Runder Tisch

Seite 2: Anbindung an Entscheidungsprozesse, Setting, Arbeitsmaterial und Kosten

Anbindung an die politischen Entscheidungsprozesse

Über welche Legitimation verfügt der Runde Tisch? Was passiert mit seinen Ergebnissen? Diese und ähnliche Fragen stellen sich viele der Beteiligten zu Recht. So mancher Runde Tisch hat zwar gut und produktiv gearbeitet, musste dann aber feststellen, dass die politischen Gremien zwischenzeitlich Fakten geschaffen haben, durch die die Ergebnisse Makulatur wurden. Oder die Ergebnisse wurden in Ausschüssen so lange diskutiert und so umfassend überarbeitet, dass am Ende nur wenig von den ursprünglichen Ideen übrig geblieben war. Am Anfang eines Runden Tisches sollte daher ein klares Bekenntnis der Entscheidungsgremien zu dem Prozess stehen. Dabei ist zu empfehlen, nicht nur die Zustimmung einzuholen, sondern Erwartungen und Befürchtungen der Entscheidungsträger aufzunehmen. In vielen Beteiligungsprozessen kommt es durch ungeklärte oder falsche Erwartungen bei den Entscheidungsträgern aber auch bei den Teilnehmenden des Prozesses zu vermeidbaren Konflikten. Schon in den ersten Sitzungen sollte geklärt werden, wie sich Zusammenarbeit und Informationsaustausch zwischen Rundem Tisch, Politik und Verwaltung gestaltet und welche Bindungswirkung die Ergebnisse haben sollen. Dies beugt Missverständnissen vor und steigert die Qualität des Gesamtergebnisses.

Setting, Arbeitsmaterialien und Kosten

Auf den ersten Blick paradox, aber in der Praxis bewährt: Der Runde Tisch kommt meist ganz ohne Tische aus. Es sollten ansprechende und großzügige Räumlichkeiten gewählt werden, die einen Wechsel zwischen Plenum und Kleingruppenarbeit ohne störende Umbauten ermöglichen. Um die Kreativität und das Potenzial der Teilnehmenden nutzen zu können, sollten Moderationsmaterialen (Moderationswände, -koffer, und -papier) zur Verfügung stehen. Pausengetränke und ein kleiner Imbiss sind eine gern angenommene Geste, die die Teilnehmer ebenso zu schätzen wissen wie eine klare inhaltliche und zeitliche Struktur für die erfahrungsgemäß drei- bis vierstündigen Treffen. Einladungen und Dokumentationen sollten den Teilnehmenden zeitnah mit allen relevanten Informationen zur Verfügung stehen. Dies mögen Banalitäten sein angesichts der Gewichtigkeit der Inhalte. Doch sind es oftmals gerade solche Kleinigkeiten, die das Klima des Prozesses nachhaltig beeinflussen können. Damit sind auch schon einige Kostenfaktoren benannt: Räumlichkeiten, Verpflegung, Arbeitsmaterialien, Erstellung und Versand von Einladungen und Protokollen. Soll der Prozess von professionellen Moderatoren begleitet werden, sollten dafür frühzeitig die Kosten ermittelt werden. Sind Moderatoren vorhanden, kann der Einbezug externer Fachleute zur Begleitung und Weiterqualifizierung der Moderatoren sinnvoll sein.

Eine Inflation Runder Tische ist nicht zwangsweise ein Gradmesser für mehr Demokratie. Im Gegenteil kann das Gefühl der Ohnmacht in Beteiligungsprozessen zukünftige Beteiligung schwächen und dem Vertrauen in die politischen Institutionen schaden. Daher sollte auch der Runde Tisch auf das Fundament einer soliden Vorbereitung gestellt werden. Er ist weder ein Allheilmittel noch ist die Organisationsform selbst ein Garant für einen Erfolg. Bewusst eingesetzt und im Sinn der beschriebenen Anforderungen gestaltet, bietet er die Chance, die Qualität kommunaler Entscheidungen zu steigern sowie soziales Kapital in einer Kommune aufzubauen und zu nutzen. Konflikte können durch die Stärkung einer Kultur des Dialogs besser reguliert und in manchen Fällen auch vermieden werden. Der Runde Tisch ist damit, ganz im Sinn des eingangs erläuterten Bildes, ein Ort der Begegnung und der direkten Kommunikation. Auf dem Weg in die viel beschworene Bürgergesellschaft ist er damit ein Möbelstück mit Zukunft.

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Dr. Jürgen Wüst
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