Konfliktlösungskonferenz

Seite 2: Organisation & Ablauf, Vorbereitung

Organisation & Ablauf

Die Meilensteine auf dem Weg zur erfolgreichen Durchführung einer Konfliktlösungskonferenz sind eng mit den Kernphasen der Methode verbunden:

  • Vorbereitung: Interessengruppen und Moderation identifizieren
  • Erster Konferenztag: Wünsche und Bedürfnisse herausarbeiten
  • Zweiter Konferenztag: Fachliche Aspekte erschließen
  • Dritter Konferenztag: Einvernehmliche Lösungen entwickeln
  • Vierter Konferenztag: Bürgergutachten öffentlich vorstellen.


Vorbereitung: Interessengruppen und Moderation identifizieren

Die Vorbereitungsphase einer Konfliktlösungskonferenz ist von zentraler Bedeutung für den ganzen Verfahrensverlauf. Die Vorbereitung nimmt viel Zeit in Anspruch und erfordert genaue Recherchen. Die Organisatoren sollten erfahren im Umgang mit gesellschaftlichen Kontroversen und Konflikten sein, denn sie sind nicht nur für alle organisatorischen Fragen zuständig, sondern auch für die Moderation der Konferenz. Sie erstellen ferner die Reinform des Bürgergutachtens und zeichnen sich für die Identifikation der Interessengruppen verantwortlich.

Zusammen mit den Moderatoren planen die Organisatoren den konkreten Ablauf der dreieinhalbtägigen Konferenz. Ein wichtiger Punkt betrifft die Erstellung einer Vorschlagsliste geeigneter Sachverständiger für die Beratungen mit den Interessengruppen sowie deren offizielle Einladung. Weitere wichtige organisatorische Aufgaben schließen die Bereitstellung entsprechender Fachliteratur und die Auswahl geeigneter Konferenzräume und -materialien ein.

Ebenso sollte eine über den gesamten Verlauf der Konferenz tragende Strategie der Öffentlichkeitsarbeit definiert werden. Das ist wesentlich, denn im Vergleich zur Mediation steht die Konfliktlösungskonferenz nicht für einen vertraulichen Prozess, sondern es handelt sich prinzipiell um eine öffentliche Veranstaltung. Vor Beginn der ersten Tagung muss exakt definiert sein, wann und wie die Medien über den Fortgang und die Ergebnisse der Konferenz unterrichtet werden.

Dem Organisationsteam dürfen nur Personen angehören, die keinen mittelbaren bzw. unmittelbaren Bezug zum Thema (Konflikt) der Konferenz haben. Auf diesem Weg soll erreicht werden, dass die Methode nicht für Partikularinteressen missbraucht oder ihre Glaubwürdigkeit in Frage gestellt wird. Idealerweise setzt sich das Organisationsteam aus anerkannten unparteiischen Personen zusammen, die für eine professionelle und entscheidungsoffene Durchführung des Verfahrens bürgen und glaubhaft auf die Interessengruppen wirken.

Eine erfahrene und unparteiische Moderation ist über alle Etappen des Verfahrens hinweg eine der zentralen Voraussetzungen. Bürger und Interessengruppen, die sich etwa nicht kennen oder nicht gut aufeinander zu sprechen sind, müssen in kurzer Zeit zu einer arbeitsfähigen Gruppe zusammen wachsen und konkrete Ergebnisse vorlegen. Immer wieder gibt es Krisen zu bewältigen, die in allen Konferenzphasen auftreten können. Es geht also darum, das Motivationsniveau der Interessengruppen für eine gemeinsame Lösung hoch zu halten.

Die kontinuierliche Betreuung aller Interessengruppen an vier Konferenztagen überfordert einen Moderator oft, sodass besser zwei Personen diese Aufgabe übernehmen. Sie sollten ein breites Spektrum an Seminar- und Moderationsmethoden nutzen, um ein effizientes Arbeiten der Interessengruppen unterstützen sowie deren Wissens- und Erfahrungspotential in der knappen zur Verfügung stehenden Zeit ausschöpfen zu können. Die Moderation hat in den Verhandlungsrunden und in der Interaktion mit den geladenen Sachverständigen für eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Konferenzthema zu sorgen.

Für die Teilnahme an einer Konfliktlösungskonferenz müssen die entsandten Interessenvertreter die Bereitschaft mitbringen,

  • ehrenamtlich an vier Tagen mit Vertretern unterschiedlicher Interessengruppen die Kontroverse bzw. den Konflikt eingehend zu diskutieren
  • sich zwischen den Treffen Wissen zum Themenkreis anzueignen
  • die gesellschaftliche Herausforderung mit Sachverständigen zu erörtern
  • sich für andere Sichtweisen, Wünsche und Bedürfnisse zu öffnen
  • den anstrengenden Prozess der Lösungsfindung mitzutragen
  • die erzielten Lösungsvorschläge öffentlichkeitswirksam vorzustellen

Eine 15- bis 50-köpfige Bürgergruppe kann nicht repräsentativ für die Gesellschaft stehen. Die große Herausforderung besteht vielmehr darin, die zentralen, vom Konflikt betroffenen Interessengruppen zu identifizieren. Diese entsenden eigenständig aus ihrem Umfeld jeweils fünf bevollmächtigte Vertreter. Bei der Auswahl der Vertreter sollte darauf geachtet werden, dass verschiedene Altersgruppen, Bildungsniveaus, soziale Milieus und beide Geschlechter beteiligt sind.

Zur Identifikation der relevanten Interessengruppen lassen sich diverse Verfahren der empirischen Sozialforschung (z.B. Beobachtung oder Interview) einsetzen. Es handelt sich hierbei um einen mehrstufigen Prozess, den es mit Blick auf jeden konkreten Fall gilt, individuell anzupassen. Teilstandardisierte Fragebögen können dabei helfen, soziale Daten, den Betroffenheitsgrad sowie die Motivation und die Gründe einer Teilnahme an der Konferenz zu erfassen. Basierend auf diesen Datensätzen lässt sich nach vorab festgelegten Kriterien der Teilnehmerkreis weiter spezifizieren und es lassen sich konkrete Einladungen aussprechen.