Arbeitsbuchmethode: Werkzeug und Prozess

Seite 2: Schritt 5-6
Die Seiten eines Arbeitsbuches
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5. Erstellung von Arbeitsbuch 1

Ein »Arbeitsbuch« ist kein abschreckender, dicker Wälzer. Vielmehr handelt es sich in der Regel um sehr heiter und lesefreundlich aufgemachte und mit vielen Abbildungen,  Zeichnungen oder auch Zeitungsartikeln illustrierte A 4-Hefte von 16 bis 24 Seiten Umfang, also eher um bebilderte Fragebögen. (Der Name »Arbeitsbuch« ist daher im Deutschen vielleicht etwas irreführend.)

Arbeitsbücher beginnen zumeist – aber nicht immer! – mit offenen Fragen. Beispiel aus einem Projekt in einem Wohngebiet von Norrköping: »Was ist gut und wichtig in Ljura? Bitte versuchen Sie, drei Punkte zu benennen!« – »Was ist weniger gut, was sind Mängel in Ljura? Versuchen Sie bitte, drei Punkte zu benennen.«

Die Arbeitsbücher sind in der Regel heiter und lesefreundlich aufgemacht und mit vielen Abbildungen, Zeichnungen oder auch Zeitungsartikeln illustriert.
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Auf den folgenden Seiten präsentiert die Redaktionsgruppe unterschiedliche Probleme des Wohngebietes – ggf. auch unterschiedliche Lösungsansätze und Meinungen – und stellt dazu Fragen. Wenn das Arbeitsbuch aufgeschlagen ist, stehen jeweils auf der linken Seite die Problembeschreibung und möglichen Lösungsvorschläge. Auf der rechten Seite finden sich die dazu gehörigen – zumeist geschlossenen – Fragen (ja/nein/weiß nicht bzw. Wahl von Alternativen) und Raum für weitere Vorschläge und eigene Ideen.
Neben Meinungen und Stellungnahmen wird auch nach der persönlichen Bereitschaft gefragt, bei der Lösung des Problems oder bei der weiteren Planung zu dem jeweiligen Punkt selber mitzuarbeiten.
Das Arbeitsbuch enthält eine kurze Einführung, warum das Projekt gestartet wurde/wird, eine Beschreibung der Methode (Arbeitsbuch 1 bis 3), Informationen zur Abgabe (Datum, Adresse etc.) sowie eine Auflistung der Namen derjenigen, die an der Erstellung des Arbeitsbuchs beteiligt waren.

Die Redaktionsgruppe des Arbeitsbuches präsentiert unterschiedliche Probleme des Wohngebietes – ggf. auch unterschiedliche Lösungsansätze und Meinungen – und stellt dazu Fragen.
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6. Verteilung und Einsammlung von Arbeitsbuch 1

Das Arbeitsbuch 1 wird immer persönlich verteilt, also nicht etwa bloß in den Briefkasten geworfen oder per Post verschickt. Diese persönliche Verteilung ist ein absolutes Muss. Hierfür werden Multiplikator/innen, sprich: vertraute Gesichter aus Vereinen, Organisationen oder den jeweiligen Bevölkerungsgruppen, gewonnen. So achtet man z.B. in Wohngebieten mit hohem Migrant/innenanteil darauf, dass die Bewohner/innen möglichst von Bürger/innen aus ihren jeweiligen Herkunftsländern besucht werden, schon allein, um sprachliche Probleme zu vermindern. Auch bei anderen (z.B. Verständnis- oder Lese-) Schwierigkeiten stehen die Verteiler/innen als Ansprechpersonen zur Verfügung.
Die gesamte Aktion wird über die Lokalpresse, Handzettel, Aushänge in Geschäften, die örtlichen Vereine, Schulen etc. vorab angekündigt, damit sie für die meisten Bewohner/innen nicht völlig überraschend kommt. Bei der Übergabe wird ein Abgabe- oder Einsammeltermin bekannt gegeben bzw. vereinbart. Wenn es geht und gewünscht ist, wird das Arbeitsbuch zum vereinbarten Termin auch wieder von der gleichen Person abgeholt. Dies ist aber kein Muss.
Unterschiedlich wird gehandhabt, ob jeder Haushalt oder jedes Haushaltsmitglied einzeln ein Arbeitsbuch erhält. Verschiedentlich wurden auch nach Altersgruppen differenzierte Arbeitsbücher erstellt (auch für Kinder und Jugendliche). Ebenso wurden statt der Haus-zu-Haus-Verteilung auch andere Formen der Verteilung, z.B. über die Schulen, Läden, die örtlichen Vereine etc. gewählt.
Für die Beantwortung wird ein Zeitraum von 10 bis 14 Tagen angesetzt. Möglichst wird im Arbeitsbuch 1 angegeben, wann mit Arbeitsbuch 2 und den nächsten Schritten zu rechnen ist, damit sich alle Befragten darauf einstellen können. Wer nach Ablauf der Frist nicht geantwortet hat, wird noch einmal erinnert.
Wenn nicht mehr als ein Viertel der betroffenen Bewohner/innen erreicht werden, wird empfohlen, den Prozess nicht weiter fortzusetzen. Stattdessen solle man sich überlegen, was man falsch gemacht hat. Es sei ein Zeichen dafür, dass man nicht nach den Problemen gefragt hat, die die Menschen wirklich interessierten (vgl. Sandelius). Die Regel ist aber, dass die Rücklaufquoten weit höher liegen.