiligten ist der Aufwand vergleichsweise hoch.

Ohnehin kann es nicht darum gehen, ein in einer bestimmten politischen Kultur entstandenes Modell einfach im Maßstab 1:1 auf ein anderes Land zu übertragen. Vielmehr geht es beim Blick über die Landesgrenzen um Anregungen und Impulse, die wir für die eigene Praxis gewinnen können. Bei der Arbeitsbuchmethode sind dies, neben der Art der Ansprache der Bürgerinnen und Bürger, vor allem die Systematik der Erhebung und Auswertung und die Integration in politische Entscheidungsprozesse.

Die Arbeitsbuchmethode ist, wie etwa die Erfahrungen bei Veränderungsprozessen im Verbandsbereich in Norwegen zeigen, vielfältig und auch global einsetzbar. Johs Oraug arbeitet daran, die Methode für die Anwendung via Internet weiter zu entwickeln.